Praktiker-Tochter Max-Bahr-Märkte wollen Filialen weiterführen

Die gelben Märkte galten als etablierte Tochterfirmen der Baumarkt-Kette Praktiker - ohne dessen negatives Discounter-Image. Trotzdem kündigte Max Bahr einen Insolvenzantrag an. Nun gibt sich das Unternehmen plötzlich hoffnungsvoll.

Zuletzt gab es 132 Max-Bahr-Standorte und ihre Zukunft schien einigermaßen sicher. Denn obwohl die Mutterfirma Praktiker an ihrem Billig-Image ("20 Prozent auf alles - außer Tiernahrung") scheiterte und Insolvenz anmelden musste, galten die gelben Märkte als Hoffnungsträger des Konzerns, der immer mehr Verluste anhäufte. Dass Max Bahr am Donnerstag ankündigte, ebenfalls Insolvenz anmelden zu wollen, kam für viele unerwartet.

Doch nun gibt sich das Unternehmen plötzlich wieder zuversichtlich: Die Filialen der Baumarktkette Max Bahr sollen nach dem Insolvenzantrag zunächst weitergeführt werden. Es komme darauf an, den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren, die Warenversorgung sicherzustellen und möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten, sagte ein Sprecher der Firma am Freitag in Hamburg.

Auch die Gewerkschaft Verdi sorgt sich um die Zukunft des Unternehmens. Sie hat vor einer drohenden Zerschlagung der insolventen Baumarktkette Praktiker und deren Tochtergesellschaft Max Bahr gewarnt.

Verdi klagt Situation als skandalös an

"Auch Warenkreditversicherer, Banken, Lieferanten und Vermieter müssen Verantwortung für die Arbeitsplätze und Existenzen der rund 15.000 Beschäftigten bei Max Bahr und Praktiker übernehmen", forderte Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger am Freitag in Hamburg. Es sei skandalös, dass ein einzelner Warenkreditversicherer aus kurzfristigem Profitinteresse die Fortführung des Unternehmens gefährde.

Warenkreditversicherer sind für die Versicherung von Forderungsausfällen zuständig und greifen dann, wenn ein Handelsunternehmen etwa seine Lieferungen nicht mehr bezahlen kann.

Die als profitabler geltende Tochtergesellschaft des insolventen Praktiker-Konzerns hatte ihren Antrag auf Planinsolvenz am Donnerstag angekündigt. Die positive Fortführungsprognose sei weggefallen, nachdem ein Warenkreditversicherer seine Zusagen nicht aufrechterhalten habe, teilte das Unternehmen mit. "Eine zuverlässige Warenversorgung der Max-Bahr-Märkte ist damit nicht mehr gewährleistet." Max Bahr werde kurzfristig beim Amtsgericht Hamburg die Eröffnung von Insolvenzplanverfahren wegen Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit beantragen.

Ein Insolvenzplanverfahren hat in der Regel die Sanierung des Unternehmens zum Ziel.

Die weitere Zukunft der Max-Bahr-Märkte ebenso wie der gesamten Praktiker-Gruppe ist unklar. Die Insolvenzverwalter wollen die Gruppe gern als Ganzes verkaufen.