Paketdienst UPS "Auch wir haben mit Paket-Drohnen gespielt"

Ein Lastwagen des US-Paketdiensts United Parcel Service (UPS)

(Foto: AFP)

Der US-Paketdienst UPS will massiv in Europa expandieren. Im Interview erklärt der Vizechef, dass auch UPS bereits mit Drohnen experimentiert hat - und warum er sich über die Paketkästen der Deutschen Post ärgert.

Von Kirsten Bialdiga, Düsseldorf

Nur 30 Minuten vom Anklicken des "Kaufen"-Knopfes im Internet bis zur Lieferung an der Haustür. Das wäre absoluter Rekord. Länger soll es nach dem Willen von Amazon-Gründer Jeff Bezos bald nicht mehr dauern, bis seine Kunden die gerade erst im Internet bestellte Ware in den Händen halten. Wie das gehen soll, führte Bezos Ende vergangenen Jahres in den USA vor: Drohnen, die fliegenden Riesenspinnen ähneln, sollen die Pakete künftig beim Kunden zu Hause abliefern. In vier bis fünf Jahren könne es in den USA schon soweit sein, meint Bezos.

Die Ankündigung wirbelte die Paket-Branche weltweit durcheinander. Fast jedes Unternehmen hatte plötzlich schon mit Paket-Drohnen experimentiert, auch die Deutsche Post DHL. Gleich am Tag nach Bezos' Botschaft musste Kurt Kuehn, Vize- und Finanzchef des US-Paketdienstes UPS mit 55 Milliarden Dollar Umsatz und fast 400 000 Beschäftigten, in der morgendlichen TV-Börsensendung "squawk box" Rede und Antwort stehen. Dabei machte er eine neue Erfahrung: "Über Drohnen zu sprechen, ist eine hervorragende Möglichkeit, Publicity zu bekommen."

Ganz so euphorisch wie der Amazon-Gründer ist Kuehn aber nicht: "Auch wir haben mit Paket-Drohnen gespielt", sagt er im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung, "es ist aber schwer vorstellbar, wie sie flächendeckend so eingesetzt werden können, dass keine Gefahr von ihnen ausgeht." Lediglich in besonderen Fällen, bei speziellen Kundenwünschen und in entlegenen Regionen, könnte die Lieferung per Drohne in Zukunft eine Rolle spielen.

"Die Märkte werden sich durch Amazon stark verändern"

Doch Drohnen sind nicht alles, womit Amazon-Chef Bezos die Logistiker zurzeit unter Druck setzt. Seit einigen Monaten macht der Onlinehändler den Paketdiensten Konkurrenz und liefert in den USA auch selbst Pakete aus. Amazon will die Kunden noch am selben Tag bedienen und damit schneller sein als UPS, Fedex und andere. "Die Märkte werden sich durch Amazon stark verändern", ist Kuehn überzeugt. Doch sein Unternehmen sei davon weniger betroffen als andere, glaubt er. "Ist Amazon ein Konkurrent für UPS? Nein, solange wir die Bedürfnisse unserer Kunden besser erfüllen, nicht." Pakete noch am selben Tag auszuliefern, wie Amazon es tut, hat aus Kuehns Sicht zurzeit für den Marktführer UPS keinen Sinn: "Die meisten Kunden bestellen im Internet nach drei Uhr nachmittags, daher konzentrieren wir uns auf das Geschäft mit Lieferungen am Folgetag." Auch glaubt er nicht, dass Amazon komplette eigene Logistik-Netzwerke aufbauen will. Amazon sei nur mit dem Service der Zustelldienste in Einzelfällen nicht zufrieden. "Daher testen sie zurzeit ein wenig das Geschäft mit Lieferungen am selben Tag."

Tatsächlich hält sich die Bedrohung durch Amazon angesichts des rasant zunehmenden Online-Handels laut Branchenstudien in Grenzen - noch. Aktuell wächst das Geschäft mit Waren im Internet nach einer Analyse von Credit Suisse viermal schneller als die Weltwirtschaft. Von einem Verdrängungswettbewerb kann daher noch keine Rede sein. Zumindest nicht in den nächsten fünf Jahren.

In Europa und insbesondere in Deutschland kämpft UPS vor allem mit einem Konkurrenten - der Deutschen Post DHL. Gegenüber dem ehemaligen Staatsunternehmen kann sich Kuehn, der 1977 als einfacher Fahrer bei UPS anfing, einen Seitenhieb nicht verkneifen: "Wir vergleichen uns nicht ständig mit der Deutschen Post, einem Konzern, der ein staatlich subventioniertes Monopol hat." Den Rivalen hatte UPS in einem EU-Verfahren vor einiger Zeit bereits auf Rückzahlung illegaler Beihilfen im Briefgeschäft verklagt.