Neuer Siemens-Chef Kaeser Joe ist endlich am Ziel

Glänzt mit Detailwissen: der neue Siemens-Chef Joe Kaeser (hier beim Aktionärs-Treffen des Unternehmens im Januar 2013)

(Foto: CHRISTOF STACHE/AFP)

Er stahl seinem bisherigen Chef schon immer gern die Show - jetzt hat er es geschafft: Der bisherige Finanzchef Joe Kaeser wird Peter Löscher als Siemens-Chef ablösen. Kaeser ließ oft durchblicken, dass er sich für den eigentlichen Boss des Technologiekonzerns hält - er tat nichts lieber, als Löscher öffentlich bloßzustellen.

Joe Kaeser hat es geschafft. Nach langem Machtkampf wird der bisherige Finanzchef nach dem mehrheitlichen Willen des Aufsichtsrats nun Peter Löscher als Siemens-Chef ablösen. Es dürfte ihm gefallen, womöglich schon bei der Vorlage der Zwischenbilanz am Donnerstag nun offiziell als die Nummer eins des Konzerns vor die Öffentlichkeit zu treten.

Kaeser liebt die große Bühne, der Siemens-Finanzchef läuft vor Publikum zur Hochform auf. Der 56-Jährige brilliert vor allem mit seinem Detailwissen und ließ den bisherigen Vorstandschef regelmäßig blass aussehen.

Während sein bisheriger Chef sich häufig in Phrasen und Allgemeinplätze flüchtete, hatte Kaeser selbst die abseitigsten Zahlen im Kopf. Immer wieder ließ er durchblicken, dass er sich für den eigentlichen Chef des Technologieriesen hält. Auf Analystenkonferenzen genoss er es, dass die Experten nahezu alle Fragen an ihn richteten, während Löscher stumm daneben saß. Der Finanzmarkt liebte den studierten Betriebswirt dafür, dass er das Vermögen seines Hauses immer wieder mehrte - auch ohne Unterstützung aus dem operativen Geschäft.

Aus Josef Käser wird Joe Kaeser

Kaeser verbrachte sein gesamtes Berufsleben bei Siemens. Über verschiedene Stationen rückte er als Kaufmann immer weiter auf, wurde Strategiechef und löste schließlich 2006 Heinz-Joachim Neubürger als Finanzchef ab. Seit einem USA-Aufenthalt nennt sich der gebürtige Josef Käser aus der Nähe des niederbayerischen Regen Joe.

Neben Medizintechnikchef Hermann Requardt ist er der einzige Vorstand, der den Schmiergeldskandal des Hauses überstand - obwohl er als Bereichsvorstand des korruptionsverseuchten Kommunikationsgeschäfts früher gefährlich nahe an der Keimzelle der kriminellen Machenschaften arbeitete.

Als Finanzchef baute er sein traditionell mächtiges Ressort weiter zu einem zentralen Baustein im Siemens-Gefüge aus. Er besorgte Siemens während der Finanzkrise eine eigene Banklizenz, um dem Konzern im Ernstfall einen direkten Zugang zu den Zentralbanken zu sichern. Insider berichten, dass er Kollegen seine Stellung spüren ließ.

Am Karriereknick Löschers könnte Kaeser womöglich seinen Anteil haben

Vorstandschef Löscher stahl er besonders gern die Schau. Als die beiden das jüngst gekippte Renditeziel im vergangenen Jahr in Berlin vorstellten, rasierte er sich in der Nacht zuvor seinen markanten Schnurrbart ab. Die Aufmerksamkeit war ihm gewiss. Als sich beide vor den Aktionären zu ihrem Verhältnis im Vorstand erklären sollten, ließ er Löscher zunächst den Vortritt. Der versicherte, alles laufe prima, zwischen sie passe kein Blatt. Kaeser relativierte vor Tausenden Zuhörern mit der Pointe: Sie ergänzten sich wie "Licht und Schatten".

Am Karriereknick Löschers könnte Kaeser womöglich seinen Anteil haben. Im Umfeld des Aufsichtsrats wird es für möglich gehalten, dass Kaeser mit der Gewinnwarnung am Donnerstag seinem Chef in heikler Zeit absichtlich ein Bein gestellt habe. Ohne weitere Begründung teilte Kaesers Abteilung mit, das Renditeziel von zwölf Prozent sei bis 2014 nicht zu schaffen. Die Aktie rauschte ab. Analysten wunderten sich, dass der Konzern die Nachricht nicht mit Zahlen oder weitergehenden Erläuterungen unterfütterte.

Löscher stand ohnehin wegen zahlreicher Pannen und verfehlter Prognosen unter Druck. Die "unprofessionelle Kapitalmarktkommunikation" wurde ihm dann zusätzlich angelastet. Und das zu einer Zeit, in der dem Österreicher die Unterstützung eines Kommunikationschefs fehlt. Seinen bisherigen hatte Löscher entlassen und auf die Hilfe des bisherigen stellvertretenden Chefredakteurs des Handelsblatts gesetzt, um seine Image aufzupolieren. Der tritt sein Amt allerdings erst im September an.