Geplanter Vertrag zwischen USA und EU Deutschland profitiert weniger vom Freihandelsabkommen als alle anderen

Weniger Beschränkungen, dafür mehr Wohlstand und Wachstum: Das erhoffen sich die EU-Staaten vom Freihandelsabkommen mit den USA. EU-Kommissionspräsident Barroso will gemeinsam mit US-Präsident Obama noch heute grünes Licht geben - doch laut einer Studie nutzt der Vertrag Deutschland weniger als den anderen.

Die Europäische Union und die USA beginnen Verhandlungen über die größte Freihandelszone der Welt. Es werde noch heute gemeinsam mit US-Präsident Barack Obama grünes Licht gegeben, sagte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso vor Beginn des G8-Gipfels am nordirischen Lough Erne.

Einer Studie zufolge profitiert Deutschland allerdings weniger als andere EU-Staaten vom geplanten Freihandelsabkommen, dem sogenannten "Transatlantic Trade and Investment Partnership" (TTIP). Durch den Wegfall von Zöllen und anderen Hemmnissen im Handel zwischen der EU und den USA erhöhe sich das reale Pro-Kopf-Einkommen in der Bundesrepublik langfristig um 4,7 Prozent, heißt es in der Untersuchung des Ifo-Instituts für die Bertelsmann-Stiftung.

Im europaweiten Schnitt wären es aber etwa fünf Prozent, wobei Großbritannien mit fast zehn Prozent den größten Vorteil hätte. In Großbritannien werden 400.000 zusätzliche Jobs erwartet. Zum Vergleich: Die deutsche Industrie erwartet lediglich 100.000 neue Arbeitsplätze.

Auch exportorientierte kleine Volkswirtschaften wie die baltischen Staaten oder die südeuropäischen Krisenstaaten würden überdurchschnittlich profitieren, heißt es in der Studie weiter. Größter Gewinner wären klar die USA, wo das Pro-Kopf-Einkommen um 13,4 Prozent und die Zahl der Beschäftigten um knapp 1,1 Millionen steigen dürften.

Der Gewinn der europäischen Länder geht laut der Bertelsmann-Studie jedoch auf Kosten der traditionellen Handelspartner der USA, aus denen dann weniger Waren und Dienstleistungen importiert werden dürften. Sowohl in Kanada (-9,5 Prozent) als auch in Mexiko (-7,2 Prozent) und in Japan (-6 Prozent) würde die weltgrößte Freihandelszone zu Verlusten beim Pro-Kopf-Einkommen führen. Weitere Verlierer wären die Entwicklungsländer, vor allem Afrika und Zentralasien. Die Studie analysiert die Folgen des Abkommens für 126 Staaten.

Anreiz für zukünftige Verhandlungen

"Ein transatlantisches Freihandelsabkommen wäre ein wichtiges Instrument für mehr Wachstum und Beschäftigung in Europa", sagte der Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung, Aart de Geus. "Gerade die krisengeschüttelten Südeuropäer würden davon überdurchschnittlich profitieren."

Allerdings sollten entstehende Wohlfahrtsgewinne für die EU und die USA auch Anreiz sein, sich in zukünftigen multilateralen Verhandlungen kompromissbereit gerade gegenüber den Verlierern des Abkommens zu zeigen. Auf diese Weise könnte das transatlantische Freihandelsabkommen auch der ins Stocken geratenen Doha-Entwicklungsrunde einen neuen Schub geben.

Die EU-Länder hatten am Freitag den Weg für Gespräche über ein Freihandelsabkommen mit den USA freigemacht. Die Handelsminister erteilten der EU-Kommission das Mandat dazu. Zuvor hatte sich vor allem Frankreich quergestellt und mit einem Veto gedroht. Letztendlich haben sich die Franzosen mit ihrer Forderung aber durchgesetzt: Audiovisuelle Dienstleistungen werden aus den Verhandlungen ausgeschlossen.