Hamburg Dieser Vogel könnte die Elbvertiefung verhindern

Lachseeschwalben mögen sandige Küstenlandschaften und kleine Eidechsen

(Foto: Glen Fergus via Wikipedia.org)

Die Lachseeschwalbe ist ein seltener, angenehmer Zeitgenosse. Für die Elbvertiefung in Hamburg könnte sie jetzt aber zum Albtraum werden.

Von Angelika Slavik, Hamburg

Die Lachseeschwalbe ist, nach allem, was man so hört, ein durchaus zurückhaltendes Wesen. Sie lässt sich niemals in der Großstadt blicken. Sie quält niemanden mit ihrer Anwesenheit, ihrem Dreck oder hysterischem Gegurre, was sie, das muss man mal so deutlich sagen, wohltuend von der gemeinen Straßentaube unterscheidet. Nein, die Lachseeschwalbe ist ein elegantes Tier. Sie bevorzugt sandige Flussregionen (zum Leben) und knackige Eidechsen (zum Fressen). Es gäbe keinen Grund für einen Konflikt zwischen der Menschheit und der Lachseeschwalbe. Wäre da nicht: die Elbvertiefung.

Die Elbvertiefung ist das wichtigste Infrastrukturprojekt Hamburgs. Es sieht vor, die Fahrrinne, auf der die Schiffe in den Hamburger Hafen einlaufen, sowohl in der Tiefe als auch in der Breite zu erweitern. Denn die Containerreedereien setzen weltweit auf immer größere Schiffe , um ihre Kosten zu reduzieren. Schon Schiffe, die 8000 Standardcontainer transportieren können, werden "Megacarrier" genannt. Die weltweit größten Frachter transportieren allerdings mittlerweile bis zu 19 200 Container pro Ladung. Diese Schiffe haben wegen des höheren Gewichts auch mehr Tiefgang. Das Problem in Hamburg ist: Die Fahrrinne der Elbe ist für diese Schiffe schlicht nicht tief genug. Bislang können die Reedereien ihre Riesenfrachter also nur mit sehr viel Luft an Bord nach Hamburg schicken - oder sie steuern stattdessen einen anderen Hafen an. Den in Rotterdam zum Beispiel.

Dass der Hamburger Hafen infolge dieser Entwicklung bei den Reedereien in der Bedeutungslosigkeit verschwinden könnte, ist die größte Angst der Hafenwirtschaft und damit auch der Politik. Schließlich ist der Hafen der mit Abstand wichtigste Wirtschaftsfaktor in der Region. Nicht einmal die Hamburger Grünen, Koalitionspartner des sozialdemokratischen Bürgermeisters Olaf Scholz, sind noch gegen die Elbvertiefung. Nur Umweltorganisationen klagen gegen das Projekt. Das Verfahren beschäftigt das Bundesverwaltungsgericht. Bislang hatten die Umweltschützer argumentativ nicht viel auf ihrer Seite. Aber jetzt gibt es die Lachseeschwalbe.

Die Sache mit der Lachseeschwalbe haben allerdings nicht die Umweltschützer herausgefunden, sondern ausgerechnet die Gutachter, die von der Hamburger Hafenbehörde HPA engagiert wurden. Die sollten den Fisch- und Vogelbestand dokumentieren, der rund um die Elbe lebt, denn die Richter fanden die Planungsunterlagen von Bund und Stadt, gelinde gesagt, verbesserungswürdig. Die Lachseeschwalbe steht in Deutschland auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. In Mitteleuropa gebe es, so sagt der Gutachter Markus Risch, insgesamt nur noch 36 Brutpaare. 34 davon leben in Neufelderkoog an der Elbe. Dass die Vögel ausgerechnet dort überleben könnten, liege daran, dass sie sich an eine Kolonie einer verwandten Art angeschlossen habe, an Fluss-Seeschwalben. Die seien längst nicht so gefährdet, würden aber nach der Elbvertiefung an diesem Platz nicht mehr genug Nahrung finden. Sie werden dort verschwinden, sagt der Ornithologe Risch - und das bedeute auch das Ende für die Lachseeschwalbe. Die HPA bestreitet das.

Diese Einschätzung des Gutachters könnte für die Projektbefürworter Folgen haben. Denn die Lachseeschwalbe in Neufelderkoog ist nicht nur ein Problem für "Naturschutzromantiker", wie Risch das nennt. Die Verwaltungsrichter könnten es auch als Verstoß gegen die EU-Auflagen werten, wonach die Elbe nur ausgebaut werden kann, wenn sich die Situation für die Umwelt dadurch nicht verschlechtert. Gute Nachrichten für die Lachseeschwalbe. Und ein Albtraum für die Hamburger Hafenwirtschaft.

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