Insolvente Verlagsgruppe Österreichischer Industrieller hat Interesse an Weltbild

Ein Weltbild-Laden

(Foto: Marco Einfeldt)

Josef Taus war Jurastudent, Grubenarbeiter, Bankdirektor und Hotelier, Staatssekretär und sogar zweimal Kanzlerkandidat: Für die insolvente Verlagsgruppe Weltbild gibt es einen neuen potentiellen Käufer.

Von Stefan Mayr

Josef Taus hat in seinem langen Leben schon viele ungewöhnliche Projekte angepackt. Jetzt könnte der 81-jährige Österreicher der Retter der katholischen Verlagsgruppe Weltbild werden. "Man sollte versuchen, den Namen Weltbild zu erhalten", sagt der Gründer und Vorstand der Wiener Management Trust Holding (MTH AG). Taus bestätigt sein Interesse sowohl an dem insolventen Medienhandelshaus als auch an dessen Filialtochter Weltbild Plus mit ihren 220 Geschäften: "Wir sind durchaus interessiert und waren schon zweimal in Augsburg", sagt Taus. Verwaltung, Online-Handel und auch die Filialen würde er gerne zusammen mit "einem bedeutenden deutschen Unternehmen" übernehmen. Den Namen des Partners nennt er allerdings nicht.

Josef Taus gilt in Österreich als schillernde Figur. Es gibt quasi nichts, was der Bauernsohn aus dem niederösterreichischen Piesting noch nicht gemacht hat. Sein Jurastudium finanzierte er als Grubenarbeiter, er war Journalist, Bankdirektor und Hotelier, Staatssekretär und sogar zweimal Kanzlerkandidat. Der Sprung an die Spitze der Alpenrepublik misslang ihm in den 1970er-Jahren zwar gründlich, ansonsten brachte er aber so ziemlich alles, was er angefangen hat, mit Erfolg zu Ende. Er war Präsident des österreichischen Sparkassenverbandes, er war Bundesparteiobmann der Volkspartei, er war Chef des Verpackungskonzerns Constantia.

Taus stampfte 1989 seine eigene Firma aus dem Boden. Mit 56 Jahren - andere denken da bereits an den Vorruhestand - gründete er mit drei Partnern die MTH AG. Taus: "Wir waren ältere Herren und haben uns gesagt: Wir probieren noch mal was Neues." Heute macht die MTH-Gruppe mit 6000 Mitarbeitern pro Jahr etwa 800 Millionen Euro Umsatz. Sie begannen mit Industriebeteiligungen, inzwischen lautet das Geschäftsprinzip: Taus kauft marode Unternehmen, saniert sie und führt sie danach weiter, ohne sie wieder abzustoßen. Taus: "Ich bin kein Firmenhändler." Inzwischen hat er ein stattliches Sammelsurium angehäuft: MTH stellt Werkzeugmaschinen wie Park- und Zutrittssysteme her, entwickelt Software und macht auch Geschäfte mit Private Equity Fonds. Wichtiges Standbein ist der Handel mit mehr als 700 Filialen in Österreich und Deutschland.

In Deutschland machte Taus vor zwei Jahren Schlagzeilen. Im Jahr 2012 sicherte er sich aus der Insolvenzmasse der Drogeriekette Schlecker den Zugriff auf 109 Filialen der Tochter Ihr Platz. Davon übernahm er 40 Geschäfte und verleibte sie seiner Discounter-Kette Mäc Geiz ein. Mäc Geiz hat derzeit 250 Filialen vor allem in Ost- und Norddeutschland. Zudem betreibt Taus die Billig-Kette Pfennigpfeiffer, den Büroartikelanbieter Prago sowie die Buch- und Schreibwarenkette Libro. Auf den Fluren der Weltbild-Zentrale sprechen die Mitarbeiter vom "Billigheimer aus Österreich". Begeisterung klingt anders.

Neben MTH gilt auch der Holtzbrinck-Verlag als potenzieller Weltbild-Käufer. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz kommentiert beide Namen nicht, er strebt eine Entscheidung bis Mitte Mai an. Diesen Zeitplan erachtet Josef Taus allerdings als "viel zu schnell". Bei einem Kaufpreis von 50 bis 70 Millionen Euro (ohne Filialen) kann er sich kaum vorstellen, dass ein seriöser Investor sich so schnell entscheidet, ohne abzuwarten, wie das Geschäft nach der ersten Entlassungswelle Anfang April läuft. "Wir sind vielleicht zu routiniert oder ein bisschen zu alt, uns fehlt der jugendliche Überschwang", sagt Taus. "Deshalb sind wir auch nicht mehr im Rennen." Also doch kein Interesse mehr? Die Aussage darf getrost als Finte im Bieterpoker gewertet werden. Im nächsten Atemzug betont Taus: "Wenn Herr Geiwitz uns braucht, sind wir da."