George Clooney Clooneys 700-Millionen-Dollar-Schnapsidee

  • George Clooney hat seine Tequila-Firma für 700 Millionen Dollar verkauft. Am Ende könnte der Deal sogar eine Milliarde Dollar einbringen.
  • Clooneys Geschäftspartner spinnt eine Männertraum-Geschichte um den Schnaps herum: Sie hätten ihn für sich selbst gewollt, nicht für den Großhandel.
  • Ob das stimmt, ist allerdings fraglich, denn die Tequila-Idee folgt einem typischen Hollywood-Muster.
Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Am Ende wird sich nicht zweifelsfrei klären lassen, ob sich diese wunderbare Geschichte tatsächlich genau so ereignet hat, wie die Protagonisten sie nun erzählen. Es lohnt dennoch, sie zu verbreiten, denn sie handelt von George Clooney, von Tequila, von einer Milliarde Dollar und davon, wie das manchmal eben so läuft im Leben. Vor allem aber enthält diese Geschichte einen dienlichen Hinweis für all jene, die unbedingt viel Geld verdienen wollen.

Clooney kann, das hat er im Film "From Dusk Till Dawn" eindrucksvoll bewiesen, Tequila in industriellen Mengen in sich hineinschütten. Als der Schauspieler vor ein paar Jahren ein Ferienhäuschen im mexikanischen Cabo San Lucas baute, verbrachte er viel Zeit mit seinem künftigen Nachbarn, dem amerikanischen Unternehmer Rande Gerber. "Wer in Mexiko ist, der trinkt nun mal Unmengen an Tequila", sagt Gerber nun. Genau das habe er mit Clooney getan - und irgendwann beschlossen, selbst eine Variante zu produzieren.

Natürlich beschließt jeder Mann im Laufe seines Lebens irgendwann mal, eine Bar zu eröffnen, sein eigenes Bier zu brauen oder im Keller Wein zu keltern. Um so eine Schnapsidee zu realisieren, hilft es freilich, wenn jemand als Schauspieler bereits mehrere Millionen Dollar verdient hat und dieser trinkfeste Nachbar in Mexiko ein erfolgreicher Barbetreiber ist (und Ehemann von Cindy Crawford, das aber nur nebenbei). Auch ist es praktisch, wenn sich das Zeug, das man herzustellen gedenkt, gerade ohnehin gut verkauft: Der Tequila-Absatz hat sich in den USA seit 2002 mehr als verdoppelt.

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Clooney und Gerber taten sich also mit dem Unternehmer Michael Meldman zusammen, sie fanden eine kleine Destille im mexikanischen Jalisco und experimentierten herum, bis sie den ihrer Meinung nach perfekten Tequila kreiert hatten: "Wir wollten ein Getränk haben, das wir den ganzen Tag oder die ganze Nacht lang genießen konnten, ohne am nächsten Tag verkatert aufzuwachen", sagt Gerber. Für sich, nicht für den Großhandel.

Doch genau das war das Problem. Irgendwann, so Gerber, habe sich der Betreiber der Destille gemeldet: "Jungs", soll er gesagt haben, "ich schicke euch seit zwei Jahren ungefähr 1000 Flaschen pro Jahr - entweder verkauft ihr das Zeug oder ihr trinkt viel zu viel. Auf jeden Fall können wir das nicht mehr als Testflaschen bezeichnen. Ihr müsst das lizenzieren."

Seit 2013 gibt es daher die Firma "Casamigos". Etwa zwei Millionen Flaschen verkauft das Unternehmen mittlerweile jährlich, zu einem Preis von 45 bis 55 Dollar. Clooney, offenbar überwältigt von dem Erfolg des Tequilas, will sogar seiner Frau bei der Geburt ihrer Zwillingskinder vor zwei Wochen vorgeschlagen haben, sie "Casa" und "Amigo" zu nennen. "Meine Frau Amal hat jedoch von ihrem Vetorecht Gebrauch gemacht", sagt Clooney. Die Kinder heißen nun Ella und Alexander.

Vier Jahre nach der Gründung haben Clooney, Gerber und Meldman ihre Firma nun an den britischen Konzern Diageo verkauft. Der Kaufpreis liegt bei 700 Millionen Dollar, abhängig vom Umsatz in den kommenden zehn Jahren könnten aber noch einmal bis zu 300 Millionen Dollar hinzukommen. Eine Schnapsidee also, die ihnen bis zu einer Milliarde Dollar einbringen könnte.

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Dass Berühmtheiten ihren Reichtum noch mit Zusatzgeschäften steigern wollen, ist wahrlich nicht neu. Es gibt Leute in Hollywood, die machen den ganzen Tag nichts anderes, als nach Geschäftsideen für Promis zu suchen. Meist kommt dabei eine Klamottenlinie mit textilen Offenbarungseiden heraus, gerne auch ein unanständig teures Restaurant in Beverly Hills. Gar nicht mal so selten entsteht eine Firma, die Alkohol produziert: Der Countrysänger Kenny Chesney vertreibt den Rum "Blue Chair Bay", der Rapper Sean Combs für Diageo die Wodka-Marke Ciroc in den Vereinigten Staaten. Und die Hanson-Brüder schenken bei ihren Rockkonzerten das selbst gebraute Bier "MMMhops" aus.

Klingt nach einem ähnlichen Muster. Und auch, wenn Gerber fest behauptet, mit dem Tequila ursprünglich kein Geld verdienen zu wollen und einfach nur selbst guten Schnaps zu trinken, bleibt die Moral die gleiche: Wer nur nach einer Möglichkeit sucht, möglichst viel Geld zu verdienen, der wird nicht unbedingt reich damit. Wer aber ein Produkt seiner selbst wegen herstellt und dann noch ein bisschen Glück und die richtigen Kontakte hat, den überrascht der Erfolg vielleicht ganz nebenbei. Eine andere Lesart dieser Geschichte ist eine Mischung aus Matthäus-Evangelium und bayerischem Sprichwort: Der Teufel legt seine Fäkalien auf dem ohnehin schon größten Haufen ab.

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