Medien wehren sich gegen INSM Partner wider Willen

Mit Neon und Anne Will als vermeintliche Partner suchte die INSM nach Reportern für ein TV-Projekt. Jetzt wehren sich die Genannten gegen den Verdacht, sie würden mit der Lobbygruppe kooperieren.

Von Tobias Dorfer

Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) und die Redaktion des Magazins Neon haben sich gegen den Verdacht gewehrt, sie würden mit der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) bei der Video-Kampagne "Deutschland 24/30" kooperieren. Neon hat deshalb am Montag eine Aufforderung zur Unterlassung an die Initiative gesendet. "Wir erwarten schnellstmöglich eine Unterschrift, die den Verdacht ausräumt, wir würden mit der INSM zusammenarbeiten", sagte Chefredakteur Timm Klotzek zu sueddeutsche.de.

Dem NDR hat die wirtschaftsliberale Lobbygruppe bereits eine schriftliche Klarstellung zukommen lassen. Über ihre Anwälte habe die INSM verbindlich erklärt, dass sie weder selbst behauptet noch behaupten lässt, die ARD-Sendungen Anne Will und ttt - Titel Thesen Temperamente würden über die Kampagne berichten, sagte ein NDR-Sprecher: "Damit ist die Sache für uns erledigt."

Nichts gewusst

In einem Schreiben, das an Journalistenschulen und -Netzwerke ging, hatte die von Arbeitgeberverbänden getragene Vereinigung junge Reporter für ihre Aktion "Deutschland 24/30" gesucht und dazu mit einer illustren Runde prominenter Menschen und Medien geworben. Als "mögliche Interviewpartner" waren unter anderem Schriftsteller Günter Grass, Adidas-Chef Herbert Hainer und Entertainer Harald Schmidt aufgeführt.

Auch mediale Öffentlichkeit wurde den jungen Journalisten versprochen: "Fernsehen (z.B. Anne Will, ttt), verschiedene Radio-Stationen und Printmedien (Neon, Zeit, Bild) sowie lokale Radiosender und Tageszeitungen berichten über die Aktion", hieß es in dem Werbeblatt. Das Problem dabei: Die genannten Medien und auch die Prominenten hatten von einer Zusammenarbeit nichts gewusst.

INSM-Vertreter Ronald Voigt sprach von einem internen "Arbeitspapier", das versehentlich an die Öffentlichkeit gelangt sei. Etwaige "Missverständnisse" seien bedauerlich. Die INSM habe sich nichts vorzuwerfen.