Milliarden-Tricks in der Bilanz Bundesbank ermittelt gegen Deutsche Bank

Hat die Deutsche Bank während der Finanzkrise 2008/2009 bei ihren Bilanzen getrickst, um Verluste zu verschleiern? Diesem Verdacht geht die US-Börsenaufsicht nach. Jetzt schaltet sich einem Medienbericht zufolge auch die Bundesbank in die Ermittlungen ein.

Während der Finanzkrise 2008/2009 soll die Deutsche Bank Milliardenverluste bei Kreditderivaten verschleiert haben. Nun hat sich die Bundesbank in die Ermittlungen wegen des Verdachts der Bilanztricksereien eingeschaltet, wie die Financial Times berichtet. Nun soll ein Team der Zentralbank nächste Woche nach New York reisen, um aktuelle und ehemalige Mitarbeiter des Dax-Konzerns zu befragen, die über die Vorgänge in den Jahren 2006 bis 2009 Bescheid wüssten.

Die Deutsche Bank soll während der Finanzkrise mehr als zwölf Milliarden Euro an Buchverlusten nicht korrekt ausgewiesen haben. Während dieser Zeit hatte die Deutsche Bank deswegen erstaunlich gute Ergebnisse verbucht.

Der damalige Vorstandschef Josef Ackermann konnte wegen der guten Zahlen öffentlichkeitswirksam Staatshilfen zurückweisen, die außer der Deutschen Bank fast jede internationale Bank in Anspruch nahm. Anleger dankten es ihm: Der Verweis auf die finanzielle Unabhängigkeit vom Staat trotz Krise war ein Grund, dass der Aktienkurs der Deutschen Bank sich Anfang 2009 so schnell wieder vom Kriseneinbruch erholte.

Ehemalige Angestellte zeigten die Bank daraufhin bei der US-Börsenaufsicht SEC an. Diese ermittelt der Financial Times zufolge seit 2010 wegen "gigantischer Positionen" bei Derivatgeschäften, die mit Wissen hochrangiger Manager falsch bewertet worden seien. Die Deutsche Bank hatte die Anschuldigungen auf Basis interner Untersuchungen zurückgewiesen.

Die Bundesbank erklärte auf Anfrage, sie könne keine Auskunft zu Maßnahmen der Bankenaufsicht geben, die einzelne Institute betreffen. Ein Sprecher fügte hinzu: Grundsätzlich könne davon ausgegangen werden, dass die Zentralbank erhobenen Vorwürfen nachgehe, "um sie auf ihre Stichhaltigkeit hin zu überprüfen". Zu Prüfungen bei einzelnen Instituten äußern sich Deutschlands Bankenaufseher grundsätzlich nicht öffentlich.

Die Deutsche Bank bekräftigte: "Die Vorwürfe waren Gegenstand einer sorgfältigen und umfangreichen Untersuchung und haben sich als vollkommen unbegründet erwiesen." Die Bewertungen und die Finanzberichterstattung seien korrekt gewesen, sagte ein Sprecher des Geldhauses in Frankfurt. Die Untersuchung habe zudem ergeben, dass die Vorwürfe "von Personen stammen, die weder über eigene Kenntnisse über wichtige Fakten und Informationen verfügten noch dafür verantwortlich waren", sagte der Deutsche-Bank-Sprecher.