Nahaufnahme Federico Ghizzoni Turmherr in Turbulenzen

"Wir haben eine unwegsame Straße eingeschlagen. Wenn man die Probleme nicht frontal angeht, verschwinden sie nicht von selbst." Federico Ghizzoni

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Der bislang glücklose Unicredit-Chef Federico Ghizzoni kämpft um seinen Posten - wichtige Aktionäre haben ihm bereits öffentlich das Vertrauen entzogen.

Von Ulrike Sauer

Hip, funkelnd, futuristisch - der 231 hohe Unicredit-Turm an der Porta Garibaldi ist 2015 zum Symbol des neuen Mailand geworden. Die italienische Mode- und Finanzmetropole erlebte im Jahr der Weltausstellung ein Comeback. Doch der Glanz des zukunftsweisenden Glasbaus färbt nicht auf den Turmherrn Federico Ghizzoni ab. Der Unicredit-Chef kämpft im 28. Stock des höchsten Wolkenkratzers Italiens verbissen um seinen Posten.

In der von Turbulenzen und Panikverkäufen geschüttelten Finanzszene südlich der Alpen richten sich am Dienstag alle Augen auf ihn: den unspektakulären 60-jährigen Unicredit-Veteranen, der im September 2010 den geschassten Konzernarchitekten Alessandro Profumo beerbte. Die Aktionäre erwarten seither von ihm einen Richtungswechsel. Vergeblich.

Dabei verkündete Ghizzoni vor knapp 90 Tagen ein strenges Sparprogramm. 14 Prozent der Mitarbeiter müssen bis 2018 den Mutterkonzern der Hypo-Vereinsbank verlassen. Mehr als 18 000 Stellen fallen weg. Drastische Kosteneinsparungen in fast allen Bereichen sollen die Profitabilität der ertragsschwachen Bank beflügeln und ihr Eigenkapital stärken. "Wir haben eine unwegsame Straße eingeschlagen", sagte Ghizzoni wenige Tage später. "Wenn man die Probleme nicht frontal angeht, verschwinden sie nicht von selbst", schob der Manager, der 1980 nach dem Jurastudium in einer Bankfiliale seiner Heimatstadt Piacenza begann, hinterher.

Die Investoren hielten nicht viel von dem Plan. Sie verkauften Unicredit-Aktien mit vollen Händen. Mehr als 40 Prozent seines Werts hat das Papier des zweitgrößten und internationalsten Geldhauses Italiens verloren. Ein Debakel. Dabei sind aus dem gläsernen Turm in Mailand keine Schreckensnachrichten zu erwarten. Ghizzoni wird die Anleger am Dienstag bei der Bilanzvorlage mit Horrorzahlen verschonen. Analysten rechnen für 2015 mit 1,4 Milliarden Euro Jahresgewinn.

Dass sein Auftritt mit Spannung erwartet wird, hat andere Gründe. Seit Monaten wird in Italien über die Ablösung Ghizzonis spekuliert. Viele Aktionäre haben offenbar das Vertrauen in den Chef verloren. Seine Aufgabe ist auch nicht einfach. Europas Kreditbranche stöhnt unter niedrigen Zinsen und schärferen Vorgaben der Aufseher. Sie tut sich schwer, Geld zu verdienen.

Hinzu kommt: Für Italiens Banken hat sich das Umfeld dramatisch verschlechtert. Fünf Tage nachdem Ghizzoni im November seine neue Strategie vorgestellt hatte, rettete die römische Regierung vier kleine Geldhäuser vor der Pleite. Der Noteingriff zog alle Geldhäuser in den Sog der Krise. Im Januar verunsicherte der Verhandlungspoker mit der EU-Kommission um einen erlaubten Mechanismus zur Abwicklung der 200 Milliarden Euro fauler Bankkredite die Börsianer. Die Kompromisslösung fiel am Markt durch.

Dass diese Entschuldigungen nicht länger akzeptiert werden, entnahm Ghizzoni jetzt der Zeitung: "Auch bei Unicredit müssen sich die Manager den Zeiten anpassen, in denen wir leben", sagte der Erfolgsunternehmer und Unicredit-Aktionär Leonardo Del Vecchio. Per Interview gab der Gründer des Brillenherstellers Luxottica, der über seine Finanzholding Delfin an Unicredit beteiligt ist, Ghizzoni den Laufpass.

Auch die Wüstenscheichs sind ungehalten. Das Emirat Abu Dhabi ist über den Staatsfonds Aabar mit 6,4 Prozent an Unicredit beteiligt und damit der größte Einzelaktionär. Vertreten lassen sich die Araber im Verwaltungsrat von Luca di Montezemolo, dem früheren Ferrari-Chef. Ein Mal im Monat beteuert der schillernde Graf nun: "Ghizzoni hat das Vertrauen der Aktionäre und bleibt Chef der Bank."

Gefestigt hat das den geschwächten Spitzenmanager nicht.