Libor-Skandal der Deutschen Bank Wie die "French Connection" zuschlug

Realer Thriller: Ein kriminelles Kartell aus Banken und Händlern manipuliert den Zins, um zur Blütezeit freier Finanzmärkte das große Geschäft zu machen. Gerne korrespondierten sie dabei auf Französisch. Nun muss die Deutsche Bank diese bizarre Affäre aufarbeiten - und fünf Millionen E-Mails.

Von Hans-Jürgen Jakobs, München, und Markus Zydra, Frankfurt

Sie korrespondierten gerne auf Französisch - einer Sprache, die in der angelsächsischen Finanzwelt selten gepflegt wird. Vieles sollte geheim bleiben. Sie kannten sich gut, mochten wohl Paris und saßen in den größten der großen Banken. Sie manipulierten dort das Wichtigste, was diese Welt hat, den Zins. Der heißt hier Libor oder Euribor. So machten sie zwischen 2005 und 2007, in der Blütezeit freier Finanzmärkte, blendende Geschäfte.

Sie, das waren internationale Geldhändler, eine profitable "French Connection". Insgesamt 16 Banken und drei Dutzend Trader sind in einen Skandal verstrickt, der derzeit die Finanzwirtschaft erschüttert und die Politik alarmiert.

Auch in Deutschland schauen Parteigranden auf diese Story, denn zum französischen Kartell gehörten Mitarbeiter der Deutschen Bank. Das macht die Sache zur Herausforderung für die erst seit Anfang Juni amtierende neue Führung.

Die Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen sowie der Aufsichtsratsvorsitzende Paul Achleitner haben alles zu tun, die bedrohliche Affäre aus der Welt zu schaffen - und müssen doch auf den Bericht der Aufsichtsbehörde Bafin warten. Der kommt nach Informationen der Süddeutschen Zeitung Mitte August, in zwei Wochen also. Ende August ist dann mit den gesammelten Erkenntnissen der Bank zu rechnen.

Aufsichtsratschef Achleitner soll intern Entwarnung für Vorstandschef Jain gegeben haben: "Wir werden zu ihm halten", hat er angeblich erklärt. Jain habe schließlich, nach derzeitigem Stand, nichts Unrechtes getan und nichts von den Vergehen gewusst. Die Zinsmanipulationen seien vier Ebenen unter ihm passiert. Offiziell nimmt das Finanzinstitut keine Stellung. Am kommenden Montag und Dienstag wird sich der Aufsichtsrat der Deutschen Bank mit den Kalamitäten befassen. Schon seit 2010 laufen intern Untersuchungen, damals angestoßen von Ex-Chef Josef Ackermann und von Ex-Risikovorstand Hugo Bänziger.

Zügig wird die Aufkläung nicht möglich sein

Zügig lief die Aufklärungsarbeit nicht. Der Fall ist hochkomplex, die Abstimmung mit den Aufsichtsbehörden scheint schwierig gewesen zu sein. Ackermann erklärte jüngst gegenüber Vertrauten, die Zins-Affäre sei auch ein Grund, weshalb er nicht den fürs Investmentgeschäft zuständigen Jain als Nachfolger vorgeschlagen habe. In der Bank sind viele genervt wegen solcher Indiskretionen.

Inzwischen rollen 200 Mitarbeiter die Geschichte dieses Betrugs auf. 34 Millionen E-Mails wurden erfasst, 5,1 Millionen werden überprüft. Gefahr ist in Verzug, aber eine Vorverurteilung wäre schlimm.

In den bankinternen Stellungnahmen, die fortwährend ein "Update" erfahren, dreht sich offenbar vieles um Christian Bittar, den frankophilen Händler, der die Bank 2011 im Zuge der Affäre mit einem Kollegen verlassen musste. Vier andere Deutschbanker wurden degradiert, finanziell wie karrieretechnisch. Man hätte sie wohl gern aus dem Job expediert, musste aber Prozesse fürchten, heißt es in Finanzkreisen. Bittar arbeitet inzwischen in Genf beim Hedgefonds Blue Crest. Eine Anfrage lässt er so beantworten: "Wir können nichts erklären, außer dass Herr Bittar von Blue Crest beschäftigt wird."