Schuldenkrise Griechenland spart sich auf Schwellenland-Niveau herunter

Auf einer Stufe mit Peru und Vietnam: Der Sparzwang der Griechen lässt ihre Wirtschaft zusammenbrechen. Die Wirtschaftsleistung sinkt einer neuen Berechnung zufolge auf das Niveau von Entwicklungsländern. Gute Nachrichten erreichen Athen dagegen aus Brüssel.

Der harte Sparkurs, den sich Griechenland auf Druck der Euro-Partner verordnet hat, reißt die Wirtschaft des Landes stärker in den Abgrund als bislang befürchtet. Nach aktuellen Berechnungen, die das Ifo-Institut für die Financial Times Deutschland angestellt hat, dürfte die Wirtschaftsleistung auf das Niveau mancher Schwellen- und Entwicklungsländer absinken. Demnach könnten selbst Peru und Vietnam die Griechen in diesem Jahr überholen.

Wenn die griechische Wirtschaft um mehr als zwei Prozent schrumpft, würden in der Rangliste andere Länder vorbeiziehen, in deren Nähe sich der Euro-Staat noch vor wenigen Monaten ökonomisch nicht gesehen hätte. "Sollte wirklich eine dramatische Rezession von minus acht Prozent eintreten, dann könnten auch Bangladesch und Chile vorbeiziehen", sagte Steffen Elstner, Forscher am Ifo-Institut. Grundlage der Berechnungen ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gewichtet nach Kaufkraft. 2009 lag Griechenland noch auf Platz 35 dieser Rangliste, 2011 nur noch auf Platz 40.

Der dramatische Abschwung der Wirtschaft in Griechenland ist die Folge der harten Einsparungen, welche die Regierung wegen der Schuldenkrise vornehmen muss. Sie saniert so zwar weiter den Haushalt, doch die Wirtschaft stürzt weiter ab.

Gesamtverschuldung sinkt stärker als erwartet

Etwas Mut machen dürfte den Griechen hingegen die jüngste Analyse der sogenannten Troika aus Euro-Gruppe, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds (IWF). Demnach sinkt die Gesamtverschuldung des Landes bis 2020 stärker als erwartet. Die Experten rechnen mit einer Quote von 117 Prozent der Wirtschaftsleistung. Damit wäre das Ziel des Schuldenschnitts privater Gläubiger von 120,5 Prozent übertroffen worden. Der bringt den Griechen mehr als 100 Milliarden Euro.

In einer gigantischen Umtauschaktion haben die Schuldner Anleihen im Wert von knapp 180 Milliarden Euro zurückgegeben. Damit verzichten sie auf 53,5 Prozent ihrer Forderungen. Für den Rest des ursprünglichen Wertes erhalten sie neue Papiere mit längerer Laufzeit und Geld aus dem Rettungsschirm EFSF. Allerdings mussten einige Gläubiger zum Umtausch gezwungen werden - das hat nun ein juristisches Nachspiel. Eine Hamburger Kanzlei will im Namen einiger deutscher Gläubiger gegen den griechischen Staat klagen. Sie fordern wegen der Zwangsmaßnahmen Schadenersatz.

Euro-Finanzminister geben Hilfsgelder frei

Der Schuldenschnitt war Voraussetzung für das zweite Hilfspaket der Euro-Partner im Wert von 130 Milliarden Euro. Die Euro-Finanzminister haben das Geld in der Nacht endgültig auf den Weg gebracht. "Wir haben das politisch und grundsätzlich beschlossen", sagte Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker nach Gesprächen in Brüssel.

Es müssten aber in Mitgliedsländern noch parlamentarische Hürden genommen werden. Die Entscheidung soll deshalb voraussichtlich an diesem Mittwoch bei einer Telefonkonferenz hochrangiger Vertreter der Finanzministerien endgültig bestätigt werden. Juncker sagte: "Das ist eine zweite Chance für Griechenland, die nicht verpasst werden darf." Unterdessen hat die Eurogruppe aber auch schon ein neues Sorgenkind: Die Haushaltslage in Spanien ist schlechter als gedacht, das Land kann die Defizit-Ziele für 2012 nicht einhalten.