Greenpeace-Studie Wie Deutschland ohne Kohle auskäme

Braunkohlekraftwerk in Brandenburg: Bis 2030 soll der Kohleausstieg vollzogen sein, fordern die Grünen.

(Foto: Patrick Pleul/dpa)
  • Kürzlich zogen die Grünen ihren Plan für den Kohleausstieg um sechs Jahre vor: Bis 2030 soll die Kohle aus der deutschen Stromerzeugung komplett verschwinden.
  • In einem Gutachten heißt es, dass der Ausstieg binnen 14 Jahren ein ambitioniertes, jedoch realisierbares Energieszenario sei.
Von Michael Bauchmüller, Berlin

In dieser Woche war Donald Trump in seinem Energieministerium, er verkündete dort seine ganz persönliche Energiewende. "Wir haben für mehr als 250 Jahre saubere, schöne Kohle", sagte der US-Präsident. Die USA stünden an der Spitze einer "Energierevolution".

Wie anders klingt diese Revolution diesseits des Atlantiks, wo kürzlich die Grünen ihren Plan für den Kohleausstieg mal eben um sechs Jahre vorzogen. Bis 2030 soll die Kohle aus der deutschen Stromerzeugung komplett verschwinden, fordert die Partei nun in ihrem Programm für die Bundestagswahl. Null Kohle, null Atom, aber gleichzeitig immer mehr Strom für Elektroautos - das soll gehen?

Wie das gehen könnte, hat die Umweltorganisation Greenpeace untersuchen lassen, die Studie liegt der SZ vor. Experten des Thinktanks Energy Brainpool untersuchten dafür nicht nur die Auswirkungen auf den Strommarkt, sondern auch auf die Wärme - schließlich versorgen viele der knapp 150 Kohlekraftwerke im Land auch Industrie und Haushalte in ihrer Nachbarschaft. Dennoch sei der Ausstieg binnen 14 Jahren "ein ambitioniertes, jedoch realisierbares Energieszenario", heißt es in dem Gutachten.

Freilich unter einigen ambitionierten Randbedingungen. So soll Strom aus Wind und Sonne bis 2030 zusammen 80 Prozent der deutschen Stromversorgung übernehmen. Allein die Kapazität an Windrädern müsste sich dazu mehr als verdreifachen, die von Solarzellen fast verfünffachen. Angesichts des Wachstums der vergangenen Jahre allerdings ist das auch nicht völlig utopisch. Auch müssten viele neue Gaskraftwerke entstehen - und zwar ungefähr in dem Umfang, in dem Steinkohlekraftwerke vom Netz gehen. Zum einen können sie einen Teil jener Wärme erzeugen, die bisher aus Kohlekraft kam, zum anderen gelten Gaskraftwerke als flexibel: Sie könnten immer dann anspringen, wenn der Wind schlapp-macht oder die Sonne nicht scheint.

Ähnliches gilt für Elektroautos. Einerseits verschlingen sie zusätzlich Strom, andererseits sind sie willkommener Puffer - schließlich können sie den Strom speichern, wenn er im Überfluss und billig ist. Wird er knapp und teuer, speisen sie ins Stromnetz ein. "Eine intelligente Steuerung sorgt dafür, dass der Ladevorgang entsprechend wirtschaftlicher Aspekte erfolgt", unterstellt die Studie. Billiger allerdings wird der Strom durch all das nicht - da aber bleiben die Autoren vage.

Gewinner soll die Umwelt sein. Nirgends wird hierzulande so viel Kohlendioxid erzeugt wie in Kraftwerken, und darauf wieder entfallen 80 Prozent auf Braun- und Steinkohle. Allerdings waren auch Umweltgruppen bisher vorsichtig bei der Nennung früher Abschaltdaten. Erst im Januar hatte die Umweltstiftung WWF eine Studie vorgelegt, die den Ausstieg bis 2035 modellierte. Aber so lange will Greenpeace nicht warten und die Grünen wollen das offenbar auch nicht.

Während Trump von der Rolle rückwärts schwärmt, haben sie deshalb in einer Liste minutiös aufgeschrieben, wann welches Kraftwerk vom Netz geht. Bis 2020 schon sollten danach zwei von fünf Kohlekesseln endgültig erkalten. Und der Rest bis 2029.

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