Ikea Wer hat "Malm" erfunden?

Dieses Ikea-Bett aus der Serie "Malm" ist Grund für den Streit vor dem Bundesgerichtshof.

(Foto: dpa)
  • Seit Jahren streitet sich ein deutscher Designer mit dem Ikea-Konzern um den Betten-Klassiker "Malm".
  • Der Designer Philipp Mainzer will das Bett entworfen haben. Er wirft Ikea vor, es lediglich kopiert zu haben.
  • Am Donnerstag entscheidet der Bundesgerichtshof über den Fall.

Hohes Kopfteil, gerade Linien, schnörkelloses Design: Das Modell "Malm" ist ein Klassiker unter den Ikea-Betten. Geht es nach dem Frankfurter Designer und Architekten Philipp Mainzer, hätte es allerdings nie Einzug in die deutschen Filialen des schwedischen Möbelkonzerns erhalten dürfen. Denn "Malm", das bestreitet auch Ikea nicht, sieht nahezu identisch aus wie Mainzers Bett "Mo". Und der 47-Jährige ist überzeugt: "Mo" war zuerst da.

Nun erreicht der Betten-Krieg den Bundesgerichtshof (BGH). Zwar hatten die Gerichte Mainzers Klage bislang in allen Vorinstanzen abgewiesen, die obersten Zivilrichter in Karlsruhe jedoch ließen die Revision zu. Mainzer schöpft seitdem wieder Hoffnung, sein Ziel doch noch zu erreichen: Er will, dass der Vertrieb von "Malm" in Deutschland gestoppt wird.

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Die ganze Geschichte beginnt schon vor vielen Jahren: 1995 begründet Mainzer mit Kollegen die Möbelmarke e15. Für die Kollektion entwirft er das Bett "Mo". Mitte Juli 2002 lässt er sein Design beim Deutschen Patent- und Markenamt schützen. Bereits im Januar zeigte er es allerdings auf einer Möbelmesse in Köln, wie später im Streit mit Ikea nachträglich registriert wurde.

Als er das Bett "Malm" zum ersten Mal in einem Ikea-Katalog entdeckt und die Ähnlichkeit zu "Mo" feststellt, ist Mainzer dementsprechend empört. Er selbst habe das Bett schließlich entworfen, fertigen lassen und in den Markt gebracht. "Und dann setzt sich da jemand ins gemachte Nest und verkauft, ich schätze mal, mehrere Millionen Stück davon - das sehe ich nicht ein", sagt er.

Das Bett "Mo" der Möbelmarke e15, das dem Ikea-Bett tatsächlich erstaunlich ähnlich sieht.

(Foto: dpa)

Wie oft das Bett aus der "Malm"-Reihe in Deutschland bislang tatsächlich verkauft wurde, ist unklar. Ikea will sich zu dem laufenden Verfahren nicht äußern. Auf Anfrage teilt eine Sprecherin mit: "Ikea vertritt die Auffassung, dass es niemals in Ordnung ist, die Arbeit eines anderen Designers zu kopieren." Das Unternehmen tue bei der Einführung neuer Produkte "alles Erdenkliche, um sicherzustellen, dass wir dabei respektvoll und anständig mit anderen Firmen und Designern umgehen".

Der augenscheinlich einzige Unterschied ist der Preis

Vor Gericht hat Ikea versucht zu belegen, dass "Malm" parallel zu "Mo" und völlig unabhängig davon entstanden ist. Zwar startete der Vertrieb von "Malm" in Deutschland erst 2003. Ikea verweist aber auf das sehr ähnliche Vorgänger-Modell "Bergen". Von diesem Bett seien die ersten Exemplare bereits im Frühjahr 2002 an deutsche Filialen gegangen. Im August 2002 wurde "Bergen" dann im Ikea-Katalog beworben.

Mainzer hielt stets dagegen, dass all dies nach der Kölner Möbelmesse passiert sei, auf der er "Mo" erstmals präsentierte. Genutzt hat das bislang nicht viel: Ikea hat zuletzt das Düsseldorfer Oberlandesgericht davon überzeugen können, dass die Vorbereitungen für den Vertrieb von "Bergen" in Deutschland auch zu diesem Zeitpunkt schon "in einem Umfang getroffen waren, dass die Begründung eines schützenswerten Besitzstandes vorliegt". Belegen sollen das ein Zeuge und eine Aufbauanleitung.

Mainzer hofft jetzt auf den BGH. Er habe zwar Respekt vor einem großen Gegner, es gehe ihm neben dem Schadensatz aber auch ums Prinzip. e15 habe es als kleines Unternehmen geschafft, mit seinen Entwürfen Trends zu setzen. "Wenn wir das nicht verteidigen, nimmt uns keiner mehr ernst", sagt Mainzer.

Zumindest einen augenfälligen Unterschied zwischen "Mo" und "Malm" gibt es allerdings: e15 versteht sich als Premium-Marke. Das Massivholz-Bett "Mo" gibt es in Eiche oder Nussbaum für knapp 3000 Euro. Die Ikea-Variante Malm aus Spanplatte mit Echtholzfurnier kostet derzeit als Doppelbett je nach Ausführung zwischen 200 und 300 Euro - also gerade einmal ein Zehntel.

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