Neue Tabakrichtlinie der EU Schockierende Schachtel

Design des Schreckens: Monatelang ging nichts voran, plötzlich soll es ganz schnell gehen: Die EU-Kommission hat sich offenbar auf die Einführung strengerer Regeln für die Tabakindustrie geeinigt. Das Aussehen der Verpackungen dürfte sich nun radikal ändern - und manche Varianten der Zigaretten wird es gar nicht mehr geben.

Raucher in der EU müssen beim Kauf einer Zigarettenpackung bald ganz tapfer sein: Die EU-Kommission hat sich offenbar nach monatelanger Verzögerung nun auf eine neue Tabakrichtlinie geeinigt. Nach Informationen der Bild-Zeitung setzt Brüssel dabei vor allem auf strengere Warnhinweise: Der Entwurf sieht vor, dass Warntexte wie "Rauchen tötet" und schockierende Fotos künftig 75 Prozent der Vorder- und Rückseite der Packung einnehmen sollen.

Neben der Steuerbanderole bliebe für den Markennamen damit nur noch 20 Prozent der Packung übrig. Neben der Abschreckung hätte das neue Design auch noch einen anderen Effekt: Je mehr sich die Produkte der verschiedenen Hersteller gleichen, desto schwieriger wird es für die Unternehmen, ihre Produkte zu bewerben.

Aus für Menthol-Zigaretten

In Australien wurde das sogenannte Plain Packaging bereits zum 1. Dezember eingeführt. Dort dürfen die Konzerne nur noch grünbraune Einheitsverpackungen mit Schock-Fotos verkaufen - die Marken sind kaum noch zu unterscheiden.

Die EU-Kommission will auch zusätzliche Geschmacksstoffe und die Zugabe von Vitaminen, Koffein, Taurin oder Farbstoffen in Tabak verbieten. Das würde das Aus für Menthol-Zigaretten bedeuten. Auch extradünne Slim-Zigaretten soll es nach den Plänen aus Brüssel nicht mehr geben: Der Durchmesser der Glimmstengel darf dem Entwurf zufolge nicht kleiner als 7,5 Millimeter sein.

Die Vorlage der verschärften Tabakregeln hatte sich in den vergangenen Monaten immer wieder verschoben. Vor wenigen Wochen war der bisherige EU-Gesundheitskommissar John Dalli wegen Bestechungsvorwürfen zurückgetreten. Sein Nachfolger, der bisherige maltesische Außenminister Tonio Borg, will die neuen Richtlinien nun offenbar schnell einführen. Schon kommende Woche soll die Kommission ihren Entwurf vorstellen.