Heulen und Zähneklappern: Die Koalitionäre müssen Abstand von ihrer bisherigen Realitätsbetrachtung nehmen - Steuersenkungen sind einfach unrealistisch.
Stellt man sich die nächsten Tage und Wochen als psychologischen Erkenntnisprozess für Regierende und Wahlvolk vor, so hat an diesem Mittwoch Phase eins begonnen: die ehrliche Bestandsaufnahme. Das Frühjahrsgutachten, das die führenden Konjunkturforscher vorlegen, leistet wertvolle Dienste. Die schwarz-gelbe Koalition kann sich nämlich anhand der wissenschaftlichen Expertise davon überzeugen, ob die Welt tatsächlich so ist, wie von ihr beschrieben. Und die Bürger können entscheiden, ob sie der Einschätzung des Regierungsbündnisses tatsächlich glauben möchten.
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Erholung in Zeitlupe - das Frühjahrsgutachten im Detail. Bitte klicken. (© SZ-Graphik)
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So viel ist klar, es ist keine Hiobsbotschaft, was die Ökonomen an Daten und Schlussfolgerungen zusammengetragen haben. So zeigt sich der Arbeitsmarkt weiterhin bemerkenswert robust, und auch die Preise steigen nur äußerst moderat. Die Wachstumserwartungen der Ökonomen bleiben vorerst nur wenig hinter denen der Bundesregierung zurück. Nach einem schwachen Start ins Jahr zieht die Wirtschaft wieder an. Antreiber der Entwicklung ist wie eh und je der Export. Trotz Automobil- und Chemiekrise, noch immer finden deutsche Produkte im Ausland ihre Abnehmer.
Und trotzdem werden die Annahmen der Wachstumsforscher in Phase zwei des Erkenntnisprozesses zum Heulen und Zähneklappern führen. Denn je näher die Steuerschätzung rückt, je kürzer die Zeit bis zu den Wahlen in Nordrhein-Westfalen und bis zur Vorlage des Bundeshaushalts für das kommende Jahr, desto stärker müssen die Koalitionäre Abstand von ihrer bisherigen Betrachtung der Realität nehmen und zu der Erkenntnis kommen: Es ist anders als gehofft. Statt Steuern zu senken und Wohltaten zu verteilen, werden Union und Liberale vor allem sparen müssen.
Am schwierigsten wird der Erkenntnisprozess für die FDP. Für sie wird die Phase zwei am härtesten, in der sie ihre Vorstellungen der Wirklichkeit anpassen muss. Denn die Liberalen sind in der Koalition am weitesten davon entfernt. Die erste zaghafte Aufweichung ihres steuerpolitischen Konzeptes wird allerdings nicht ausreichen. Darin überwiegt noch immer die Illusion, und die Realität fristet ein Randdasein.
Wenn die Liberalen ihre Einstellung nicht ändern, wird der Mai für die ohnehin von Krisen geschüttelte Koalition zum schlimmsten Monat ihres kurzen Bestehens werden. Denn nach der Wahl in Nordrhein-Westfalen bleiben der Bundesregierung gerade mal drei Wochen, um das härteste Konsolidierungsprogramm in der Geschichte der Bundesrepublik zu verabschieden. Innerhalb von 21 Tagen muss ein Sparpaket stehen, mit dem die Neuverschuldung innerhalb von drei Jahren wieder unter drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes gedrückt werden kann. Spätestens Anfang Juni muss der Defizitsünder Deutschland den Partnern in Europa haarklein darlegen, wie er 2013 mit 30 Milliarden Euro weniger auskommen will als derzeit. Angesichts der Griechenland-Krise dürfte klar sein, dass sich die Bundesrepublik diesen Anforderungen nicht verweigern kann, will sie den Euro nicht weiter unter Druck bringen.
Auf ein Konjunkturwunder sollte bei der Bewältigung dieser Aufgabe niemand setzen, so jedenfalls sehen es die Wachstumsforscher. Denn hier unterscheiden sich die Annahmen der Institute deutlich von denen der Regierung. Sie sehen längerfristig nur ein Wachstum von etwa eineinhalb Prozent, während die Regierung von zwei Prozent ausgeht. Das hört sich nach wenig an, macht aber für eine Volkswirtschaft wie die Bundesrepublik einen gewaltigen Unterschied, auch bei den Steuereinnahmen.
Die Koalition wird nach Ende des Erkenntnisprozesses nicht mehr über die Frage sprechen, ob die Steuern um 16oder nur um zehn Milliarden Euro gesenkt werden können. Sie wird vielmehr darüber beraten, wie sie die Einsparungen bewältigen kann, ohne die Steuern und die Lohnnebenkosten deutlich anzuheben. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) weiß das. Er sollte nicht mehr lange damit warten, die FDP und auch seine Kabinettskollegen bei dem Erkenntnisprozess zu unterstützen.
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(SZ vom 15.04.2010/mel)
Putin und Hollande streiten um Intervention in Syrien
1. duerfte der Anstieg des Exportes auch dem Schwaecheln des EURO geschuldet sein
2. ist der Arbeitsmarkt so schoen stabil, weil die Loehne so niedrig sind
"Du erzählst hier von den Spenden an die FDP. Aber die riesenhaften Spender an rot-grün in den letzen 11 Jahren scheinst Du zu vergessen. "
Nein, aber wenn Sie sich mal die Mühe machen und dazu konkrete Zahlen ansehen, werden Sie merken: Der Spendenanteil der Grünen ist eher gering. cdu, csu und fdp kommen übrigens zusammen auf über 50 Mio. Euro, SPD und Grüne auf keine 20 Mio. Die fdp erhält ca. dreimal(!) soviel Spenden wie die Grünen (Quelle: wikipedia Parteispenden)
Aber Sie dürfen natürlich gerne weiter an den Weihnachtsmann glauben :o))
Gruß Balldieb
"Auch wenn die Steuersenkungen nicht funktionieren. Wichtiger ist, dass der Markt etwas aufgelockert wird. Mit diesem gnadenlosen Knebeln von rot-grün und Gewerkschaften macht man keinem der Marktbeteiligten einen Gefallen. Auf lange Sicht auch nicht den Arbeitnehmern. "
Wie sieht denn diese "Marktauflockerung" aus? Welche "gnadenlose Knebel" meinen Sie denn? Und prekäre Beschäftigungsverhältnisse finden Sie also "auf lange Sicht" gut für Arbeitnehmer? Na Danke...
Gruß Balldieb
Der Euro wird so oder so unter Druck kommen; allein die Deutsche Staatsverschuldung (das Defizit wird ja nur auf der Verschuldung des Bundes berechnet, sprich um die 950 Milliarden statt knapp 2 Billionen) ist derart hoch, dass ohne Abwertung des Euros nichts mehr geht. Ähnlich sieht es in Frankreich aus, noch schlimmer in Italien.
Eine Steuerreform ist zwar dringend notwendig, muss aber finanziert werden können (beispielsweise können Firmen infolge Steuervorteile ins Land geholt werden, Arbeitsplätze und Vermögen werden geschaffen, etc.). Und da beisst sich die Katze halt in den Schwanz, wie will man etwas vorfinanzieren, wenn man derart verschuldet ist?
Des weitern ist halt viel auch eine Mentalitätsfrage, die auf gegenseitigem Vertrauen / oder Misstrauen beruht: Führt der Staat eine Sondersteuer ein (weil er das Geld braucht), dann besteht die Gefahr, dass die Steuer bestehen bleibt, wenn er das Geld nicht mehr braucht. Oder die Mentalität, dass wenn man 100 Euro in die Krankenkasse einzahlt, meint, dass man für 100 Euro krank sein darf, am besten noch für 101 Euro, dann hat man nämlich profitiert.
Deutschlands Staatsfinanzen in den Griff zu kriegen ist eigentlich keine grosse Sache. Tut halt vielen weh (gerade der sozialen Wohlfahrt), aber längerfristig bleibt nichts anderes übrig.
Im übrigen wäre es an der Zeit, dass die Regierung Merkel und Co auch Zeichen setzen. Kleines Beispiel in Sachen Klimakonferenz oder Atomgipfel. Die Schweizer Vertreter reisen mit der Bahn oder im Linienflug an, während eine Merkel für sich gleich eine ganze A320 bucht; die Schweizer werden vom Botschaftspersonal vor Ort betreut, während bei Merkel eine Horde aus ihrem Ministerium mitfliegt. Schweizer Bundesräte kann man durchaus in der Bahn antreffen, ohne Bodyguards etc (Fahrtkosten pro Jahr ca. 3200 Euro), während Deutschlands Minister mit gepanzerten 8-und 12-Zylindern unterwegs sind (kosten pro Monat mehrere 10'000 Euro). Und: In der Schweiz gibt es 7 Minister, in Deutschland 16. Dabei dürfte der Regierungsaufwand in beiden Staaten so ziemlich gleich gross sein.
Und wo soll man beim Sparen anfangen? Genau erraten. Die 30 Milliarden sind relativ einfach einzusparen. Und wenn man die Diäten der Bundestagsabgeordneten als Boni betrachtet.... Bei schlechter Arbeit gibt's nichts. Was meint ihr, wie schnell die Staatsfinanzen im Lot sind?
@ WolfgangHerold
Du erzählst hier von den Spenden an die FDP. Aber die riesenhaften Spender an rot-grün in den letzen 11 Jahren scheinst Du zu vergessen.
Abgesehen mal davon, ist mir die Unterstützung der Hotelerie viel lieber, also eine sehr gut funktionierende Branche, die auch neu investiert und einstellt als eine Totgeburt wie es die Photovoltaik ist, die seit Jahren subventioniert wird, ein Fass ohne Boden. Kein Mensch weiß ob diese Branche jemals ohne Subventionen überleben kann. Jahr für Jahr so viel Geld, nur damit die rot-grünen Pappnasen ihre Ideale ausleben können. Außerdem ist sie für den Michl zu teuer. Mir gefällt es auch nicht, wenn Millionen Autos über den Verkaufsthresen auf meine Kosten gehen noch dazu wenn sie keine neuen oder mehr-Umsätze bedeuten sondern nur Umsätze vorwegnehmen.
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