Handykonzern in der Krise Nokia verliert fast eine Milliarde Euro

Der einstige Marktführer stürzt immer weiter ab: Das zweite Mal in Folge muss Nokia einen gigantischen Verlust hinnehmen. Vor allem auf dem Smartphone-Markt hat der Handyhersteller Probleme. Die Anleger reagieren dennoch positiv.

Der finnische Handykonzern Nokia hat im vergangenen Quartal erneut einen gigantischen Verlust eingefahren: Der Fehlbetrag erreichte 969 Millionen Euro, wie das Unternehmen mitteilte - und ist damit sogar noch höher als der gewaltige Verlust aus dem vorangegangenen Quartal (929 Milliarden Euro). Seit Jahresbeginn addierten sich die Verluste damit auf 3,3 Milliarden Euro.

Der Quartalsumsatz brach im Jahresvergleich um fast ein Fünftel auf 7,2 Milliarden Euro ein. Jedoch fiel der Verlust nicht ganz so schlimm aus, wie es Experten befürchtet hatten. Je Aktie ergibt sich ein Fehlbetrag von sieben Euro-Cent - Analysten hatten mit einem Verlust in Höhe von elf Cent gerechnet. Anleger reagierten positiv, Nokia-Aktien stiegen um neun Prozent.

Ein Grund für die nicht ganz so schlechte Entwicklung sei, dass der Netzwerkausrüster Nokia Siemens Networks einen Rekordgewinn eingefahren habe. Erstmals in seiner Unternehmensgeschichte hat es der Netzwerkbauer zu einem nennenswerten Quartalsgewinn gebracht. Im abgelaufenen Vierteljahr habe das operative Ergebnis 182 Millionen Euro betragen. Im Vorjahr war noch ein Verlust von 114 Millionen Euro zu Buche gestanden.

Insgesamt verkaufte Nokia 77 Millionen Mobiltelefone und damit mehr als im Vorquartal. Doch vor allem auf dem Markt für Smartphones läuft es schlecht: Der Absatz der Lumia-Smartphones von Nokia brach von vier auf 2,9 Millionen Geräte ein.

Der ehemals größte Handyhersteller der Welt hat in den vergangenen Jahren auf dem hart umkämpften Markt den Anschluss verloren. Gegen die Telefone von Apple und Samsung hatte Nokia nichts Vergleichbares im Sortiment. Zum Vergleich: Samsung verkauft mehr als 50 Millionen Smartphones pro Quartal, Apples iPhone kam noch auf etwa 26 Millionen Geräte - selbst als viele Fans schon auf die nächste Generation warteten.

Die Wende soll ein Bündnis mit Microsoft bringen. Nokia setzt auf die neuen Oberklassegeräte Lumia 820 and 920, die auf Windows 8 laufen und im November in die Läden kommen sollen. Analysten warnen jedoch vor übertriebenem Optimismus. "Die hohen Markterwartungen für das letzte Jahresviertel lassen außer Acht, dass die neuen Produkte erst mitten im Quartal in einen überwältigend wettbewerbsintensiven Markt ausgeliefert werden", sagte Geoff Blaber, Analyst bei CCS Insight.