Libor-Skandal Deutsche Bank muss 2,5 Milliarden Dollar Strafe zahlen

Schutz gegen Strafen: 1,5 Milliarden Euro legte die Deutsche Bank im ersten Quartal für juristische Streitigkeiten zurück.

(Foto: Bloomberg)
  • Die Deutsche Bank hat sich mit Behörden in den USA und Großbritannien auf einen Vergleich im Libor-Skandal geeinigt. Die Bank zahlt 2,5 Milliarden Dollar Strafe.
  • Mitarbeiter hatten von 2003 bis 2011 Zinssätze zu ihren Gunsten manipuliert, um Handelsgewinne einzustreichen.
  • Viele Banken machten es ähnlich. Kunden könnte so ein Schaden von 17 Milliarden Dollar entstanden sein.
Von Harald Freiberger

Die Deutsche Bank muss wegen des Skandals um Zinsmanipulationen eine hohe Strafe zahlen. In einem Vergleich einigten sich die Regulierer in Großbritannien, den USA und die Bank darauf, 2,5 Milliarden Dollar zu zahlen. Ihre Händler hatten laut den Ermittlern jahrelang den wichtigen Referenzzinssatz Libor manipuliert. Eine Bedingung des Vergleichs ist, dass sieben von ihnen entlassen werden.

Was ist der Libor?

Ausgeschrieben heißt er "London Interbank Offered Rate". Das ist der Zinssatz, zu dem sich Banken untereinander Geld leihen. Er wird in London notiert. Es gibt nicht nur einen Libor, sondern mehrere für verschiedene Währungen und Laufzeiten. Leicht zu manipulieren war der Zinssatz, weil er nicht etwa von amtlicher Stelle festgesetzt, sondern aus einer Umfrage von acht bis 16 Großbanken ermittelt wurde. Diese meldeten täglich um 11 Uhr an den britischen Bankenverband, zu welchem Zinssatz sie sich von anderen Banken Geld leihen können. Der Bankenverband zog den höchsten und den niedrigsten Wert ab und bildete aus dem Rest den Durchschnitt. Für die Meldungen waren nur wenige Händler zuständig, die sich untereiander kannten. Wenn sie sich absprachen, konnten sie den Libor nach unten oder oben manipulieren.

Warum ist er so wichtig?

Der Libor hat auf den Kapitalmärkten weltweit enorme Bedeutung. Finanzprodukte in Höhe von mehreren Hundert Billionen Euro sind an ihn gekoppelt. Es handelt sich zum Beispiel um Derivate, also Wetten auf Aktien, Anleihen oder Währungen, die sich auf einen Basis-Zinssatz beziehen. Auch Sparprodukte von Banken mit einem flexiblen Zinssatz beziehen sich häufig auf den Libor.

Warum haben die Banken das gemacht?

Die Manipulationen liefen von 2003 bis 2011. Die Banker hatten vor allem zwei Motive. Zum einen ging es ihnen darum, auf dem Höhepunkt der Finanzkrise um 2008 die eigene Situation zu beschönigen. Sie meldeten einen niedrigeren Zinssatz, als sie eigentlich zahlen mussten; denn andere Institute trauten ihnen damals nicht mehr und verlangten entsprechend höhere Zinsen. Dieses Motiv soll allerdings bei der Deutschen Bank nicht im Vordergrund gestanden haben. Stattdessen wollte man sich offenbar selbst bereichern: Wer weiß, wie sich ein Zinssatz entwickelt, kann die Handelspositionen der Bank darauf abstellen und Wetten abschließen. Bei den Ermittlungen kam heraus, dass ein UBS-Händler den Libor nur um 0,01 Prozentpunkte manipulieren musste, um für die Bank einen Spekulationsgewinn von 459 000 Dollar zu erzielen. Das nutzt auch den Händlern: Je mehr Gewinn sie erzielen, umso höher ist eigener Bonus.

Wo ist der Schaden?

Nach Schätzungen soll Bankkunden ein Schaden von rund 17 Milliarden Dollar entstanden sein. Konkret ist dies aber schwer zu ermitteln. Denn dazu müsste bekannt sein, in welche Richtung der Libor in welchem Zeitraum manipuliert wurde. Erst dann könnten die Kunden anhand ihrer damaligen Wertpapier-Positionen sagen, welchen Schaden sie erlitten haben. Es gibt eine Reihe von Investoren, die klagen wollen. Anwälte arbeiten an Analysen, wie sich der Libor ohne die Manipulationen entwickelt hätte. Sie hoffen, dass ihnen die Ermittlungen der britischen und amerikanischen Behörden dazu wichtige Erkenntnisse liefern.

Was wurde seit dem geändert, damit das nicht mehr vorkommt?

Dem britischen Bankenverband wurde die Verantwortung für Feststellung des Libor entzogen. Dafür ist seit gut einem Jahr eine von den Banken unabhängige Organisation namens IBA zuständig. Die internationalen Aufseher drangen zudem darauf, dass die Feststellung der Zinsen in den Banken besser kontrolliert wird. So soll die Deutsche Bank zugestimmt haben, dass sie in den nächsten Jahren von einem Aufpasser überwacht wird, den die Behörden entsenden. Im Libor-Skandal ermittelt seit fast drei Jahren auch die deutsche Finanzaufsicht Bafin. Ihr geht es vor allem um die Frage, ob es bei der Feststellung des Zinssatzes ein organisatorisches Versagen gab. Der Abschlussbericht steht noch aus, doch die Ermittler ließen schon durchblicken, dass zumindest das Top-Management von den Manipulationen nichts wusste. Das ist vor allem für Co-Chef Anshu Jain eine Erleichterung, der in der fraglichen Zeit Investmentbanking-Chef war.