Geldanlage Riesenrendite für Investments in Holz? Vorsicht!

Wer bei einem Holz-Investment-Anbieter anlegt, sollte sich des Risikos bewusst sein. In zwanzig Jahren kann viel passieren.

(Foto: dpa)

Schädlinge und Naturkatastrophen lassen sich nicht vorhersagen. Worauf Anleger achten sollten.

Von Jan Willmroth

Das klingt gut: "Schatzkammern des Lebens", so bezeichnet der WWF die Wälder der Erde. Sie regulieren das Klima, schreibt die Umweltschutzorganisation, beherbergen unzählige Tier- und Pflanzenarten und sind Lebensgrundlage für Millionen Menschen. Aber die Wälder verschwinden auch: Durchschnittlich nimmt die Waldfläche laut WWF um 35 Fußballfelder pro Minute ab. Zugleich wächst die Weltbevölkerung. Man muss kein Genie sein, um anzunehmen, tropische Wälder und Hölzer würden wertvoller.

Die Leserfrage Alternative Holz-Investments werben mit hohen Renditen. Wie riskant sind die Angebote? sz-finanzen@sueddeutsche.de

Auf dieser Überlegung beruht das Geschäft der Handvoll Anbieter von Holz-Investments. Ein Internetnutzer, der sich auch nur annähernd für Geldanlage-Themen interessiert, wird sie nach kurzer Zeit zu sehen bekommen: Google-Werbeanzeigen, in denen Investments in Aufforstungsprojekte, Teakholz- oder andere Tropenplantagen angepriesen werden. Die Anbieter versprechen bis zu 12 Prozent Rendite. Damit ist ihnen schon einmal die nötige Aufmerksamkeit sicher, solange die Zinsen so niedrig sind.

Viel Geduld wird mit hohen Renditen belohnt

Die Welternährungsorganisation FAO rechnet damit, dass der Holzverbrauch weltweit bis 2050 um fast die Hälfte steigen wird. Finanzdienstleister machen daraus eine Geschichte, die sich verfängt: Sie verkaufen Waldparzellen, sogenannte Baumsparpläne, stille Beteiligungen und sogar größere Waldstücke. Wobei Wald das falsche Wort ist, bei den meisten Angeboten handelt es sich um Monokulturen, die auf einst gerodeten Regenwaldflächen entstehen. Es handelt sich also um Plantagen, nicht um Wald. Begriffe wie Aufforstung, Natur- oder Klimaschutz klingen dabei überzeugend. Der Anleger muss zwar viel Geduld mitbringen, wird dafür aber mit einer extremen Rendite belohnt und verbessert die Welt gleich mit. Allein, das geht einher mit einem nicht zu unterschätzenden Risiko.

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Privatanleger haben die Wahl zwischen dem Kauf einer bewirtschafteten Parzelle, einem Pachtvertrag, einem Termingeschäft auf eine Holzlieferung oder der Teilhabe an einem geschlossenen Fonds. Zum Beispiel: Ein Kunde schließt einen Vertrag mit einem Anbieter in Deutschland über ein Stück Teakholzplantage, auf dem neue Bäume gepflanzt werden. Nach einer fest vereinbarten Dauer werden die Bäume geerntet und das Holz verkauft. Der Anleger profitiert vom Verkaufserlös. Ihre Renditeversprechen geben die Anbieter mit Blick auf den in den vergangenen 30 Jahren relativ stabilen und ertragreichen Holzmarkt. Aber bleibt er das auch?

Schädlinge oder Naturkatastrophen lassen sich nicht kalkulieren

Profis mahnen zur Vorsicht. "Diese Form der Anlage ist nur für Anleger geeignet, die sich des Risikos bewusst sind. Alle anderen sollten eher die Finger davon lassen", sagt Stephan Witt, Kapitalmarktstratege beim Vermögensverwalter Finum Private Finance. Wer bei einem der Holz-Investment-Anbieter anlegt, investiert damit vor allem auch Vertrauen. In zwanzig Jahren kann viel passieren. Schädlinge oder Naturkatastrophen können Bäume vernichten. Ein paar Diebstähle reichen, und die Bäume sind weg. Waldflächen können nach einem Umsturz schnurstracks beschlagnahmt werden, Rebellen könnten die Plantagen besetzen.

Außerdem hat kaum ein Anbieter Produkte, die sich bereits in der Auszahlungsphase befinden. Erfahrungswerte gibt es also kaum. Wer einen Teil seines Vermögens in Wald oder Forstplantagen auf der Südhalbkugel investieren will, sollte sich das also gut überlegen. Und muss sich erst einmal trauen, eine fünfstellige Summe für 20 Jahre oder mehr herzugeben.