Giftfreie Kleidung Greenpeace lobt Zara, H&M und Primark

  • Die Umweltorganisation Greenpeace lobt Kleiderkonzerne wie Zara, H&M und Primark, weil sie mittlerweile "sauberer" produzieren, also in der Herstellung weniger Chemikalien verwenden.
  • Einige Luxus-Marken wie Versace und Armani schneiden dagegen schlecht ab.
Von Pia Ratzesberger

Beim Wasserschutz gilt Zara als Vorreiter

Greenpeace lobt Primark. Das klingt erst einmal absurd. Schließlich übernimmt die Umweltorganisation normalerweise die Rolle des scharfen Kritikers und hat auch gute Gründe. Primark ist vor allem für seine extrem niedrigen Preise bekannt, die meist weit unter denen der Konkurrenz liegen - und die oftmals zu Lasten einer fairen Herstellung gehen. In der Vergangenheit stand Primark immer wieder wegen Produktionsbedingungen bei seinen Zulieferern in der Kritik, unter anderem ließ das Unternehmen seine Kleidung in einer Textilfabrik im bangladeschischen Savar herstellen. Als das Gebäude vor zwei Jahren einstürzte, kamen mehr als 1000 Menschen ums Leben.

Modetrends in Europa, Tote in Bangladesch

Die Frauen nähen wie Getriebene, sie werden beleidigt, sexuell belästigt, geschlagen. Die Textilproduktion für westliche Konzerne in Billiglohnländern fußt auf der Ausbeutung von Frauen. Wenn Menschen bei der Herstellung von Billigtextilien sterben wie jetzt in Bangladesch, ist der Aufschrei jedes Mal groß. Doch an der Situation ändert sich nichts. Karin Steinberger und Stefan Weber mehr ...

Doch in einem Punkt finden die Umwelt-NGO Greenpeace nun dennoch Worte der Wertschätzung. Firmen wie Primark, Mango und H&M würden mittlerweile "sauberer" produzieren, sie seien "Detox-Trendsetter", schreibt Greenpeace. Das heißt, dass die insgesamt 16 Firmen weniger giftige Chemikalien bei der Herstellung einsetzen und besonders bedenkliche Stoffe komplett vermeiden - wie etwa hormonell wirksame Alkylphenolethoxylate, Weichmacher und teils als krebserregend geltende per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC). Beim Wasserschutz sei ausgerechnet das Inditex-Unternehmen Zara Vorreiter. Die Kette habe bereits Abwasserdaten von etwa 100 Fabriken veröffentlicht.

Versace und Armani "nicht empfehlenswert"

Die großen Luxus-Marken allerdings stehen bis auf wenige Ausnahmen wie Burberry oder Valentino ziemlich schlecht da. Greenpeace verurteilt unter anderem Armani und Versace als "Detox-Schlusslichter", weil sie sich nicht einmal zu einer giftfreien Herstellung verpflichtet hätten. "Die angeblichen Edel-Marken scheren sich nicht um giftfreie Produktion. Doch gerade bei hohen Preisen muss Spielraum für saubere Produktion sein", heißt es auf der Seite von Greenpeace.

Das Portal Rank a Brand, das Mode auf Nachhaltigkeit prüft, stuft die beiden Marken schon seit langem als "nicht empfehlenswert" ein. Vor allem, weil beide nicht transparent über die Herstellung ihrer eigenen Produkte berichten und somit in den Kategorien Klimawandel und Umwelteinsatz nicht gut abschneiden. Teuer bedeutet nicht unbedingt besser.

Immerhin haben sich 30 Modemarken und Discounter wie Lidl und Penny auferlegt, bis zum Jahr 2020 keine einzige riskante Chemikalie mehr in ihrer Produktion zu verwenden. Das macht etwa 15 Prozent der globalen Textilproduktion aus. Warum das nicht reicht, zeigt sich zum Beispiel in den großen Städten Chinas: Dort sind Greenpeace zufolge bereits mehr als 60 Prozent der Trinkwasserreserven verschmutzt. Denn die Chemikalien, mit denen die Firmen unter anderem ihre Kleidung färben, verunreinigen Gewässer - und irgendwann auch das Trinkwasser.

Genau wie bei den niedrigen Löhnen und unzureichenden Sicherheitsvorkehrungen in den Nähfabriken leidet somit wieder eine ganz bestimmte Gruppe unter dem massiven Klamottenkonsum wie hier in Deutschland: die Menschen, die in den Herstellungsländern leben. Ein chemiekalienfreies T-Shirt ändert an den unfairen Produktionsbedingungen für die Näher jedenfalls wenig.