Insolvenz Küchenhersteller Alno stellt den Betrieb ein

Die Zentrale des Küchenherstellers Alno in Pullendorf.

(Foto: dpa)
  • Das insolvente Unternehmen findet keinen Investor. Hunderte Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz.
  • Der Absturz könnte auch ein juristisches Nachspiel haben. Ein Investor wirft ehemaligen Alno-Managern vor, sich mit dubiosen Verträgen bereichert zu haben.
Von Stefan Mayr, Stuttgart

Dieses moderne Kunstwerk des nachhaltigen Missmanagements muss man erst einmal fertigbringen. Die Küchen-Branche boomt, allerorten steigen die Umsätze, der Trend geht zur Luxusküche als Statussymbol. Viele Hersteller ächzen, weil ihre Kapazitäten bis zum Anschlag ausgereizt sind und sie nicht wissen, wie sie ihre Aufträge abarbeiten sollen. Und dennoch stellt der Premium-Küchenhersteller Alno aus Pfullendorf nach langjährigem Siechtum jetzt den Betrieb ein. Das verkündete das Unternehmen - oder das, was von ihm übrig geblieben ist - am Freitag per Ad-hoc-Mitteilung. Für zehn Uhr ist eine Mitarbeiter-Versammlung in der Firmenzentrale terminiert, dann erfährt das Personal von dem Untergang.

"Der Insolvenzverwalter wird den Geschäftsbetrieb der Gesellschaft endgültig einstellen", so beginnt die offizielle Mitteilung. "Dieser Schritt ist erforderlich, nachdem in dem durchgeführten Verkaufsprozess auch der letzte Interessent kein Angebot für einen Erwerb des Geschäftsbetriebs der Alno abgegeben hat." Alle Gespräche und Verkaufsverhandlungen seien "ohne Abschluss" geblieben. Die verbliebenen Vermögenswerte sollen nun in den kommenden Monaten "im Rahmen einer Einzelverwertung" verkauft werden. Zudem würden "in einer Übergangsphase" noch Bauteile für die bereits verkaufte Pino Küchen GmbH gefertigt.

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Insolvenzverwalter Hörmann hatte seit September versucht, das Ende des Pleite-Unternehmens zu verhindern. Das gelang ihm nur teilweise. Anfang Oktober verkaufte er die Alno-Tochter Pino mit ihren 230 Mitarbeitern an ein Investoren-Konsortium um den Premiumküchen-Hersteller Nobilia aus Nordrhein-Westfalen. Zudem fand er für einige Auslandsgesellschaften Investoren. Das waren zwar Erfolge, aber damit war auch klar: Alno wird zerschlagen, die Hoffnungen auf einen Erhalt der Gruppe als Ganzes waren dahin. Und nun kommt es noch schlimmer.

Zuletzt hatte es noch Gerüchte gegeben, wonach Investoren aus Fernost in Pfullendorf seien und die Firma inspizieren. Insolvenzverwalter Hörmann hatte stets nur berichtet, dass der "Investorenprozess" laufe. Angaben zur Anzahl der Interessenten oder deren Namen machte er nicht. An diesem Freitag hat er die Suche nach einem Käufer beendet. Die laufenden Personalkosten waren zu groß und die Einnahmen zu klein. Um die Insolvenzmasse nicht länger zu verkleinern, musste Hörmann mit sofortiger Wirkung die Notbremse ziehen.

Vertriebsmitarbeiter schaffen den Absprung

Die Produktion hatte er bereits Mitte September eingestellt. Im Oktober wurden etwa 400 Mitarbeiter freigestellt, weil das Unternehmen sie nicht mehr bezahlen konnte. Auch bei der zweiten Tochter Wellmann in Enger, Nordrhein-Westfalen, wurden bereits im Oktober 400 Menschen freigestellt. Auch für diesen Betrieb fand Hörmann keinen Käufer. In Pfullendorf und Enger durften lediglich 200 bleiben, um "insolvenzspezifische Arbeiten" zu übernehmen.

Nun stehen auch sie auf der Straße. Das ist bitter, zum Zeitpunkt der Insolvenzanmeldung im Juli hatte die Alno-Gruppe noch 1600 Mitarbeiter. Einige von ihnen haben den Absprung zur Konkurrenz bereits geschafft, vor allem Vertriebsmitarbeiter, die ohnehin mobil sind. Aber Familienväter oder Mütter, die in Pfullendorf gebunden sind, haben weniger gute Aussichten.

Für die Region Pfullendorf im baden-württembergischen Landkreis Sigmaringen ist das Aus ein herber Schlag, Alno war in der 13 000-Einwohner-Stadt der zweitgrößte Arbeitgeber. Bis zuletzt hatten die Stadtoberen gehofft, dass der Betrieb irgendwie weitergeht. Nun ist zu befürchten, dass Immobilien, Grundstücke und Inventar versteigert respektive verscherbelt werden.

Parallelen zu Schlecker

Gegründet wurde Alno im Jahr 1927 von dem 21-jährigen Schreiner Albert Nothdurft in Wangen. Dessen Initialen bilden bis heute den Firmennamen. 1995 ging das Unternehmen an die Börse, und der Absturz begann.

Dieser Absturz wird wohl ein juristisches Nachspiel haben. Schon zu Beginn des Insolvenzverfahrens hatte Martin Hörmann prophezeit: "Der Blick in den Rückspiegel wird kommen." Zunächst lag seine Priorität in der Fortsetzung des Geschäftsbetrieb, um die Arbeitsplätze und die Forderungen der Gläubiger zu sichern. Doch jetzt, da der Betrieb eingestellt ist, ist er verpflichtet, zu prüfen, ob die Manager Fehler oder gar Straftaten begangen hat, für die er sie haftbar machen kann. Man kennt das aus der Konkursverfahren der Drogeriekette Schlecker.

Investment-Gesellschaft soll sich "getäuscht" fühlen

Ob der Fall Alno ebenfalls vor einem Strafgericht endet, ist noch offen, aber nicht ausgeschlossen. Noch wahrscheinlicher ist ein Zivilverfahren, in dem der Insolvenzverwalter oder auch die bosnische Investorenfamilie Hastor Geld vom ehemaligen Management zurückfordert. Die Hastors waren 2016 bei Alno eingestiegen und steckten ein zwei- bis dreistellige Millionensumme in die Firma. Dieses Geld war an jenem Tag weg, als der Insolvenzverwalter Hörmann das Regiment in Pfullendorf im Auftrag des Amtsgerichts Hechingen übernahm.

Nach Medienberichten sieht sich die Investment-Gesellschaft Tahoe der Hastor-Familie vom Management "getäuscht". Ihr Vorwurf: Ehemalige Alno-Verantwortliche hätten sich mit dubiosen Verträgen persönlich bereichert. Auch die Gewerkschaft IG Metall spricht von "haarsträubenden Fehlern" des ehemaligen Managements. Am Ende könnte das Phänomen Alno-Pleite doch noch vor Gerichten entzaubert werden.

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