Mateusz Morawiecki Wirtschaftsminister: "Vorwürfe gegen Polen sind Teil des politischen Kampfes"

Mateusz Morawiecki bei seinem Treffen mit Sigmar Gabriel Ende Januar

(Foto: dpa)

Kritik an der Regierung weist Polens Wirtschaftsminister Morawiecki im Interview scharf zurück - und erklärt, wie er deutsche Investoren gewinnen will.

Von Florian Hassel, Warschau

Mateusz Morawiecki trat kürzlich an der Seite von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel auf. Neben so raumgreifenden Politikern scheint Polens Wirtschaftsminister fast zu verschwinden. Morawiecki ist schlank, fast hager. Er spricht mit klarer, aber leiser Stimme. Doch der erste Eindruck täuscht. Morawiecki ist in Polens neuer Regierung weder ein Leichtgewicht noch ein Leisetreter.

Morawiecki gilt als unnachgiebig, als Mann mit stählernem Durchsetzungsvermögen. Bevor der langjährige Bankchef einwilligte, Wirtschaftsminister zu werden, ließ er sich den Rang eines stellvertretenden Ministerpräsidenten zusichern. Er will im hierarchiebewussten Polen das Sagen haben in Fragen von Wirtschaft und Finanzen. Vielleicht ist er aber auch nur "Valium für Investoren", wie die polnische Ausgabe des Wirtschaftsmagazins Forbes spottet.

Mehr Kindergeld und ein niedriges Rentenalter sollen die Wähler bei der Stange halten. Bezahlen sollen die milliardenschweren Wohltaten etwa Banken und Handelsunternehmen, viele davon aus Deutschland.

Morawiecki empfängt die SZ zum ersten Interview mit einem deutschen Medium. Zweifel am Kurs der neuen Regierung, eine Herabstufung polnischer Kreditwürdigkeit gar seien "Teil des politischen Kampfes" gegen Polen, behauptet der Minister.

Polens Wirtschaftsminister "Wir besteuern wie England"

Mateusz Morawiecki hält die Kritik an den geplanten Sonderabgaben für Banken und Handel für verfrüht. Auch Zweifel am Rating des Landes seien Teil des politischen Kampfes.