Haushaltsstreit in USA Ökonomen diskutieren diese "verrückte Sache"

Was während der ersten Debatte über die Schuldengrenze im Sommer 2011 nur in abseitigen Geld-Blogs diskutiert wurde, erhält jetzt höchste Anerkennung. Der Ökonom Paul Krugman, so etwas wie Obamas oberster Wirtschaftsblogger, schrieb für die New York Times, außergewöhnliche Probleme erforderten ebensolche Lösungen: "Das ist zwar ein Trick - aber die Schuldengrenze ist selbst schon eine verrückte Sache." Paradoxerweise lege schließlich der Kongress dem Präsidenten mit der Schuldengrenze Fesseln an, zwinge ihn aber zugleich mit immer neuen Gesetzen zu zusätzlichen Ausgaben.

Auch die Nachrichtenagentur Bloomberg spricht sich in einem Kommentar für den Münztrick aus, genau wie der demokratische Abgeordnete Jerrold Nadler. Er sagte: "Es klingt albern, aber es ist absolut legal." Auf der Website des Weißen Hauses haben Anhänger der Albernheit eine Petition eingerichtet, doch dieses Schlupfloch im Interesse Amerikas zu nutzen. Mehr als tausend digitale Unterschriften sind gesammelt, bis zum 2. Februar müssen es 25.000 sein, das Limit, ab dem das Weiße Haus üblicherweise auf Petitionen antwortet. Unter dem Hashtag #mintthecoin läuft die Kampagne für die Münze (coin) auf Twitter. Matt O'Brian vom Magazin Atlantic twittert in Anlehnung an Obamas Wahlkampfslogan: "Yes. We. Coin."

Doch die Republikaner halten die Idee für Unsinn - und nicht nur sie. Die Herstellung der umstrittenen Münze wäre eine wörtliche, technisch korrekte Auslegung der Gesetzespassage - die allerdings völlig der ursprünglichen Intention des Textes widersprechen würde. Ein wenig vorbildlicher Umgang mit dem Recht. Gegner warnen auch vor Inflation - Billionenbeträge auf Zahlungsmitteln erinnern an die Weimarer Republik.

Ein Argument der Befürworter der Taktik: Die Regierung würde nicht übermäßig Geld in Umlauf bringen, sondern mit der Billion nur ohnehin geplante Ausgaben finanzieren. Warum aber nur eine Billon Dollar? Könnte Geithner nicht einfach 16 Billionen prägen lassen und alle US-Schulden tilgen? Nein, sagen die Verteidiger: Die Schulden seien eine strukturelle Frage, jetzt gehe es doch nur darum, die Ausgabensperre und das folgende Chaos zu verhindern. Dennoch bleibt zu befürchten, dass der Trick, wenn er denn zustande kommt, Schule machen könnte.

Bleibt die Frage, was denn diese rettende Münze schmücken soll. Spötter empfehlen: ein Porträt Ronald Reagans, der fleischgewordenen Kürzung von Staatsausgaben. Die Ironie dürfte manchen Republikaner fast so sehr provozieren wie eine Niederlage im Schuldenstreit.