Messenger-App Alibaba steigt bei Snapchat ein

  • Der chinesische Konzern Alibaba will sich einem Medienbericht zufolge mit 200 Millionen Dollar an Snapchat beteiligen.
  • Die Investition bewerte den Messenger-Dienst mit 15 Milliarden Dollar, heißt es. Damit gehört Snapchat zu den derzeit wertvollsten Start-ups.

Versendet, gesehen, gelöscht

Es sind keine Bilder für die Ewigkeit. Gerade erst verschickt, schon wieder verschwunden. Wer die App Snapchat nutzt, der weiß um die Vergänglichkeit. Während in anderen sozialen Netzwerken alles zu jeder Zeit abrufbar ist und Fotoalben über Jahre archiviert bleiben, verfolgt die amerikanische App die genau gegenteilige Strategie: Vergessen ist so leicht. Die versendeten Fotos tauchen nur für einen Moment auf dem Handy-Bildschirm des Empfängers auf, dann löschen sie sich von selbst. Unter jungen Leuten ist die App beliebt. Denn bei anderen Nachrichtendiensten muss man sich im Zweifelsfall vor dem Versenden einige Gedanken machen: Was, wenn das Foto an jemand weitergeleitet wird, für den es nicht bestimmt ist? An den Chef, an den ungeliebten Kollegen, die Ex-Freundin?

Bei Snapchat stellen sich diese Fragen erst gar nicht. Versendet, gesehen, gelöscht - fertig. Wohl auch deswegen hat der Dienst nach eigenen Angaben mittlerweile mehr als 100 Millionen Nutzer. Und der Erfolg lockt natürlich Investoren. Facebook hatte schon Ende 2013 versucht, Snapchat für etwa drei Milliarden Dollar zu übernehmen. Allerdings vergeblich.

Das Rennen scheint nun ein anderer zu machen: Der chinesische Konzern Alibaba steigt jetzt wohl mit 200 Millionen Dollar Beteiligung bei Snapchat ein, berichtet Bloomberg. Die Agentur beruft sich auf Personen, die mit der Angelegenheit vertraut sein sollen. Diese Investition bewerte den vor vier Jahren gegründeten Messenger-Dienst mit 15 Milliarden Dollar, hieß es. Damit würde Snapchat zu den derzeit wertvollsten Start-Up-Unternehmen gehören.

In Asien ist WeChat Marktführer

Genau wie Google oder Amazon investiert Alibaba in ganz verschiedene Branchen, zuletzt hatte sich die Firma vor allem auf mobile Angebote für Tablets und Smartphones konzentriert. Erst im Februar kaufte sich der Onlinehändler bei dem kleinen chinesischen Smartphone-Hersteller Meizu mit 590 Millionen Dollar ein. Der Versuch, selbst eine erfolgreiche Messenger-App auf den Markt zu bringen, scheiterte allerdings. In Asien ist der Marktführer noch immer der Dienst WeChat von Alibabas Rivalem Tencent Holdings. Ob Snapchat dabei helfen kann, das zu ändern, ist fraglich. Denn in China ist die App verboten - damit entgeht dem amerikanischen Start-up ein riesengroßer Markt.

Warum Alibaba sich trotzdem für Snapchat interessiert: Das Start-up ist ständig im Wandel, versucht sich genau wie Alibaba breit aufzustellen und nicht nur Messenger zu sein. Seit Januar hat die Firma zum Beispiel eine Kooperation mit verschiedenen Medien wie CNN, National Geographic oder Vice. Deren Videos und Texte sind in der App integriert, verschwinden allerdings nicht ganz so schnell wie private Fotos. Alle 24 Stunden werden die Angebote ausgetauscht. Die Einnahmen aus der geschalteten Werbung gehen zu einem Teil an die Medienhäuser, zu einem anderen an Snapchat.

Außerdem können sich Nutzer der App mittlerweile auch gegenseitig Geld schicken, hier arbeitet Snapchat mit dem Onlinebezahl-Dienst Square zusammen. Das grundlegende Prinzip von Snapchat wird hier allerdings nicht angewandt. Zum Glück, das Geld bleibt.