Online-Versandhändler Amazon will Pakete mit Drohnen zustellen

Unbemannte Fluggeräte sollen die bestellte Ware direkt vor der Tür ablegen. "Prime Air" nennt Amazon-Gründer Jeff Bezos den futuristischen Service, den sein Unternehmen plant. Allerdings gibt es noch einige Hindernisse.

Jeff Bezos hat mal wieder eine Idee. Und wenn Jeff Bezos eine Idee hat, dann geht es meist um ein größeres Unterfangen, etwas Visionäres, einige Jahre in die Zukunft gedacht. So lässt Bezos etwa eine gigantische Uhr auf seinem Grundstück in Texas bauen, die 10.000 Jahre lang die Zeit anzeigen soll. So weit geht der neueste Plan nicht. Er mutet futuristisch an, aber nicht unrealitisch: Amazon soll künftig seine Pakete von Mini-Drohnen ausliefern lassen.

Das Unternehmen teste derzeit die Auslieferung durch unbemannte Fluggeräte, enthüllte Bezos am Sonntagabend in einem Interview des Fernsehsenders CBS. Die Drohnen mit acht Propellern, sogenannte "Oktokopter", würden Bezos zufolge in den Logistikzentren abheben und die bestellte Ware binnen 30 Minuten direkt beim Kunden vor der Tür ablegen. So will der Online-Versandhändler Kosten bei der Paketzustellung sparen.

Die Amazon-Drohnen könnten Pakete mit einem Gewicht von bis zu 2,3 Kilogramm befördern und pro Lieferung eine Strecke von etwa 16 Kilometern zurücklegen. Nur 14 Prozent der bestellten Ware sei schwerer, sagte Bezos - der Konzern könnte also einen Großteil seiner Pakete künftig selbst ausliefern.

Auch einen Namen hat Bezos schon für den Service: "Prime Air". Der Konzern demonstriert den Plan in einem Video, in dem eines der Fluggeräte eine Bestellung direkt vom Band eines Logistikzentrums abholt und damit vor einem Haus landet.

Allerdings schränkte Bezos selbst auch gleich ein: Die Fluggeräte müssten zunächst noch eine Genehmigung erhalten. Die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA ist erst noch dabei, Regeln für den Drohnen-Einsatz im US-Luftraum festzulegen. Mit einem Einsatz der Drohnen sei daher erst in vier oder fünf Jahren zu rechnen, schätzt Bezos.

Ryan Calo, Drohnenexperte an der University of Washington in Seattle, weist darauf hin, dass dies genau die Art von Nutzung sei, die der Kongress im Sinn hatte, als er die FAA 2012 anwies, den Luftraum für kommerziell genutzte Drohnen zu öffnen. "Bis 2015 muss die FAA ein Regelwerk entwickeln, das genau das einbezieht, was Amazon vorhat", sagt Calo.

Allerdings könnte die Luftfahrtbehörde verlangen, dass die Drohnen bei der Zulieferung aktiv von Menschen ferngesteuert werden. Das, so Calo, würde die Kosten für den Service derart in die Höhe treiben, dass er nur für Premium-Kunden infrage käme.