Paypal Die Bank, die keine sein will

Vom Bezahlknopf im Internet zum Giganten der Finanzbranche: Paypal-Logo am Times Square in New York.

(Foto: dpa)
  • Scheinbar unaufhaltsam wächst die einstige Tech-Plattform Paypal zu einem der mächtigsten Player in der Finanzbranche heran.
  • Der Online-Handel, der Paypal groß gemacht hat, tritt zunehmend in dem Hintergrund. Stattdessen geht es vor allem um eines: Geld.
  • Für traditionelle Banken ist das gefährlich. Wenn sie nicht aufpassen, werden sie zum bloßen Dienstleister degradiert.
Von Kathrin Werner, New York, und Andrea Rexer

Natürlich sieht es hier nicht aus wie in einer Bank. Wenn Paypal Kunden zeigen will, welche Dienstleistungen es anbietet, dann baut das Unternehmen kurzerhand eine Bar auf mit hochbeinigen Hockern und einem langen Tresen. Bier gibt es hier zwar nicht, aber bezahlen könnte man es. Denn auf der Theke steht ein schwarzes Kästchen, es ist ein Kreditkarten-Lesegerät, das der Wirt von Paypal kaufen könnte - auf Pump, mit einem Paypal-Geschäftskredit. In seinem New Yorker Showroom versucht der globale Online-Bezahldienst seine Produkte von der virtuellen Welt in die physische zu holen. Das ist nicht ganz einfach, denn schließlich operiert Paypal vor allem mit Zahlen.

Und zwar mit großen Zahlen. Am Eingang des Showrooms leuchtet ein Erdball auf einem Bildschirm. Hunderte kleine Punkte blinken darauf, sie stehen für Transaktionen. Paypal wickelt 282 pro Sekunde ab. Die 210 Millionen Privatkunden und 19 Millionen Händler schicken pro Sekunde 16 975 US-Dollar durch die Paypal-Netze.

Bisher haben die traditionellen Banken die Konkurrenz von Paypal als "Bezahlknopf" verharmlost. Doch Schritt für Schritt erweitert das Unternehmen seinen Einflussbereich weit über das Bezahlen hinaus. Am Freitag hat das Unternehmen seine bisher größte Übernahme angekündigt: 2,2 Milliarden Dollar gibt es aus, um das schwedische Fintech iZettle zu kaufen. Damit will Paypal sein Kartenlesegeschäft ausbauen.

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Unaufhaltsam wächst die einstige Tech-Plattform zu einem der mächtigsten Player in der Finanzbranche. Schon jetzt ist die Marktkapitalisierung von Paypal mit über 85 Milliarden Dollar mehr als drei Mal so groß wie die der Deutschen Bank. Der Abstand könnte sich noch weiter vergrößern, wenn es Paypal gelingt, den Banken immer stärker den direkten Kundenkontakt abspenstig zu machen. Und damit steht es beispielhaft für die Gefahr für die traditionellen Banken, die von den Tech-Konkurrenten ausgeht: Wenn die traditionellen Häuser nicht aufpassen, werden sie zum bloßen Dienstleister im Hintergrund degradiert.

Andererseits ist Paypal selbst ein Getriebener: Zahlungsverkehr ist im digitalen Zeitalter ein simples Geschäft geworden, der Wettbewerb steigt, die Margen sinken. Die bisherigen Wachstumskurven sind mit Bezahldienstleistungen allein nicht zu halten. Auch Paypal muss sich also neu erfinden. Und das tut es, indem es immer stärker ins klassische Bankengefilde einsteigt - mit eigenen Lösungen, oder eben durch milliardenschwere Zukäufe wie bei iZettle.

Und dennoch löst das Wörtlein "Bank" bei Paypal-Managern heftige Abwehrreaktionen aus. Nie im Leben sei man eine Bank! Und Konkurrenz? Ach was! So oder so ähnlich reagiert man in den Führungsetagen. "Am Anfang gab es da vielleicht Missverständnisse. Aber wir konkurrieren nicht mit Banken, wir sind eine Quelle für zusätzliches Geschäft für Banken, weil wir mit ihnen kooperieren", sagte der globale Strategiechef Bill Ready im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung.

Bald will das Unternehmen auch in Deutschland Firmenkredite vergeben

Und tatsächlich baut Paypals Strategie darauf auf, Kooperationen mit Banken einzugehen. In den USA gelingt es dem Unternehmen so, ohne jede Banklizenz die wichtigsten Dienstleistungen anzubieten: Es gibt Debitkarten, mit denen man Bargeld am Automaten ziehen kann, man kann Geld sparen und es ist über die US-Einlagensicherung geschützt (allerdings gibt es darauf keine Zinsen). Es gibt Konsumentenkredite und Finanzierungen für kleinere und mittlere Unternehmen. Bei all diesen Angeboten sind im Hintergrund verschiedene Kooperationsbanken tätig.

Bald will das Unternehmen auch in Deutschland Firmenkredite vergeben. "Die Vorbereitungen zum Start des Working Capital Programms in Deutschland laufen", sagt Deutschland-Geschäftsführer Frank Keller. Weltweit wurden seit 2013 bereits Kredite von insgesamt fünf Milliarden Dollar vergeben.

Und so ist Keller in einer freundlichen Mission unterwegs. Ruhig, ja fast besonnen, erzählt der promovierte Software-Ingenieur von seinen Gesprächen mit deutschen Bankern. Er ist wertschätzend, aber man merkt ihm doch an, dass die Welt der Hochfinanz immer noch Erstaunen in ihm auslöst. Er selbst hat früher das Hasso-Plattner-Institut geleitet, ist Techie durch und durch. Es mag für einzelne Banken durchaus attraktiv sein, mit Paypal zu kooperieren. Blickt man jedoch aus der Vogelperspektive darauf, so ist Paypals Erfolg das fleischgewordene Versäumnis der Banken. In Deutschland versuchen Sparkassen, Genossenschafts- und Privatbanken gerade mit der Initiative Paydirekt hinterherzuhecheln. Bislang ohne Erfolg.