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Finanzmarkt:Showdown für die Deutsche Bank in Washington

Dunkle Wolken über der Deutschen Bank

Dunkle Wolken über der Deutschen Bank (im Bild die Konzernzentrale in Frankfurt)

(Foto: dpa)
  • Für windige Hypotheken-Geschäfte vor der Finanzkrise fordert das US-Justizministerium in einem ersten Aufschlag 14 Milliarden Dollar Buße von der Deutschen Bank.
  • Die Verhandlungen über einen Vergleich stehen zwar noch ganz am Anfang, dass nun erstmals eine Auftakt-Forderung publik wurde, ist aber kein gutes Zeichen für die Frankfurter.
  • Noch gibt sich die Bank kämpferisch. Setzt sich die US-Regierung aber durch, könnten die Reserven der Bank aber schnell erschöpft sein.

Die Zahl ist jedenfalls mal eine Hausnummer: 14 Milliarden Dollar, umgerechnet knapp 12,5 Milliarden Euro. So viel fordert das US-Justizministerium als Geldbuße für windige Hypotheken-Geschäfte von der Deutschen Bank. Es ist zwar nur eine erste Forderung in den laufenden Verhandlungen um einen Vergleich. Doch die Summe übersteigt alles, womit Beobachter bisher gerechnet haben - und zwar bei weitem. Setzt sich die US-Regierung damit durch, es wäre die höchste jemals von ihr gegen ein ausländisches Kreditinstitut verhängte Geldbuße.

Fast noch interessanter als die Summe selbst ist allerdings der Fakt, dass sie schon jetzt, in einem so frühen Stadium der Gespräche, an die Öffentlichkeit gedrungen ist. Der Verdacht drängt sich auf, dass die Quelle wohl in Kreisen der US-Justiz sitzen muss - und dass die Deutsche Bank in eine politische Falle geraten sein könnte. Noch nie sind zuvor ist die Auftakt-Forderung des US-Justizministeriums in solchen Verhandlungen publik geworden. Nun aber ist eine Summe in der Welt - und hinter die, so befürchten einige Beobachter bereits, wird die US-Regierung am Ende nicht mehr allzu weit zurück können. Sonst könnte ihr mitten im Präsidentschaftswahlkampf innenpolitischer Schaden drohen. Schon machen in den sozialen Netzwerken erste Kommentare die Runde, die den Fall Deutsche Bank in Verbindung mit den Steuernachforderungen der EU-Kommission an den Technologie-Konzern Apple bringen.

Rivalen mussten deutlich weniger bezahlen

Die Vorwürfe der US-Justiz sind keineswegs neu: Wie andere Institute auch soll die Deutsche Bank durch windige Geschäfte mit hypothekenbesicherten Wertpapieren 2008 zum Kollaps des US-Häusermarktes beigetragen haben. Viele Banken hatten dort jahrelang Immobilienhypotheken an eigentlich nicht kreditwürdige Hauskäufer ausgereicht. Die Risiken aus diesen Geschäften wurden dann in hochkomplexen Wertpapieren verbrieft und so über den Finanzmarkt an Investoren verkauft - die den Geldinstituten nochmals hohe Gewinne bescherten. Als der Markt 2007 kollabierte, erwiesen sich diese Bonds genauso wie viele der dahinterstehenden Kredite und Immobilien aber als wertlos.

Für die Deutsche Bank spricht dabei, dass ihr amerikanisches Hypotheken-Geschäft vor der Krise nur einen Bruchteil so groß war, wie das der lokalen Bank of America. Auch hatten die Frankfurter deutlich weniger Kredite ausgereicht als die Investmentbank Goldman Sachs. Beide Institute haben ebenfalls bereits Bußen ans Justizministerium bezahlt: Goldman Sachs schloss im Frühjahr einen Vergleich über rund fünf Milliarden Dollar, 2,4 Milliarden davon für Hypotheken-Deals. Die bislang höchste Strafe bekam 2014 die Bank of America 2014 mit 16,65 Milliarden Dollar aufgebrummt. Im Umfeld der Deutschen Bank ist nun zu hören, dass es eigentlich keinen Grund geben könne, warum die Strafe nun höher ausfallen sollte als bei Goldman Sachs, auch weil man die umstrittenen Geschäfte eingestellt habe.

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Begrenzte Geld-Reserven und Probleme beim Nachschub

Auch nach außen hin gibt sich die Deutsche Bank kämpferisch: Man beabsichtige "auf keinen Fall, diese möglichen zivilrechtlichen Ansprüche in einer Höhe zu vergleichen, die auch nur annähernd der genannten Zahl entspricht", heißt es in einer Mitteilung. Dass es Strafen geben wird, nicht nur in diesem Fall sondern auch in anderen, damit rechnet die Bank ohnehin. Insgesamt hatte der Konzern zuletzt 5,5 Milliarden Euro für Rechtsstreitigkeiten zurückgestellt. Allerdings würde das nicht einmal annähernd reichen, um auch nur die Forderung des US-Justizministeriums im Hypotheken-Streit von umgerechnet rund 12,5 Milliarden Euro zu bezahlen. Und das ist nicht die einzige Geldbuße, die dem Frankfurter Geldhaus droht. Neben dem Hypotheken-Streit ist beispielsweise auch der Geldwäsche-Skandal in Russland noch nicht abschließend bezahlt.

Es könnte also ungemütlich werden für die Deutsche Bank. Denn frisches Geld bei Investoren und Aktionären zu besorgen, dürfte dem Institut angesichts schwacher Geschäfte und eines übel geschundenen Aktienkurses schwerfallen. Eine weitere Kapitalerhöhung jedenfalls hat der Vorstandsvorsitzende John Cryan mehrfach ausgeschlossen.

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