Finnland Bedingungsloses Grundeinkommen bald passé

Momentaufnahme in Nordkarelien, Finnland.

(Foto: Anders Wideskott/Unsplash)
  • Finnland lässt Anfang 2019 sein Experiment mit einer Art bedingungslosem Grundeinkommen auslaufen.
  • 2000 Arbeitslose wurden ausgelost. Sie bekommen 560 Euro vom Staat, ohne sich für Arbeit bewerben zu müssen.

Ein weltweit einmaliges Experiment geht zu Ende: Finnland lässt das bedingungslose Grundeinkommen auslaufen, das der Staat 2017 für 2000 Menschen einführte, berichtet der Guardian. Die Regierung habe den Antrag der Sozialversicherungsanstalt abgelehnt, die Teilnehmer an dem Projekt weiter zu finanzieren. Im Januar 2019 laufen die Zahlungen demnach aus. Von Anfang an waren zwei Jahre als Testphase geplant.

Finnland hatte als erstes Land einer begrenzten Anzahl von Bürgern Geld überwiesen - ohne dafür eine Gegenleistung zu verlangen, etwa die Suche nach Arbeit oder den Zwang, eine bestimmte Stelle anzunehmen. 2000 Arbeitslose wurden ausgelost. Seit Januar 2017 erhielt jeder von ihnen 560 Euro im Monat vom Staat - bedingungslos und steuerfrei. Wer einen Job findet, bekommt das Geld weiterhin.

Die Regierung wollte herausfinden, ob sich mehr Bürger um Arbeit bemühen, wenn sie durch diese Arbeit keine Sozialleistungen verlieren würden. Der Begriff "bedingungsloses Grundeinkommen" für das finnische Modell ist aber nicht ganz korrekt. Denn nur eine Gruppe von Arbeitslosen bekommt das Geld - nicht alle Bürger - und das Geld reicht kaum zum Leben.

Die Idee dahinter ist, die psychologischen Folgen von Arbeitssuche und Behördendruck einzudämmen, die Gesellschaft gerechter zu machen und die Bürokratie des Sozialstaates zu schrumpfen. Schließlich ist die traditionelle Verwaltung von Sozialhilfe und Arbeitslosengeld sehr aufwändig.

Manche der direkt Verantwortlichen sind unzufrieden. Olli Kangas, Berater der Sozialversicherungsanstalt, beschwerte sich dem Guardian zufolge im öffentlich-rechtlichen Sender: "Zwei Jahre sind zu kurz, um ausführliche Schlüsse aus so einem großen Experiment zu ziehen. Wir hätten zusätzliche Zeit und mehr Geld gebraucht, um verlässliche Ergebnisse zu bekommen."

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