Milchersatzprodukte Vegane Milch boomt - aber die Bauern profitieren nicht

Durchschnittlich rund 58 Liter Milch trinkt ein deutscher Verbraucher pro Jahr.

(Foto: dpa)
  • Kuhmilch bekommt Konkurrenz von Produkten aus Soja, Hafer oder Mandeln.
  • Die Umsätze der Hersteller steigen rasant - doch viele Mandelbauern können kaum noch davon leben.
Von Vivien Timmler

Silke Maringer greift tief zwischen die Regalreihen und hat Glück. Lächelnd zieht sie das letzte Tetra-Pak mit Mandelmilch heraus und legt es in ihren Einkaufskorb. Kuhmilch landet nicht darin - der Klassiker bekommt Konkurrenz von Produkten aus Soja, Hafer oder Nüssen.

Diese sind noch relativ neu im Handel, aber die Verkaufszahlen steigen rasant. Mittlerweile werden Kunden auch im großen Supermarkt fündig und nicht mehr nur in Bio-Läden. Rund 2,6 Millionen Haushalte kauften 2014 Milchersatzprodukte, im Vorjahr war es noch fast eine halbe Million weniger, sagt die Gesellschaft für Konsumforschung. Der Umsatz des Segments ist ihr zufolge im gleichen Zeitraum um 40 Prozent gestiegen.

Nicht nur etwas für Veganer und Allergiker

Veganer trinken Milchersatzprodukte, weil keine Tiere in die Produktion involviert sind. Wer keine Laktose verträgt, kann so seine Intoleranz umgehen. Doch auch wer Käse und Joghurt mag, gehört mittlerweile zur Zielgruppe - so wie Sabine Maringer im Supermarkt. "Eigentlich bin ich echt kein Öko", sagte sie. Trotzdem greift sie nicht zu herkömmlicher Milch, sondern zu einem Ersatzprodukt aus Mandeln. Ihr schmecke das besser, sagt sie.

Was erklärt den Erfolg der Milchkopien an der Supermarktkasse? "Vermutlich spielt der Wunsch nach einer nachhaltigeren und gesünderen Ernährung eine Rolle", sagt Christine Behr-Völtzer, Professorin für Ernährungswissenschaft an der Universität Hamburg. "Dabei ist die Zusammensetzung der Getränke alles andere als optimal."

Die Produkte bestehen größtenteils aus Wasser und Zucker

Milchersatzprodukte bestehen größtenteils aus Wasser, an zweiter Stelle steht bei den meisten Herstellern Zucker. Vitamine oder Mineralstoffe werden künstlich zugesetzt. "Wären die Produkte nicht mit Calcium versetzt, wären sie als Nährstofflieferanten wertlos", sagt Behr-Völtzer. "Für Menschen ohne Unverträglichkeiten gilt: Gesünder als tierische Milch sind die Ersatzprodukte definitiv nicht."

Der deutsche Markt wird von zwei Firmen dominiert. Am meisten Milchersatzprodukte verkauft nach eigenen Angaben Alpro. Das belgische Unternehmen startete als Spezialist für Sojaprodukte, bietet aber seit 2012 auch Getränke aus Kokos, Mandeln oder Haselnuss an. Der zweite große Anbieter hierzulande ist Alnatura. Anfangs verkaufte das Unternehmen seine Produkte in Drogeriemärkten, mittlerweile existieren in Deutschland rund 100 eigenständige Alnatura-Filialen. Daneben gibt es auf dem Markt noch Produkte von Eigenmarken der Super- und Drogeriemarktketten, die den Produkten der großen Hersteller aber sowohl inhaltlich als auch preislich sehr nahe sind.

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Die Preise für Mandelmilch liegen zwischen 2,69 Euro und 2,95 Euro pro Liter. Ähnlich viel muss der Verbraucher für Reis- oder Haferdrinks bezahlen. Lediglich Sojagetränke liegen mit 85 bis 95 Cent im unteren Preissegment. Tierische Milch ist jedoch momentan mit 55 Cent pro Liter so billig wie nie. Da ein Verbraucher aufs Jahr gerechnet durchschnittlich rund 58 Liter Milch trinkt, betrüge die Differenz fast 140 Euro, würde er sie durch Mandelmilch ersetzen. Aber woher kommen die hohen Preise?