Luxemburg Steueraffäre erschüttert Commerzbank

Das Gebäude der Commerzbank in Frankfurt am Main: Die Bank ist tief in die neue Steueraffäre verstrickt.

(Foto: Getty Images)
  • Die Commerzbank räumt ein, dass Altkunden mit Briefkastenfirmen in Panama von der Luxemburger Tochter, der Commerzbank International, weiter betreut wurden als bislang gesagt.
  • Die Ermittler haben Verfahren gegen Hunderte mutmaßlicher deutscher Steuerbetrüger und deren Helfer eingeleitet.
  • Der Schaden für den Fiskus könnte bis zu einer Milliarde Euro betragen.
Von Hans Leyendecker, Bastian Obermayer und Klaus Ott

Die Commerzbank ist weit tiefer in die neue Steueraffäre verstrickt, als das zweitgrößte deutsche Geldhaus anfangs zugegeben hatte. Das geht aus Unterlagen hervor, die der Süddeutschen Zeitung vorliegen und die aus den Beständen der Mossack Fonseca Group in Panama stammen, einem weltweit agierenden Anbieter von Briefkastenfirmen. Solche Firmen dienen vor allem dazu, Vermögen vor dem Fiskus zu verstecken.

Am Dienstag hatten Kölner Staatsanwälte und Steuerfahnder die Zentrale der Commerzbank in Frankfurt durchsucht. Das Geldinstitut erklärte daraufhin, es gehe dabei um "Altfälle, die zehn Jahre und länger" zurücklägen. Am Mittwoch räumte die Commerzbank dann allerdings ein, Altkunden mit Briefkastenfirmen in Panama seien von der Luxemburger Tochter, der Commerzbank International, weiter betreut worden. Nach Angaben eines Sprechers hat die Commerzbank erst in diesem Jahr damit begonnen, jenen Kunden zu kündigen, die bislang keinen reinen Tisch mit den Finanzbehörden gemacht hätten.

Das jetzt aufgeflogene Geschäftsmodell sah so aus, dass Luxemburger Banken, darunter Tochterfirmen deutscher Institute, und Vermögensverwalter aus dem Großherzogtum ihren Kunden Briefkastenfirmen der Mossack Fonseca Group aus Panama vermittelten. Die Ermittler haben Verfahren gegen Hunderte mutmaßliche deutsche Steuerbetrüger und deren Helfer in Luxemburg eingeleitet.

Mitarbeiter der Commerzbank unter Verdacht

Der Schaden für den Fiskus könnte bis zu einer Milliarde Euro betragen. Auch mehrere Mitarbeiter der Commerzbank werden der Beihilfe zur Steuerhinterziehung verdächtigt. Bei einigen von ihnen fanden diese Woche, wie aus Finanzkreisen verlautete, ebenfalls Durchsuchungen statt. Die Bank hatte in ihrer ersten Stellungnahme auch behauptet, man habe intern bereits seit 2007 "die bloße Weiterleitung von Kundenanfragen" nach Briefkastenfirmen aus Panama grundsätzlich untersagt. Später korrigierte sich die Bank: Im August 2008 habe man beschlossen, neue Geschäfte dieser Art zu unterlassen.

Aus den Mossack-Unterlagen ergibt sich aber, dass bei der Commerzbank in Luxemburg offenbar bis 2010 weiter derartige Geschäfte betrieben wurden. Die Bank erklärte dazu, bei steuerlich "unbedenklichen" Vorgängen könne es bis 2010 noch solche Geschäfte gegeben haben. Die Mossack-Papiere sind die Grundlage für die aktuelle Razzia bei der Commerzbank und vielen anderen Stellen. Das Material, das die Behörden von einem Informanten kauften, ist allerdings nur ein kleiner Teil einer weit größeren Datensammlung, die der SZ, dem NDR und dem WDR vorliegt.

Den Unterlagen zufolge sind mindestens drei weitere große deutsche Geldinstitute in die mutmaßlich kriminellen Geschäfte über Luxemburg und Panama verwickelt. Darunter sind auch staatliche Banken. Die anderen Institute haben ebenso wie die Commerzbank von Luxemburg aus für vermögende Kunden jahrelang Briefkastenfirmen bei Mossack bestellt. In der Finanzbranche geht man davon aus, dass in den nächsten Wochen weitere Razzien bei anderen Instituten folgen werden.

Auch andere europäische Länder und die USA haben inzwischen Mossack-Daten erworben.