Quartalszahlen Apple will wieder mehr als die iPhone-Firma sein

  • Apple legte Rekordzahlen vor, doch Wachstum von iPhone-Verkäufen und Umsatz gehen langsam zu Ende.
  • Die Firma betont, mit Diensten wie Apple Pay oder Apple Music mehr Geld verdienen zu wollen.
Analyse von Johannes Kuhn, New Orleans

Investoren haben eine Angewohnheit, die Unternehmen zur Verzweiflung treiben kann: Sie blicken nie zurück, sondern nur nach vorne. Das ist ihr Job, und so traten Apples Rekordzahlen in den Hintergrund gegenüber Fragen nach der Zukunft des Konzerns.

75,9 Milliarden US-Dollar Umsatz und 18,4 Milliarden US-Dollar Gewinn wies der Tech-Riese aus Cupertino im abgelaufenen Quartal aus. 74,8 Millionen verkaufte iPhones bedeuten 34.000 Exemplare pro Stunde, jeden Tag, 24 Stunden. Das sind Rekordwerte, die minimal unter den Vorhersagen der Analysten liegen.

Die schlechte Nachricht aus und für Cupertino: Die Umsatzprognosen der Firma für das derzeit laufende Quartal liegen mit 51 bis 53 Milliarden US-Dollar recht deutlich unter den Analysten-Erwartungen, die bei 55 Milliarden angesetzt waren. Auch wenn Apple traditionell eher konservative Ausblicke gibt, wird das Unternehmen wohl erstmals seit 2003 einen Umsatzrückgang ausweisen. Und damit wären wir bei der Zukunft: Wieder einmal steht die Frage um Raum, ob das iPhone den Gipfel erreicht hat und es von nun an nur noch abwärts geht.

Die Smartphone-Nachfrage verlangsamt sich

Erste Anzeichen gibt es bereits: Die iPhone-Verkaufszahlen wuchsen im abgelaufenen Quartal nur um 0,4 Prozent und waren im Kernmarkt USA und in Japan sogar rückläufig. Das liegt auch daran, dass sich Apple in einem jener Zwischenjahre befindet, in der die neuen Geräte (iPhone 6S, 6S Plus) sich kaum von ihren Vorgängern unterscheiden.

Die Messlatte der Vergleichsquartale 2015 liegt durch die erstaunlichen Verkaufszahlen des iPhone 6 außerdem sehr hoch. Allerdings zeigen sich auf dem Smartphone-Markt deutliche Anzeichen der Sättigung: Den Marktforschern von IDC zufolge wird die Smartphone-Nachfrage erstmals weniger als 10 Prozent wachsen.

Für Apple, das mit zwei Drittel seines Umsatzes mit Smartphones macht und sich bislang auf das Premium-Segment beschränkt, ist das ein Warnsignal. Und so führte Apple-Chef Tim Cook im Analystengespräch nicht nur Weltwirtschaft und Währungsschwankungen als Erklärung für das aktuelle Quartal an, sondern änderte erstmals seit längerer Zeit das Narrativ: "Wir sind eines der größten Service-Unternehmen der Welt", verkündete er.

Apple will wieder mehr als Hardware sein

Services, das sind jene Software-Dienste wie Apple Music, der App Store, Apple Pay, iTunes oder iCloud. Die trugen im vergangenen Jahr 31 Milliarden Dollar zum Apple-Umsatz bei - und sollen offenbar künftig deutlich stärker wachsen. Damit versucht Apple auch, Abstand zwischen sich und sein Image zu bringen, im Kern ein reiner Hardware-Konzern zu sein.

In der Praxis allerdings ist das iPhone mit zwei Dritteln des Umsatzes das Apple-Herz - der durchschnittliche Verkaufspreis lag im abgelaufenen Quartal bei 691 Dollar und damit mehr als 400 Dollar über dem durchschnittlichen Android-Gerät. Die Gewinn-Marge des Produkts beträgt stattliche 40 Prozent, Apple führt die Zuliefer-Kette mit harter Hand und kann dem Endkunden Premium-Preise abverlangen. Mit 15 Prozent Marktanteil streicht die Firma deshalb mehr als 90 Prozent der Gewinne des Smartphone-Marktes ein.