Fußball-EM Panini-Album: Podolski dabei, Gomez nicht

20 Spieler sind pro Team im Aufgebot. Ein volles Heft kann teuer werden.

(Foto: dpa)
  • Panini hat den Kader für sein Sammelbildchen-Heft zur EM 2016 in Frankreich bekannt gegeben. Im deutschen Team gibt es einige Überraschungen.
  • Das Geschäft mit den Stickern lohnt sich. Allein im März will Panini bis zu acht Millionen Tüten produzieren. Das Heft voll zu bekommen ist aber teuer.
Von Jan Schmidbauer

Gut 80 Millionen Bundestrainer sollen nach mehr oder weniger seriösen Schätzungen in Deutschland leben. Viele von ihnen haben eine sehr genaue Vorstellung davon, wer im Juni zur Fußball-Europameisterschaft mitfahren soll und wer nicht. Der allererste Kader für die EM in Frankreich steht nun - und der Entwurf kommt von Italienern.

Der Sammelbild-Hersteller Panini hat heute bekannt gegeben, welche Spieler im Kader für das berühmte Stickerheft stehen, das in der kommenden Woche herauskommt. Mit dabei sind einige Überraschungen. Der Dortmunder Verteidiger Matthias Ginter wird nach Ansicht von Panini bei der EM auflaufen, genau wie der ehemalige Kölner Stürmer Lukas Podolski. Und auch Mittelfeldspieler Max Kruse, eigentlich ein Wackelkandidat, ist nach Ansicht des italienischen Verlages gesetzt. Karim Bellarabi und der langjährige DFB-Mittelstürmer Mario Gomez bekommen dagegen keinen der 20 Plätze im deutschen Sticker-Kader. Shkodran Mustafi, immerhin Weltmeister, kann, wenn es nach Panini geht, ebenfalls einen langen Sommerurlaub machen. Im Tor steht wenig überraschend Bayern-Keeper Manuel Neuer. Zum Star der Nationalelf macht Panini ebenfalls einen Münchner: Thomas Müller.

Diese deutschen Spieler haben es in den Panini-Kader geschafft Manuel Neuer, Marc-André ter Stegen, Jérôme Boateng, Mats Hummels, Matthias Ginter, Jonas Hector, Eric Durm, Sami Khedira, Toni Kroos, Bastian Schweinsteiger, Ilkay Gündogan, Christoph Kramer, André Schürrle, Julian Draxler, Mesut Özil, Marco Reus, Mario Götze, Lukas Podolski, Max Kruse, Thomas Müller.

Geringe Fehlerquote

Bundestrainer Jogi Löw ist selbstverständlich nicht an die Weisungen von Panini gebunden. Und doch ist es nicht unwahrscheinlich, dass ein Großteil der Spieler später auch im offiziellen Kader für die EM stehen wird. Die Fehlerquote der Panini-Redaktion soll nur zwischen 10 und 15 Prozent liegen. Das liegt wohl auch daran, dass der Klebebild-Hersteller über mehrere Jahre auf die Nominierung hinarbeitet. "Unsere Vorbereitungen für Frankreich fingen mit dem Abpfiff des Finales der Euro 2012 an", sagt Fabrizio Melegari, der die Redaktion für die Sammelalben leitet.

Mit dem Beginn der Qualifikation beobachten die Panini-Leute, welche Teams es zum Turnier schaffen könnten und welche Spieler sich in den Mannschaften besonders hervortun. Die berühmten Portraitfotos besorgen die Italiener ein Jahr vor Turnierbeginn. Fotografen gehen in die Stadien, andere Bilder werden von den Verbänden angefordert. "Im Januar beginnt dann die heiße Phase", sagt eine Unternehmenssprecherin: Panini entscheidet, welche Spieler als Sticker in die bunten Tüten verpackt werden sollen.

Für Panini ist die Aufstockung des Teilnehmerfeldes von 16 auf 24 Mannschaften eine glückliche Fügung. Denn mehr Bilder bedeuten auch: mehr Umsatz. 680 leere Felder können die Sammler in diesem Jahr bekleben. Zwischen sieben und acht Millionen Tüten sollen allein im März produziert werden. Jede Tüte, in der jeweils fünf Sticker stecken, kostet 70 Cent. Theoretisch müsste ein Sammler also 95 Euro ausgeben, um das Heft voll zu bekommen.

Ein volles Heft kann ein Vermögen kosten

Aber so einfach ist es nicht. Zwar weist Panini Vorwürfe von Sammlern zurück, dass manche Spieler seltener in der Tüte stecken als andere. Dennoch würde es wohl ein kleines Vermögen kosten, das Heft durch bloßes Kaufen der Sticker-Tüten voll zu bekommen. Dass Sammler Hunderte Tüten kaufen und dabei keinen Spieler doppelt im Depot haben, ist nahezu ausgeschlossen. Jeder Sammler kennt das frustrierende Erlebnis, wenn beim Öffnen der Tüte der vierte Arjen Robben herausspringt.

Zwar lassen sich bei Panini auch einzelne Bilder nachbestellen. Doch das Kontingent begrenzt die Firma auf 50 Sticker pro Kunde. So verhindert Panini, dass Sammler den kompletten EM-Kader einfach bestellen. Zwei Mathematiker rechneten zur WM 2014 in Brasilien aus, dass ein volles Sticker-Heft für das Turnier knapp 560 Euro gekostet hätte. Sammler versuchen deshalb, ihre Bilder zu tauschen: auf Schulhöfen oder in Tauschbörsen.

So sind in der Welt der Sticker durchaus ungewöhnliche Transfers möglich. Warum nicht Cristiano Ronaldo für einen österreichischen Innenverteidiger hergeben, wenn der noch im Album fehlt. Ohnehin ist nicht gesagt, dass die Großverdiener der Top-Vereine auch die Favoriten der Panini-Sammler sind. Die Beliebtheit der Spieler hing in Vergangenheit auch von anderen Kriterien ab. Besonders beliebt war beispielsweise der Kolumbianer Carlos Valderrama. Zweifellos war der Südamerikaner ein begnadeter Fußballer. Viele Sammler beeindruckte er aber mit seiner Haarpracht, die Fußball-Kommentator Belá Rethy einmal dazu verleitete, ihn mit einer Klobürste zu vergleichen.

Der Kolumbianer Carlos Valderrama bei der WM 1998 in Frankreich.

(Foto: AFP)