Mindestlohn Bauern warnen vor höheren Gemüsepreisen

Der Mindestlohn wird sich in der Landwirtschaft vor allem im Obst- und Gemüseanbau bemerkbar machen.

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Der gesetzliche Mindestlohn wird auch für Saisonarbeiter gelten, die zum Beispiel bei der Spargelernte helfen. Obst und Gemüse sollen deshalb bis zu 30 Prozent teurer werden - zumindest nach Angaben von Agrarverbänden. Die Auswirkungen treffen aber nicht nur den Verbraucher.

Von Thomas Öchsner, Berlin

Der geplante Mindestlohn von 8,50 Euro könnte 2015 zu teils deutlich steigenden Preisen für Lebensmittel und Taxifahrten führen. Das ergab eine Umfrage der Süddeutschen Zeitung bei Wirtschaftsverbänden aus der Agrar- und Verkehrsbranche. "Wir müssen davon ausgehen, dass sich bestimmte Produkte wie Erdbeeren oder Spargel verteuern", sagte der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands (DBV), Bernhard Krüsken, der SZ. Fachleute im DBV rechnen mit Preisaufschlägen, je nach Produkt und Anbaubetrieb, von zehn bis 30 Prozent.

Führt die Bundesregierung wie angekündigt Anfang nächsten Jahres den gesetzlichen Mindestlohn ein, dürfte sich dies in der Landwirtschaft besonders im Obst- und Gemüseanbau bemerkbar machen. Etwa 330 000 Saisonarbeitskräfte aus Polen, Rumänien und anderen Ländern Osteuropas ernten vor allem Spargel, Erdbeeren, Gurken, Wein oder Hopfen. Sie erhalten nach Angaben des Verbands Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer (VSSE) im Südwesten im Schnitt Stundenlöhne von 6,50 Euro. In anderen Teilen der Republik liegen sie bisweilen darunter.

Der Geschäftsführer des VSSE, Simon Schumacher, erwartet deshalb bei Erdbeeren und Spargel Preissteigerungen von zehn bis 20 Prozent. "Ein Kilo Spargel kostet dann vielleicht 20 bis 50 Cent mehr", sagte er. Der Verbandschef glaubt, dass sich solche Aufschläge beim Verkauf in Hofläden, an Wochenmärkten oder Straßenständen durchsetzen lassen. "Hier ist der Kunde gewohnt, dass der Preis schwankt." Betriebe, die davon abhängig seien, welche Preise ihnen der Handel oder die Konservenindustrie zahlt, dürften dagegen in Schwierigkeiten geraten, befürchtet Schumacher. Sie könnten Aufträge an günstigere Anbieter aus Spanien, Griechenland oder Peru verlieren. Diese Gefahr sieht auch der Bauernverband. Beide Verbände fordern, die Löhne bis 2016 schrittweise an die 8,50 Euro anzupassen. Möglich wäre dies nach den bisher vom Arbeitsministerium vorgesehenen Ausnahmen, wenn in der Branche noch 2014 ein bundesweit gültiger Tarifvertrag abgeschlossen wird. Die Preise für bestimmte Lebensmittel würden sich dann ebenfalls langsamer erhöhen, heißt es bei den Verbänden.

Kräftige Preisaufschläge werden auch im Taxigewerbe erwartet. 200 000 Taxifahrer werden dort nach Umsatz bezahlt, umgerechnet zu einem Stundensalär von sechs bis 6,50 Euro. Der Präsident des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbands, Michael Müller, rechnet deshalb mit Tariferhöhungen von knapp 25 Prozent im Bundesdurchschnitt. In Mecklenburg-Vorpommern, in Brandenburg oder einigen strukturschwachen Regionen Westdeutschlands seien dagegen Preissteigerungen von 50 bis 70 Prozent nötig, um den Mindestlohn bezahlen zu können.

Im Friseurhandwerk gibt es seit August 2013 bereits einen Branchenmindestlohn. Er erhöht sich schrittweise auf 8,50 Euro. In den Salons haben sich die Preise schon erhöht, im Osten des Landes teilweise um bis zu 30 Prozent. Schwarzarbeit und Minijobs, bei der eine korrekte Bezahlung nur schwer zu kontrollieren ist, sollen ebenfalls zugenommen haben.