Private Krankenversicherung Wie Privatversicherte 2016 sparen können

Eingriffe, die früher bei jüngeren Patienten vorgenommen wurden, sind heute auch bei Älteren Standard. Das erhöht Kosten, auch bei den Krankenkassen.

(Foto: Arne Dedert/dpa)
  • Viele Privatversichterte müssen im neuen Jahr höhere Beiträge zahlen.
  • Ein Tarifwechsel innerhalb ihrer Krankenkasse kann sich deshalb lohnen - ein Wechsel in die Gesetzliche nur bedingt.
Von Marie Tuil

Für Reiner Kumpf hat es sich so richtig gelohnt. Von 495 auf 255 Euro konnte er seinen Monatsbeitrag zur privaten Krankenversicherung senken, und das ohne Leistungseinbußen. Seit Mitte der Achtzigerjahre hatte der Anwalt, der seinen richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen will, die gleiche Versicherung. Nun hat er den Tarif gewechselt - und ist beim selben Versicherer geblieben. Seit Jahresbeginn soll das einfacher werden: Ein Großteil der privaten Krankenversicherungen hat sich Leitlinien für einen transparenten Tarifwechsel auferlegt, und das wird auch von Verbraucherschützern begrüßt.

Vergreiste Tarife

Wer seit Jahrzehnten im selben Tarif versichert ist, sollte sich nach günstigeren Möglichkeiten umschauen. Viele steigen kurz nach der Ausbildung in die private Krankenversicherung ein, denn sie ist zunächst billiger und bietet dazu vermeintlich bessere Leistungen als die gesetzliche Krankenversicherung. So etwas bleibt im Gedächtnis. Beitragssteigerungen im Lauf der Jahre werden deshalb hingenommen. Aber: "Bei einer Tarifvergreisung kann es zu Prämienzuwächsen kommen, die mit zunehmendem Alter überproportional ansteigen", sagt ein Sprecher der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). Die beaufsichtigt nicht nur Banken, sondern auch die privaten Krankenversicherungen. Vergreiste Tarife können also teurer sein als andere, bei gleichen Leistungen. Dann lohnt sich ein Wechsel auf jeden Fall.

Den Anbieter wechseln?

Das ist in der Regel nicht zu empfehlen. Grund dafür sind die Alterungsrückstellungen. Das sind Kapitalpolster, die private Krankenversicherer von Anfang an aus einem Teil der Prämien bilden, um die Beiträge auch im Alter konstant zu halten. Unzufriedene, die den Anbieter wechseln wollen, verlieren dieses Polster: Bei Verträgen, die vor 2009 abgeschlossen wurden, hat der Versicherte kein Recht, sich die Rückstellungen bei einer anderen Versicherung anrechnen zu lassen. "Die beste Alternative ist deshalb der Tarifwechsel beim selben Anbieter", sagt eine Sprecherin des Bundes der Versicherten. Dann werden Alterungsrückstellungen voll übernommen.

Sparen ohne Einbußen

Bei den meisten privaten Krankenversicherungen existieren viele sehr ähnliche Tarife nebeneinander. Immer neue Tarife sollen junge, gesunde Gutverdiener locken. Die alten Tarife werden deshalb für Neuzugänge geschlossen. Für die Berechnung eines Tarifs sind aber immer nur diejenigen Versicherten relevant, die in genau diesem Tarif versichert sind. Wie viele Kranke im selben Tarif versichert sind und wie viele Versicherte den Vertrag storniert und ihre Alterungsrückstellungen zurückgelassen haben - solche Faktoren sind dafür verantwortlich, dass sich ähnliche Tarife ganz unterschiedlich entwickeln.

"Es ist durchaus möglich, dass Kunden bei ihrem eigenen Versicherer einen Tarif finden, der günstiger ist, bei insgesamt gleichbleibendem Leistungsniveau", sagt ein Sprecher des Verbandes der privaten Krankenversicherungen. Einsparungen müssen also nicht grundsätzlich auf Kosten der Leistungen gehen. "Manchmal ist es aber so, dass Versicherte bei einem Tarifwechsel auch Leistungseinschränkungen hinnehmen müssen", sagt Elke Weidenbach, Versicherungsexpertin bei der nordrhein-westfälischen Verbraucherzentrale.