Panzer-Deal mit Griechenland Neuer Verdacht gegen Rüstungskonzern

170 Leopard-2-Panzer hat Krauss-Maffei Wegemann nach Griechenland exportiert. Wert: 1,7 Milliarden Euro.

Mit fragwürdigen Gegengeschäften soll der Rüstungskonzern Krauss-Maffei Wegmann Griechenland zum Kauf von "Leopard"-Panzern gelockt haben. Zudem tauchen Hinweise auf, dass Schmiergelder ins Verteidigungsministerium nach Athen geflossen sein könnten.

Von Klaus Ott, München, und Tasos Telloglou, Athen

Bei einem der größten deutschen Rüstungsexporte, dem Verkauf von 170 Leopard-2-Panzern für 1,7 Milliarden Euro nach Griechenland, gibt es neue Hinweise auf fragwürdige Praktiken. Der Hersteller der Panzer, der Konzern Krauss-Maffei Wegmann (KMW), hatte Griechenland im Gegenzug für den Panzerkauf im Jahr 2003 zugesagt, sich im Land zu engagieren und weitere Investoren anzuwerben. Das Volumen sollte mehr als vier Milliarden Euro betragen. Solche Gegengeschäfte tauchen oft bei Schmiergeldermittlungen auf und werden dann untersucht.

Abgewickelt wurden die Gegengeschäfte zum Teil mit Hilfe des Athener Unternehmers Thomas Liakounakos, der für KMW arbeitet. Das geht aus Unterlagen hervor, die der Süddeutschen Zeitung vorliegen. Über ihn ist möglicherweise tatsächlich Schmiergeld geflossen: Der Unternehmer soll den damaligen Vize-Generaldirektor für Rüstung im griechischen Verteidigungsministerium, Antonios Kantas, mit 600.000 Euro bestochen haben. Das hat der Beamte der Athener Staatsanwaltschaft gestanden. Der von KMW beauftragte Athener Unternehmer Liakounakos bestreitet dies jedoch.

Krauss-Maffei Wegmann erklärte am Freitag, man selbst habe kein Schmiergeld gezahlt oder zahlen lassen. Man verpflichte alle Partner, sich "strikt rechtmäßig zu verhalten". KMW lasse die Vorwürfe jetzt von "unabhängigen Experten" untersuchen.

Bei den Gegengeschäften, welche KMW der griechischen Regierung im Gegenzug für ihren Panzerkauf in Aussicht gestellt hatte, war es um mehr als 30 Kooperationsprojekte mit griechischen Firmen gegangen, darunter Rüstungsproduktion, Forschung oder Bau von Produktionshallen. Auch sollte Geld bereitgestellt werden, um bessere Unterkünfte für Soldaten zu finanzieren. KMW hatte versprochen, diese Kooperationen anzubahnen. Zahlreiche Firmen sollten Aufträge nach Griechenland vergeben.

Bei solchen Gegengeschäften gibt es mehrere Kategorien: saubere, legale Vorhaben, was nach Darstellung von Krauss-Maffei Wegmann beim Leopard 2 der Fall gewesen sein soll; getarnte Schmiergeldzahlungen; sowie Projekte, mit denen sich Politiker profilieren können, die sich für den Kauf von Rüstungsgütern einsetzen oder Bedenken fallen lassen. Bisher gibt es keine Erkenntnisse, dass griechische Politiker vom Leopard -2-Deal profitiert haben könnten. Krauss-Maffei Wegmann sagt, man habe in einem "transparenten Vergabeverfahren" den Zuschlag für den Leopard-2-Auftrag bekommen. Aber bereits bei einem Geschäft mit dem Leopard 1 hatten KMW und der Vorgängerkonzern Krauss-Maffei offenbar mit einer Firma aus dem Steuerparadies Liberia kooperiert, hinter der Liakounakos stehen soll.

Festnahme in Athen wegen Bestechungs-Affäre

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In Athen hat unterdessen ein Geschäftsmann und Ex-Militär gestanden, den Rüstungseinkäufer Kantas und hochrangige Militärs für Auftragsaufgaben an die deutschen Unternehmen Rheinmetall und Atlas bestochen zu haben. Er habe als Mittelsmann Schmiergeld gezahlt. Ein weiterer Mittelsmann, der ebenfalls gestand, wurde am Freitag verhaftet.