Finanzmarkt Die Deutsche Bank steckt in der Falle

Eine Milliardenstrafe aus den USA könnte existenzgefährdend für die Deutsche Bank werden, aber die Bundesregierung will nicht so recht helfen. Das ist verständlich. Aber falsch.

Kommentar von Meike Schreiber

Die angedrohte Strafe der US-Justiz ist wohl einer der gefährlichsten Momente in der Geschichte der Deutschen Bank. Es geht um die schwindelerregende Summe von 14 Milliarden Dollar, umgerechnet 12,5 Milliarden Euro. Die Deutsche Bank soll sie für windige Hypothekengeschäfte aus der Vorfinanzkrisenzeit bezahlen. Allenfalls während der Finanzkrise gab es ähnlich existenzgefährdende Situationen für Banken, damals kollabierte in den USA Lehman Brothers und hierzulande die Hypo Real Estate gleich hinterher. Nun ist die Angst zurück.

Der Fall zeigt, wie wenig Spielraum das größte Kreditinstitut der Republik noch hat. Nur 5,5 Milliarden Euro hat es insgesamt für Rechtsrisiken zurückgestellt, und zwar für alle Rechtsrisiken zusammen - und das sind außer den Hypotheken-Deals noch einige weitere. Müsste die Deutsche Bank nun auch nur annähernd die angedrohte Strafe zahlen, sie stünde vor dem Abgrund. Denn um die Überweisung nach Washington zu stemmen, müsste sie ihre wichtigen Kapitalreserven und damit ihren Puffer gegen eine Pleite anzapfen. Auf diese Reserven bestehen aber die Regulatoren. Alles, was eine Strafe von zwei bis drei Milliarden Dollar übersteigt, würde damit weiteren Kapitalbedarf nach sich ziehen.

Im Ernstfall könnte der Staat einspringen müssen

Nur: Die Aktieninvestoren werden nicht willens sein, diese Lücke zu füllen. Übrig bliebe allenfalls ein Notverkauf bestimmter Sparten, beispielsweise der Vermögensverwaltung. Die will die Bank aber eigentlich behalten, weil sie stabile Erträge bringt und sie unabhängiger macht vom Investmentbanking. Im schlimmsten Fall, das ist klar, droht sogar eine Teilverstaatlichung des Instituts. In Berlin wächst bereits die Sorge, die Deutsche Bank mitten im Wahlkampf stützen zu müssen. Politisch dürfte kaum etwas so schwierig zu verkaufen sein.

Showdown für die Deutsche Bank in Washington

Das US-Justizministerium fordert 14 Milliarden Dollar von der Deutschen Bank. Das ist zwar nur die erste Zahl in einer laufenden Verhandlung. Für das Geldinstitut ist die Lage aber brenzlig. Von Stephan Radomsky mehr ...

Die Deutsche Bank nun aber nur als Opfer einer Verschwörung der US-Politik zu sehen, griffe aber viel zu kurz. Das Institut hat, wie viele andere auch, lange Zeit blendend mit den krummen Geschäften verdient, für die sie nun bezahlen soll. Außerdem hat es die Führung um Anshu Jain, Jürgen Fitschen und nun John Cryan nicht geschafft, das Haus wirklich und dauerhaft zu stabilisieren. Hätte die Bank ein solides Geschäftsmodell und ausreichend Reserven, sie könnte wohl sogar eine Horrorstrafe wie die nun angedrohte verkraften. Das Beispiel dafür liefert der französische Rivale BNP Paribas: Die Bank musste 2014 bereits eine Strafe von 8,9 Milliarden Dollar zahlen, steckte das aber vergleichsweise locker weg.

Die Sache ist politisch höchst brisant - für beide Seiten

In den Doppeltürmen in Frankfurt dagegen regiert nun ausschließlich das Prinzip Hoffnung: Es hätten ja auch andere Banken geschafft, mit der US-Justiz eine deutlich niedrigere Summe zu verhandeln. Und auch die Amerikaner hätten ja kein Interesse daran, das Finanzsystem zu destabilisieren, indem sie die Deutsche Bank zu Fall brächten.

Wirklich? Dass die 14-Milliarden-Forderung schon jetzt, so früh in den Gesprächen, öffentlich wurde, macht die Sache auch politisch hoch brisant. Denn wie stünden die US-Behörden da - zumal jetzt, mitten im Präsidentschaftswahlkampf -, wenn sie sich nun wieder weit herunterhandeln ließen? Es erscheint zumindest möglich, dass die Regierung in Washington nichts dagegen hat, wenn sie gleichzeitig innenpolitisch mit Härte gegen böse Banken punktet und nebenher die Deutsche Bank aus ihrem Markt drängt.

Noch kommen aus Frankfurt keine Forderungen, dass die Bundesregierung sich einschalten möge. Und dort wird man es sich gut überlegen, ob man für die einst so arrogante Bank kämpft oder sich in Zeiten des aufziehenden Wahlkampfs lieber von ihr fernhält. Im Sinne stabiler Finanzmärkte und einer Beruhigung der Lage zwischen den USA und Europa wäre Hilfe aus der Politik aber eine gute Sache.

Deutsche-Bank-Chef fordert Mitarbeiter zum Denken auf

Ansage von oben: Die Mitarbeiter sollen selbst mehr entscheiden. mehr ...