Neue Führung der Vatikanbank Ethisch einwandfrei

Das "Istituto per le Opere di Religione", vulgo Vatikanbank, soll seriös werden. Nach dem Weggang des deutschen Aufräumers Ernst von Freyberg kommt nun ein Franzose an die Spitze des Instituts. Auch ein Ex-Kontrolleur der Deutschen Bank ist mit von der Partie.

Von Andrea Bachstein, Rom

Die neue Führung des Vatikan-Geldinstitutes steht, der Franzose Jean-Baptiste de Franssu ist am Mittwoch zum neuen Präsidenten des Instituts für die religiösen Werke (IOR) ernannt worden. Auch der Verwaltungsrat wird erneuert, ihm gehört in Zukunft Clemens Börsig an. Der 65 Jahre alte ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank wird einer der sechs Mitglieder der IOR-Leitung sein, die die Umstrukturierung des Geldinstituts fortführen soll.

Offenbar sind mit den Veränderungen alle glücklich: Der neue IOR-Chef und der bisherige Präsident, der Deutsche Ernst von Freyberg. Sie überschütteten einander bei ihrem Auftritt in Rom geradezu mit Lob und Vertrauenserklärungen. Überaus zufrieden wirkte auch der Präfekt des Vatikanischen Wirtschaftssekretariats, Kardinal George Pell. Zufrieden mit Freybergs Leistung und zufrieden mit dem, was bevorsteht: Phase II der Reform des IOR. Der 51 Jahre alte bisherige Unternehmensberater Franssu kündigte an, dass er einen Schwerpunkt legen werde auf "katholische, ethische Investitionen". Franssu und Kardinal Pell erläuterten, dass die Funktionen des IOR neu akzentuiert werden solle.

Positive Bilanz

Ein wesentlicher Punkt dabei ist die Vermögensverwaltung. Im Laufe der nächsten zwei Jahre soll als neue Einrichtung ein "Vatican Asset Management" (VAM) zur Verwaltung sowohl der vatikanischen Vermögen als auch denen der Kunden geschaffen werden, das von einem externen Fachmann geleitet wird. Das IOR hingegen wird sich stärker als bisher um den normalen Zahlungsverkehr und Finanzberatung kümmern. Kardinal Pell kündigte außerdem an, dass die Kompetenzen der Vatikan-Güterverwaltung Apsa verändert werden, ihre Aufgaben sollen teilweise entweder dem IOR oder dem künftigen VAM zugeordnet werden. Pell sagte, die Apsa solle sich mehr in Richtung einer Zentralbank entwickeln.

Der bisherige IOR-Präsident Ernst von Freyberg zog eine positive Bilanz dessen, was er seit seiner Berufung im Februar 2013 geleistet hat. In erster Linie hat er die Aufarbeitung der Altlasten des früher von Skandalen belasteten IOR gesorgt und grundlegende Reformen zur Schaffung von Transparenz umgesetzt. Die größte Maßnahme war die Überprüfung von allen 18 000 Konten des IOR auf eventuellen Missbrauch. Freyberg sagte, er habe die erste Phase der Reformen geschafft, für die zweite brauche es einen IOR-Chef der dieser Aufgabe in Vollzeit zur Verfügung steht, das könne er jedoch nicht leisten.

Kardinal Pell kündigte außerdem an, das alle Vatikanbehörden in Zukunft nach den internationalen Transparenzkriterien ihre Etats vorlegen müssen. Das Wirtschaftssekretariat plant nach den Worten Pells, im Herbst einen Haushalt für 2015 aufzustellen. In Zukuft sind demnach alle Vatikanbehörden gehalten, einen eigenen Haushalt vorzulegen. Auch der Pensionsfonds des Vatikans wird reformiert, er sei zwar für die Generation der jetzigen Empfänger und die nächste sicher, für die weitere Zukunft müssten aber andere Strukturen geschaffen werden.