Nach Air-Berlin-Pleite Bundeskartellamt rügt Lufthansa

Seit der Insolvenz von Air Berlin ist es oft deutlich teurer, innerhalb Deutschlands zu fliegen - und Lufthansa ist auf vielen Strecken konkurrenzlos

(Foto: imago/Stefan Zeitz)

Behördenchef Mundt ermahnt den Konzern: Unternehmen können sich bei der Preisgestaltung nicht hinter Algorithmen verstecken. Diese seien "ja nicht im Himmel vom lieben Gott geschrieben".

Von Caspar Busse

Im Streit um möglicherweise überhöhte Ticketpreise tadelt das Bundeskartellamt die Lufthansa. Die Argumentation der deutschen Fluglinie, sie habe das Tarifsystem nicht verändert, sondern das computerbasierte Preissystem habe diese automatisch angeglichen, sei nicht stichhaltig. "Solche Algorithmen werden ja nicht im Himmel vom lieben Gott geschrieben", sagte der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, der Süddeutschen Zeitung. Unternehmen könnten "sich nicht hinter Algorithmen verstecken".

Die Wettbewerbsbehörde hatte Ende November angekündigt, dass sie die stark gestiegenen Ticketpreise für Inlandsflüge untersuchen werde. Es habe viele Beschwerden gegeben, sagte Mundt. Nach dem Aus von Air Berlin, dem bislang in Deutschland wichtigsten Lufthansa-Konkurrenten, waren die Tarife teilweise deutlich gestiegen, um bis zu 30 Prozent, sagen Experten. Auch die Verbraucherzentralen registrierten deutlich mehr Beschwerden über Ticketpreise, wie Klaus Müller, Chef der Verbraucherzentrale Bundesverband, vor Weihnachten sagte. Er begrüßte die Prüfung des Kartellamts. Notfalls müssten Konsequenzen gezogen und Preise zurückerstattet werden, sagte er.

Mundt kennt "mannigfaltig Fälle, bei denen die Preise explodiert sind, nachdem es keine Konkurrenz mehr gab"

Lufthansa begründete den jüngsten Preisanstieg mit der erhöhten Nachfrage bei gleichzeitig reduziertem Angebot. Nach der Insolvenz von Air Berlin mussten zahlreiche Maschinen am Boden bleiben. Lufthansa ist seitdem auf vielen Strecken als einziger Anbieter unterwegs und verzeichnet eine deutlich höhere Auslastung ihrer Flugzeuge. Teilweise werden mehr Verbindungen angeboten und größere Maschinen eingesetzt, etwa der Jumbojet 747 zwischen Berlin und Frankfurt.

Das Kartellamt prüfe nun, ob eine Preisschwelle übertreten worden sei, bei der Lufthansa ihre neue Macht missbraucht und die Preise unangemessen heraufgesetzt habe, sagte Mundt, und gab zu bedenken: "Ich habe jedenfalls noch nie einen Markt gesehen, auf dem es keinen Wettbewerb gibt, aber die Preise niedrig sind und die Innovationen groß." Er kenne aber "mannigfaltig Fälle, bei denen die Preise explodiert sind, nachdem es keine Konkurrenz mehr gab".

Ab Januar bedient Easyjet viele innerdeutsche Strecken

Lufthansa hatte auch angeführt, dass die eigene Billigtochter Eurowings zusätzlich Strecken bedienen werde, was zu sinkenden Preisen führe. "Wie ernst wollen Sie das nehmen? Das wäre doch das erste Mal, dass sich ein Konzern selbst echte Konkurrenz macht", sagte Mundt dazu. Den Vorwurf eines möglichen Monopols weist Lufthansa zurück.

Mehr Wettbewerb ist indes in Sicht: Von Januar an nimmt die britische Billigairline Easyjet innerdeutsche Flüge auf, zwischen Berlin und München, Düsseldorf, Stuttgart sowie Frankfurt. Schon jetzt sind Einfach-Flüge unter 50 Euro buchbar. Easyjet hat Air-Berlin-Maschinen gekauft. Auch Lufthansa übernahm Teile von Air Berlin. Der Kauf der Tochterfirma Niki wurde aber abgesagt, die Ferienfluglinie meldete daraufhin Insolvenz an. Die EU-Kommission wollte strenge Auflagen machen. "Wir unterstützen die Kommission zu 100 Prozent bei dieser Entscheidung, die wir richtig finden", sagte Mundt.

"Wir treten nicht als David gegen Goliath an"

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