Laxe Gesetze in Steueroasen Kriminelle willkommen

Die Britischen Jungferninseln, die Cook-Inseln oder die Bahamas: Für korrupte Politiker, Kriminelle und Kreditbetrüger sind Steueroasen ein ideales Geldversteck. Kein Finanzamt, kein Geschäftspartner und keine Opposition erfahren davon.

Von Christoph Giesen und Frederik Obermaier

Sie haben sich unscheinbare Namen einfallen lassen, wie man das halt so macht bei Offshore-Firmen. Arzu Aliyeva hat ihr Unternehmen Arbor Investment genannt, ihre ältere Schwester Leyla Aliyeva ist die Besitzerin von LaBelleza Holdings Limited und der Harvard Management Limited. Namen, die man rasch wieder vergisst, erdacht für ein Geschäft, das wohl für immer im Dunkeln bleiben sollte.

Arzu und Leyla Aliyeva sind die Töchter des aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Aliyev. Die Macht und das Geld sind in dem ölreichen Land auf wenige Familien verteilt. Wer in Aserbaidschan etwas erreichen möchte, muss sich mit der Familie Aliyev gutstellen. Die Aliyevs stehen schon länger im Verdacht, Geld auf die Seite zu schaffen und in Steueroasen zu bunkern. Es gibt Verbindungen nach Panama und auf die Britischen Jungferninseln.

In den internen Datenbanken der Firmen Portcullis Trustnet und Commonwealth Trust Limited (CTL), die die Süddeutsche Zeitung gemeinsam mit Medienpartnern ausgewertet hat, finden sich die Namen der Präsidententöchter, genauso wie die etlicher Männer aus der Halbwelt, die ihre Geschäfte im Schatten der Steuerinseln betreiben: Der russisch-israelische Waffenschmuggler Arcadi Gaydamak etwa. Oder Muller Conrad Rautenbach, ein Diamantenhändler und Helfer des simbabwischen Autokraten Robert Mugabe. Dazu jede Menge Finanzbetrüger, die Anleger mit Schneeballsystemen um ihr Geld gebracht haben und einen stattlichen Teil des ergaunerten Vermögens auf Offshore-Konten ruhen lassen.

Sie alle - Kriminelle, Korrupte und Kreditbetrüger - nutzen für ihre Machenschaften die Verschwiegenheit und die undurchsichtigen Firmenstrukturen in Steueroasen aus. Länder wie die Britischen Jungferninseln, die Cook-Inseln oder die Bahamas schaffen mit ihren Gesetzen die Grundlagen für ein ideales Geld-Versteck: die Offshore-Firma. Wer will kann in den Steuerparadiesen Geld anhäufen, ohne dass irgendwer davon erfährt. Kein Finanzamt, keine Ex-Frau, keine Geschäftspartner und keine Opposition.

Arzu Aliyeva, 24, ist in Aserbaidschan ein bekanntes Model, ihre ältere Schwester Leyla, 27, arbeitet als Chefredakteurin des Lifestyle-Magazins Baku. In ihrem Heimatland, das wie so viele ehemalige Sowjetstaaten den Übergang zur Demokratie nur schlecht hinbekommen hat, sind Arzu und Leyla Aliyeva einflussreiche Frauen. Das weiß sicherlich auch Hassan Gozal. Der aus Iran stammende Kaufmann ist seit 2008 ist der Direktor der drei auf den Britischen Jungferninseln registrierten Offshore-Firmen der Präsidententöchter. Zum Unternehmenszweck wollen sich auf Anfrage weder die Familie Aliyeva noch Direktor Gozal äußern.

Ein Blick auf Gozals lange Liste von Projekten könnte Hinweise geben: Eine seiner Firmen baut derzeit in der Nähe der Hauptstadt Baku ein zwei Milliarden Dollar teures Ressort. Die Flame Towers - drei knapp 200 Meter hohe mit tausenden LED-Leuchten besetzte Türme - sind bereits fertiggestellt. Mit der staatlichen Ölfirma, dem mächtigsten Unternehmen des Landes, schloss Gozal mehrere Verträge ab. Waren die Firmen auf den Jungferninseln die Gegenleistung für die Aufträge?