Nokia übernimmt Netzwerkbauer Siemens verkauft NSN komplett

Für Siemens ist der Netzwerkbauer NSN zum Problem geworden. Nun hat der Münchner Konzern seine Anteile komplett an den Handyhersteller Nokia verkauft. Siemens mischt in zu vielen Sparten mit und will sich wieder auf sein Kerngeschäft konzentrieren.

Siemens-Chef Peter Löscher ist eine weitere Problemsparte losgeworden. Nach zahlreichen erfolglosen Versuchen, aus der ungeliebten Tochter Nokia Siemens Networks (NSN) auszusteigen, hat er jetzt einen Käufer gefunden. Der finnische Handyhersteller Nokia übernehme den Netzwerkausrüster komplett und zahle für den 50-prozentigen Anteil von Siemens 1,7 Milliarden Euro, teilte der deutsche Konzern in München mit.

1,2 Milliarden Euro davon erhält Siemens direkt. Die restlichen 500 Millionen Euro finanziert Siemens in Form eines besicherten einjährigen Darlehens. Der Preis liegt damit unter dem Wert, über den zuletzt noch spekuliert worden war. Die Komplettübernahme von NSN durch Nokia muss noch von den Behörden genehmigt werden und soll im dritten Kalenderquartal abgeschlossen werden.

NSN hatte vergangenes Jahr gut 13 Milliarden Euro Umsatz gemacht. In den Augen vieler Experten bleibt NSN trotz seiner dritten Sanierungsrunde und des Abbaus Tausender Stellen aber ein Problemfall. Die Einschnitte hatten NSN zwar drei Quartale in Folge in die Gewinnzone gebracht, zuletzt zeigte das Unternehmen nach einem Umsatzknick allerdings wieder Schwäche und kam gerade auf eine schwarze Null.

Nokia-Chef Stephen Elop zeigte sich demnach zufrieden mit der Übernahme. Er sagte, NSN habe sich zum "führenden Anbieter bei Mobilfunknetzen der nächsten Generation etabliert" und habe "attraktives Wachstumspotenzial". NSN wolle eine "starke Präsenz in Deutschland behalten", kündigten beide Unternehmen an.

Siemens konzentriert sich auf das Kerngeschäft

Gemeinsam hatten sie NSN im April 2007 gegründet. Siemens sucht bereits seit langem den Ausstieg aus dem Gemeinschaftsunternehmen. Mit dem Verkauf des NSN-Anteils treibe das Unternehmen die "Fokussierung auf unser Kerngeschäft weiter konsequent voran", teilte Finanzvorstand Joe Kaeser mit. Siemens konzentriere sich unterdessen auf seine Stärken in der Energietechnik, Industrie und Infrastruktur sowie dem Gesundheitswesen, sagte Kaeser.

Das Unternehmen hinkt bei Profitabilität hinter den wichtigsten Konkurrenten wie ABB und General Electric her und musste zuletzt die eigenen Prognosen immer wieder senken. Konzernchef Löscher will sich daher von Randbereichen trennen. So wurde zuletzt die verlustbringende Solarsparte geschlossen, kleinere Sparten sollen verkauft werden und die Lichttochter Osram wird in der kommenden Woche (8. Juli) zu einem großen Teil an die eigenen Aktionäre abgegeben.