Film "Was bin ich wert?" Im Extremfall bestimmt die Statistik, ob jemand weiterleben darf

Standbild aus dem Dokumentarfilm "Was bin ich wert?" von Peter Scharf: Formel zur Berechnung von Humankapital.

(Foto: Bildersturm-Film)

Ist ein Mensch noch wertvoll genug, um behandelt zu werden? Das wird in manchen Ländern längst berechnet. Der Dokumentarfilmer Peter Scharf wollte wissen, was er selbst wert ist - und hat einen Film daraus gemacht.

Von Hans von der Hagen

Menschenleben werden nicht in Geld aufgewogen? Doch. Jeden Tag. Nur ist das nicht immer sichtbar. Regisseur Peter Scharf hat sich auf eine Spurensuche begeben und entdeckt, dass das Thema zwar kuriose Aspekte birgt, rasch aber erschreckende Dimensionen erreicht.

SZ.de: Herr Scharf, Sie haben nun über Monate ihren eigenen Wert recherchiert - wie hoch ist er?

Peter Scharf: Realistisch ist wohl ein kleiner einstelliger Millionenbetrag - irgendetwas zwischen ein bis zwei Millionen Euro.

Das ist aber eine große Spanne ...

Weil die Berechnungsmethoden so unterschiedlich sind. Wenn ich nur Modelle berücksichtige, die auch tatsächlich von Unternehmen und Regierungen verwendet werden, komme ich auf etwa 1,1 Millionen Euro. Und wenn ich alle irgendwie gerade noch akzeptablen Theorien verwende, lande ich bei gut zwei Millionen Euro, aber das ist eigentlich schon nicht mehr in Ordnung, weil dann auch so kuriose Zahlen wie mein Materialwert einfließen, den mir ein Apotheker ausgerechnet hat.

Auf welche Summe kommt der?

Zwischen 1500 und 1600 Euro. Die gut 16 Kilo Kohlenstoff bringen mit 1100 Euro am meisten.

Doch jenseits solcher eigentümlichen Zahlen - womit rechnen offizielle Stellen, wenn es um den Wert eines Lebens geht?

Die Ökonomen berücksichtigen dafür vor allem das Alter, das Aufschluss darüber gibt, wie viel Geld ich in meinem Leben noch erwirtschaften kann, den Gesundheitszustand, den Bildungsgrad, zuweilen auch die Zahl der Kinder, wenn es um den Wert eines Menschen als Versorger geht.

Sie haben für Ihren Film mit vielen Menschen über den Wert eines Lebens geredet - wer macht sich am meisten Gedanken über solche Themen?

Das unterscheidet sich zwar von Land zu Land deutlich, aber auf den kleinsten gemeinsamen Nenner gebracht sind das die Gesundheitsökonomen, dann Leute, die sich mit den Bereichen Bildung und Umweltschutz beschäftigen und natürlich die Versicherer.

Mit welchen Fragenstellungen?

Im Bereich Gesundheit geht es um die Frage, wie viel Geld in die Hand genommen werden muss, um ein Leben zu erhalten. Bei der Bildung heißt es: Was kann ich als Output erwarten, wenn ich eine bestimmte Summe in die Ausbildung von Menschen investiere. Im Umweltschutz wird gerechnet, wie sich Investitionen auf die Gesundheit auswirken und die Versicherer wollen ihre Risiken und Entschädigungszahlungen kalkulieren.

Gibt es Länder, die solche Konzepte besonders offensiv einsetzen?

Vor allem die angelsächsischen Länder arbeiten schon sehr konkret mit solchen Modellen. Im britischen Gesundheitswesen wird ausgerechnet, ob ein Leben angesichts vorhandener Erkrankungen oder fortgeschrittenen Alters so wertvoll ist, dass es die Kosten der Behandlung rechtfertigt.