Markenrecht Mit Charlie Brown ist nicht zu spaßen

Weltweit beliebt: Charlie Brown. Wer ihn aber zu kommerziellen Zwecken nutzen will, der muss zahlen,

(Foto: Reuters)

In Dortmund nennt sich ein Streetwear-Laden "New Peanuts Dortmund". Nun hat der Inhaber Ärger mit den Erben des Peanuts-Erfinders Charles Schulz.

Von Jannis Brühl

Fürs Skateboardfahren ist Charlie Brown eigentlich nicht lässig genug. Seine Baseballwürfe sind ja schon miserabel, Drachen, die er steigen lässt, enden meist im nächsten Baum, der nervöse Junge scheitert an so vielem. Seine ständigen Niederlagen machen - natürlich zusammen mit Snoopy - den Charme der Peanuts-Comics aus. Nun ist Charlie Brown, der gar nicht coole Junge, ein Problem für einen Laden geworden, der Skater-Mode verkauft. Der hat voriges Jahr in Dortmund aufgemacht und heißt: "New Peanuts Dortmund". Und das ist das Problem.

Der 33-jährige Antonio Milanese verkauft in dem Laden Wollmützen und Rucksäcke von Szene-Marken, an den Wänden Graffiti von Könnern. Dazu hat er kleine Design-Ideen auf Lager, wie den Pizzaschneider in Form eines gangschaltungslosen "Fixie"-Bikes, angeblich Lieblingsfahrrad städtischer Stil-Eliten.

Milaneses Anwalt hat im Februar Post bekommen, von der internationalen Anwaltskanzlei Hogan Lovells aus Hamburg. Sie vertritt die Herren über das Erbe des im Jahr 2000 gestorbenen Zeichners und Peanuts-Erfinders Charles Schulz: die Peanuts Worldwide LLC aus New York. Die Anwälte wollen, dass Milanese sein Geschäft umbenennt und 2305 Euro Anwaltskosten zahlt. Milanese sagt: "Ich habe erst mal meinen Anwalt gefragt, ob das seriös ist." Ist es. Dabei hat er doch mit Charlie Brown nichts zu tun.

In der Welt des Stils spielt Snoopy, der meist auf seiner Hundehütte davon träumt, Pilot zu sein, keine Rolle. Gleiches gilt für den Kinder-Klavierspieler Schroeder und Charlies Baseball-Nemesis, die rothaarige Peppermint Patty. Dennoch haben Charlies Anwälte beim Deutschen Patent- und Markenamt in München Einspruch gegen "New Peanuts" eingelegt - sicherheitshalber, wie sie sagen, weil sonst die Einspruchsfrist abgelaufen wäre. Ihr Vorwurf: Es bestehe eine "hohe Gefahr der Verwechslung", schreibt Hogan Lovells. "Der Geschäftsauftritt erweckt den Eindruck eines neuen örtlichen Geschäfts für Peanuts-Merchandise in Dortmund." Milanese entgegnet: "Hier ist noch nie jemand reingekommen und hat nach einem Peanuts-Comic gefragt."

Hogan Lovells betont, man sei an einer gütlichen Einigung interessiert. Das würde aber einen neuen Namen für Milaneses Geschäft bedeuten. Die Webseite newpeanuts.de musste er schon vom Netz nehmen. Weil er viele "Peanuts", also Kleinigkeiten, anbietet, wie das Schneidbrett in Form eines Skateboards, habe er sich für den Namen entschieden: "Ich hätte ja nie gedacht, dass mir dann die Peanuts aus New York schreiben."

Was ihm wohl nicht bewusst war: Die Peanuts sind mehr als ein sympathischer Comic-Strip. Sie sind eine Geldmaschine, die seit Jahrzehnten rattert. Die Marke ist nicht nur deshalb so wertvoll, weil weltweit Zeitungen für den Abdruck der Comics zahlen. Vor allem Merchandising und Lizenzierung sind viel wert.

Hinter Peanuts Worldwide stehen die Schulz-Erben und Iconix, einer der größten Rechteverwerter. Iconix verdient sein Geld mit mehr als 1100 Lizenzen. Mit denen machte das Unternehmen 2014 mehr als 400 Millionen Dollar Umsatz (Hier lesen Sie die Geschäftsberichte). Die Peanuts-Figuren treten in Videospielen auf, werden auf T-Shirts gedruckt, werben für die Versicherung Metlife. Mehrere US-Freizeitparks haben Lizenzen für Attraktionen wie "Planet Snoopy" gekauft. Ein animierter 3D-Film soll im Herbst in die Kinos kommen. Auch Zara, Nestlé und der Einzelhändler Target nutzen die Peanuts-Charaktere.

So eine Marke ist aus Sicht der Inhaber schützenswert - aber sind Milanese und sein Nischen-Laden der richtige Gegner? Er habe, argumentiert Hogan Lovells, seine Marke nun mal für das Kerngeschäft der Peanuts Worldwide angemeldet: Bekleidung und Druckereierzeugnisse.

Die Frage, wie hoch die Verwechslungsgefahr ist, müssen Markenrechtler klären, notfalls vor Gericht. Immer wieder setzen internationale Unternehmen wie Apple das Markenrecht gegen Kleinunternehmer ein. Die Kräfteverhältnisse sind eindeutig: Die Kleinen haben selten die Ressourcen für einen Rechtsstreit. Milanese sagt: "Die haben so viel Geld, die lassen mich ausbluten."

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