Krise beim Elektrohändler Media Markt will Kunden mit Drive-in locken

Den neuen Fernseher bis zum Parkplatz schleppen - das ist bald nicht mehr nötig. Im Media-Markt in Ingolstadt können Kunden bereits jetzt ihre Ware am Drive-in-Schalter abholen.

(Foto: obs)

Die Online-Konkurrenz setzt Media Markt zu, der Konzern steckt in der der Krise. Jetzt will das Unternehmen in die Offensive - mit einen Drive-in-Schalter für Elektronikartikel.

Von Caspar Busse

Natürlich gibt es eine Weltneuheit: Der neue Vorzeigeladen von Media-Markt in Ingolstadt verfügt über einen Drive-in für Elektronikartikel. Die Kunden können also künftig per Internet oder Telefon Waren bestellen, dann mit ihrem Wagen vorfahren und die Produkte gleich in den Kofferraum laden lassen. Sollte das Angebot ein Erfolg werden, sollen auch andere Märkte einen Drive-in-Schalter bekommen, heißt es.

"Media-Markt muss sich neu erfinden. Die alten Erfolgsrezepte greifen nicht mehr", stellte Wolfgang Kirsch, Chef von Media-Saturn Deutschland, jetzt fest. Besonders die harte Online-Konkurrenz, allen voran der US-Konzern Amazon, setzt Europas größter Elektronikkette arg zu. Dazu kommt ein lähmender Streit der Gesellschafter: Media-Saturn mit 21 Milliarden Euro Umsatz und 65 000 Mitarbeitern gehört zu gut drei Vierteln dem Düsseldorfer Metro-Konzern, rund 22 Prozent hält noch Mitgründer Erich Kellerhals. Die beiden sind aber zerstritten, bekämpfen sich öffentlich und vor Gericht, die Lage ist verfahren.

Jetzt will Media-Markt in die Offensive. Man werde den stationären und den Online-Handel "komplett miteinander verschmelzen", kündigte Deutschland-Chef Kirsch an, der von seinem Büro in der Media-Saturn-Zentrale die neue Filiale sehen kann. Hier werden die Produkte multimedial präsentiert, die Mitarbeiter sollen künftig nicht nur den Laden aufräumen, sondern auch die Kunden intensiv beraten. Viele Käufer nutzten bereits die Möglichkeit, Waren im Internet zu bestellen und im Geschäft abzuholen.

Die mehr als 700 Filialen sollen nach und nach umgerüstet werden

Auch der Markenauftritt und das Logo wird geändert, künftig gebe es mehr Weiß als Rot. Damit wirke alles freundlicher und moderner. Und es werden, wie schon im Lebensmitteleinzelhandel, elektronische Preisschilder eingeführt. Die Preise sollen aber nicht dauernd geändert werden, betonte Kirsch, sondern lediglich im Bedarfsfall. "Wir werden nicht von morgen an eine Tankstelle werden", sagte er. Dort ändern sich die Preise mehrmals am Tag, zum Beispiel wenn besonders viele Kunden zum Tanken fahren. Das werde Media-Markt natürlich nicht so machen. Media-Markt werde sich künftig auch nicht mehr allein auf den Preis konzentrieren, sondern auch auf den Service und das Einkaufserlebnis.

Schritt für Schritt will Media-Markt das neue Konzept umsetzen, jedes Jahr sollen zwischen 30 und 50 Filialen umgerüstet werden. Wie hoch die Investitionen sind, sagte Kirsch nicht. In Deutschland hat Media-Markt derzeit 260 Filialen, in weiteren 14 Ländern sind es noch mal 500. Dazu kommen die Geschäftsstellen der Schwesterfirma Saturn, die aber nur noch in Deutschland, Österreich, Luxemburg und Polen präsent ist. Auch hier werde an neuen Konzepten gearbeitet.

Media-Saturn war einst einer der großen Gewinnbringer für den Metro-Konzern, doch die zunehmende Internet-Konkurrenz brachte das Unternehmen unter Druck. Heute werden etwa sieben Prozent des Umsatzes online erwirtschaftet, in der Elektronikbranche insgesamt sind es 20 Prozent. Auch über die neue Filiale in Ingolstadt gab es vorab Streit. Die bisher genutzte Immobilie gehört Kellerhals, ein Umbau habe sich aber nicht gelohnt, so Kirsch. Deshalb sei der Markt auf die andere Straßenseite gezogen, und Kellerhals ist einen lukrativen Mieter los.