Mode Woolworth verramscht Belstaff

Model mit Belstaff-Jacke aus der 2008er Kollektion. Teile der vergangenen Saisons will das Modeunternehmen nun über Woolworth loswerden.

(Foto: AFP)

Che Guevara schwor darauf, Brad Pitt auch - und jetzt Woolworth. Der deutsche Discounter hat 90.000 Teile der britischen Luxusmarke Belstaff gekauft. Die bringt er nun in wenigen Tagen unters Volk und suggeriert der potenziellen Kundschaft, dass sie sich beeilen muss.

Von Elisabeth Dostert

Vor einem Jahr klang Harry Slatkin noch ganz anders. Er wolle Belstaff als Luxus-Sportmarke positionieren. Seit diesem Donnerstag verramscht der so gar nicht luxuriöse Discounter Woolworth insgesamt 90.000 Teile in seinen mehr als 200 Läden - 249 Euro für eine Jacke, die außerhalb des Schnäppchenjagdgebietes bis zu 2000 Euro kosten kann. Das Paket, dass Woolworth erworben habe, stehe für rund 13,5 Millionen Euro Umsatz, schreibt das Fachmagazin Textilwirtschaft.

Es ist nicht das erste Mal, dass Woolworth Markenware verrschleudert. Im Sommer brachte der Händler 200.000 Teile von S.Oliver unters Volk - zum Unmut des Familienunternehmens aus Rottendorf bei Würzburg. Es fürchtete um seinen Ruf. Woolworth hatte die Ware über einen Zwischenhändler erworben. Dieses Mal kamen Marke und Discounter wohl direkt ins Geschäft. Klüger geworden ist Woolworth angeblich auch. Der Händler betont, dass es sich um Restposten handele: Sortimente aus vergangenen Saisons, zu viel produzierte Teile, 1B- und Musterware. Schließlich hat auch Belstaff eine in den vergangenen Jahren erst mühsam wieder aufgebauten Ruf zu verlieren. Und was für einen.

Der legendäre Guerillaführer Che Guevara soll das Jackenmodell Trialmaster (mehr zur Belstaff-Jacke hier) auf seiner Motorradtour durch Südamerika getragen haben in den 50er Jahren. Da lag es doch nahe, dass Belstaff ein Remake auf den Markt brachte. Moderne Leinwand-Haudegen wie George Clooney und Brad Pitt wurden auch schon darin gesichtet.

Erst im Sommer 2011 hatte der Luxusgüterkonzern Labelux Belstaff von der italienischen Clothing Company erworben. Wie der Name kundtut, hegt Labelux einen Faible für teure Namen. Wenige Wochen vor Belstaff hatte die Schweizer Gruppe für angeblich mehr als eine halbe Milliarde Euro des Luxusschuster Jimmy Choo übernommen. Hinter Labelux steckt die Wiener Finanzholding Johann A. Benckiser SE, in der wiederum die deutsche Milliardärsfamilie Reimann ihr Geld verwaltet. Da sind sie dann unter sich, die reichen Familienunternehmer. Hinter Woolworth steckt über die HH Holding der Tengelmann-Clan, die auch mehrheitlich die Geschicke des Textildiscounter KiK lenkt, falls bei Woolworth doch noch ein paar Jacken, Taschen und Pullover übrig bleiben sollten.