Pläne für Konzernumbau "Kleine Revolution" bei der Deutschen Bahn

Wie geht es weiter bei der Deutschen Bahn? Konzernchef Rüdiger Grube will offenbar umbauen.

(Foto: Getty Images)
  • Die Bahn macht weniger Gewinne als geplant.
  • Vor allem die Fernbus-Unternehmen bereiten dem Konzern Schwierigkeiten.
Von Thomas Öchsner, Berlin

Bahnchef Rüdiger Grube will den Staatskonzern umbauen. Das hat er überraschend auf einer Aufsichtsratssitzung des Unternehmens angekündigt, wie die Süddeutsche Zeitung aus Aufsichtsratskreisen erfuhr. "Um im Wettbewerb zu bestehen, werden wir neue Wege gehen, falls alte Rezepte und bestehende Geschäftsmethoden nicht mehr zukunftsfähig sind", heißt es in der Präambel der mittelfristigen Geschäftsplanung für die Jahre 2015 bis 2019. Diese hatte Grube am Mittwoch dem Kontrollgremium vorgelegt.

Demnach hält es der Bahnchef für möglich, dass das Kerngeschäft des Unternehmens neu definiert und auch das Portfolio, also die Bestandteile des Konzerns, verändert werden. Grube will sich dabei offenbar eng mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Utz-Hellmuth Felcht abstimmen und sich daran machen, die Schritte in den nächsten Wochen umzusetzen.

Alle Geschäftssparten unter Druck

Was der Bahnchef genau vor hat, ist noch unklar. Grube deutete bei seiner Präsentation aber an, dass es neben strukturellen Veränderungen im Konzern auch personelle Wechsel in der Führungsetage geben werde. Der Konzernvorstand soll davon nicht ausgeschlossen sein. Bahn-Experten sprachen von einer "kleinen Revolution".

Alle Geschäftssparten des einstigen Monopolisten auf der Schiene stehen seit längerem unter Druck: Fernbusse nehmen dem Konzern im Fernverkehr verstärkt Kunden weg, die möglichst günstig von A nach B kommen wollen. ICE und IC fuhren zuletzt nicht einmal halb so viel Gewinn ein wie geplant.

Auch die Güterzüge erwirtschafteten in diesem Jahr bislang Verluste, obwohl Gewinne angestrebt waren. Zuletzt wurde das Geschäft auch erheblich durch die Streiks der Lokführer und Naturkatastrophen beeinträchtigt. Außerdem verliert die Bahn im Regional- und Nahverkehr Aufträge an die Konkurrenz. Der Marktanteil des Staatskonzerns beläuft sich hier nur noch auf gut 70 Prozent.

Das Unternehmen wird deshalb 2015 zum dritten Mal in Folge die Gewinnziele nicht erreichen. Bis Ende Mai verzeichnete der Konzern ein Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 626 Millionen Euro. Das sind 239 Millionen Euro weniger als im Vorjahreszeitraum. Gerechnet hatte die Bahn mit etwa 780 Millionen Euro.

In der Regel läuft das Geschäft im zweiten Halbjahr deutlich besser. Die Konzernleitung hofft deshalb darauf, 2015 noch die Marke von zwei Milliarden Euro erreichen zu können. Um das zu schaffen, muss die Bahn ihren Sparkurs allerdings verschärfen. Ursprünglich geplant war ein Gewinn vor Steuern und Zinsen von 2,2 Milliarden Euro. Grube hatte immer wieder betont, dass ein weiterer Anstieg der Verschuldung des Konzerns verhindert werden müsse. Derzeit liegt sie bei etwa 17 Milliarden Euro.