Genmanipulierter Weizen US-Farmer verklagt Monsanto

Gentechnisch manipulierter Weizen ist auch in den USA höchstens zu Testzwecken erlaubt. Doch wie kommt dann nicht zugelassenes Getreide aus den Monsanto-Laboren im US-Bundesstaat Missouri auf ein knapp 1500 Meilen entferntes Feld in Oregon? Ein Landwirt verlangt jetzt Schadenersatz - andere Farmer könnten folgen.

Von Silvia Liebrich

Der Fund einer verbotenen genmanipulierten Weizensorte könnte für den amerikanischen Agrarkonzern Monsanto teuer werden. Ein Landwirt will das Unternehmen auf mindestens 100.000 Dollar Schadenersatz verklagen. Seine Rechtsanwälte rechnen damit, dass sich der Klage weitere Farmer anschließen werden. Eine Sammelklage sei nicht ausgeschlossen, hieß es am Mittwoch.

Für den größten Agrarkonzern der Welt kann das zum Problem werden. In einem Verfahren dürften auch die Geschäftspraktiken von Monsanto zum Thema werden. Kaum ein Unternehmen treibt die umstrittene Gentechnik in der Landwirtschaft so aggressiv voran. Dagegen wehren sich inzwischen immer mehr Erzeuger. So verlangen unter anderem Farmer in Südamerika Schadenersatz, weil genmanipuliertes Soja nicht die versprochenen höheren Erträge bringt. Kleinbauern in Indien protestieren gegen teures Saatgut, das viele in eine fatale Abhängigkeit von der Agrarindustrie getrieben hat. Doch selbst auf dem Heimatmarkt in den USA wächst die Kritik.

Für die amerikanischen Farmer hat der Fall bereits erste Konsequenzen. Japan und Südkorea wiesen nach Bekanntwerden einen Teil der Weizenimporte aus den USA zurück. Die Erzeuger befürchten Einbußen, sollten sich noch mehr Länder einem Importstopp anschließen. Die Europäische Union kündigte unterdessen an, sie werde Weizenimporte aus den USA noch gründlicher testen als ohnehin schon.

Genmanipulierte Pflanzen unerwünscht - trotz Lobbyarbeit von Monsanto

Bislang gebe es jedoch keine Hinweise, dass verunreinigter Weizen auf den europäischen Markt gelangt sei, hieß es in Brüssel. Die Affäre belastet auch den Aktienkurs von Monsanto. Binnen einer Woche fiel die Notierung um vier Prozent.

Der amerikanische Agrarkonzern steht wie kein anderer für eine hoch industrialisierte Landwirtschaft. Nicht überall wird das gern gesehen. Auf europäischen Äckern sind genmanipulierte Pflanzen nicht willkommen. Daran hat auch Monsantos millionenschwere Lobbyarbeit in den vergangenen Jahren wenig geändert.

Doch auch in den USA, wo Gentechnik und Monokulturen eher der Standard als die Ausnahme sind, gerät das Unternehmen nun in Erklärungsnot. Es muss sich die unangenehme Frage stellen lassen, wie das nicht zugelassen Getreide aus den Monsanto-Laboren in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri auf ein knapp 1500 Meilen entferntes Feld in Oregon gekommen ist - fast zehn Jahre, nachdem der Konzern offiziell die Entwicklung dieser Sorte eingestellt hat. Ein mysteriöser Vorgang. Hightech-Saatgut vermehrt sich nicht einfach so in der freien Natur. Hinzu kommt, dass der kommerzielle Anbau von Gentech-Weizen in den USA verboten und nur zu Testzwecken erlaubt ist.

Dass der Weizen überhaupt entdeckt wurde, dürfte wohl Zufall sein. Einem Landwirt im Osten Oregons war aufgefallen, dass ein Teil des Weizens, den er mit dem Spritzmittel Roundup Ready - auch ein Monsanto-Produkt - behandelt hatte, nicht auf den Stoff reagierte. Roundup Ready enthält Glyphosat, eines der weltweit am häufigsten eingesetzten Pflanzengifte, das zum Vernichten von Unkraut, aber auch zum Abreifen von Getreide eingesetzt wird. Es stellte sich heraus, dass die überlebenden Pflanzen gegen das Mittel resistent waren, ein Ergebnis der Genmanipulation.

Beim Weizenanbau spielt Gentechnik bisher kaum eine Rolle

Bei Monsanto kann man sich das Auftauchen der verbotenen Weizensorte nicht erklären. Die Entwicklung sei bereits 2004 eingestellt worden. Zuvor habe es Feldversuche in 17 US-Staaten gegeben. Inzwischen sei das Forschungsmaterial vernichtet worden, teilte die Firma mit. Monsanto sei sich keiner Schuld bewusst. Wie der Weizen nach Oregon gelangt ist, untersucht nun das US-Landwirtschaftsministerium.

Anders als bei Mais oder Soja spielt Gentechnik beim Weizenanbau bislang kaum eine Rolle. Versuche, das Getreide mit Hilfe dieser Technik ertragreicher und robuster zu machen, trugen bisher wenig Früchte. Das dürfte auch der Grund sein, warum Monsanto und andere Agrarkonzerne wenig Energie daransetzen, für genmanipulierte Weizensorten eine Zulassung zu bekommen. Das große Geld verdienen sie mit anderen Pflanzen. 2012 waren 88 Prozent des in den USA angebauten Mais und 94 Prozent der Sojabohnen genmanipuliert, wie das US-Landwirtschaftsministerium diese Woche mitteilte. Daneben werden auch Baumwolle, Zuckerrüben und Raps gentechnisch verändert.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels haben wir gemeldet, dass der direkt betroffene Farmer aus Oregon die Klage gegen Monsanto anstrebt. Das ist nicht korrekt. Richtig ist, dass ein Landwirt aus Kansas wegen Umsatzeinbußen aufgrund des Weizenpreisverfalls diese Klage eingereicht hat.