Neue EU-Kraftstoffstrategie Kommission fordert Hunderttausende Ladestationen für Elektroautos

Ladestationen für Elektroautos sind noch immer rar. 

(Foto: dpa)

Die EU hat eine Strategie für alternative Kraftstoffe ersonnen - samt neuen Tankstellen. Denn an denen mangelt es. Am Donnerstag will Brüssel das Papier veröffentlichen, die Eckpunkte liegen der SZ vor. Mit dieser neuen Kraftstoffstrategie soll das Henne-Ei-Problem der alternativen Kraftstoffe gelöst werden.

Von Michael Bauchmüller, Berlin, Cerstin Gammelin, Brüssel, und Markus Balser

Was es so schwer macht, vom Öl wegzukommen? Richtig: die Tankstelle. Tankstellen finden sich an jeder größeren Straße und selbst auf dem Dorf, sie gehören zur Autobahn wie der Pannenstreifen.

Mit Ladestationen für Elektroautos sieht das schon anders aus, ebenso bei Zapfsäulen für komprimiertes Erdgas - es ist das Henne-Ei-Problem der alternativen Kraftstoffe. "Im Augenblick gibt es da einen Teufelskreis", heißt es in einem Papier der EU-Kommission, das an diesem Donnerstag veröffentlicht werden soll. Niemand investiere in eine neue Infrastruktur, weil die nötigen Fahrzeuge fehlen. Keiner kaufe die Fahrzeuge, weil die Infrastruktur fehle. Und weil es damit an Nachfrage mangele, gebe es für Hersteller auch wenig Anreiz, die neue Technologie voranzubringen. So bleibt alles beim alten Erdöl - zumindest bisher.

Denn mit einer neuen Kraftstoffstrategie will die EU-Kommission den Teufelskreis durchbrechen. An diesem Donnerstag will Brüssel die Strategie öffentlich machen, die Eckpunkte liegen der Süddeutschen Zeitung vor. Danach soll überall in Europa in den nächsten Jahren die nötige Infrastruktur entstehen, um den neuen Antrieben und Kraftstoffen zum Durchbruch zu verhelfen. Allein in Deutschland sollen demnach bis 2020 rund 150.000 öffentlich zugängliche Ladestationen zur Verfügung stehen - derzeit sind es gut 2000. Italien käme demnach auf 125.000 Stationen, Frankreich auf 97.000. Europaweit könnten Besitzer von Elektroautos damit, würde die Strategie der Kommission befolgt, an einer halben Million öffentlicher Orte ihr Fahrzeug am Stromnetz aufladen.

Wie genau die Stationen aussehen sollen, lässt die Kommission offen. So experimentieren Stromversorger wie RWE mit eigenen Elektro-Zapfsäulen. Eine Berliner Firma entwickelt derzeit aber auch ein System, mit dem Straßenlaternen zu Stromspendern am Straßenrand werden könnten. Immerhin einen ersten Standard will Brüssel an diesem Donnerstag festlegen: den des Steckers. Der in Deutschland bereits verwandte "Typ 2" solle europaweit zur Norm werden, heißt es in dem Papier.