Finanzkrise in Irland Tausche Schulden gegen Urlaubssperre

Reste der Immobilienblase im Norden von Dublin

(Foto: REUTERS)

Kein Satellitenfernsehen und kein Urlaub mehr: Irland will verschuldeten Hausbesitzern beibringen, wie sie "angemessen" leben. Dann könnten ihnen hohe Immobilienkredite erlassen werden.

Spart eisern, dann wird euch geholfen - das ist der Rettungsschlager, den die internationalen Kreditgeber den Krisenstaaten unisono vorsingen. Ähnliches soll nun auch für hoch verschuldete Hausbesitzer in Irland gelten. Das neue nationale Amt für Insolvenzen will helfen, sie zu entlasten - und gleichzeitig zum Sparen erziehen.

Wer Schulden erlassen haben will, muss sich einschränken. Eine Tabelle schlägt Auflagen vor, wie viel Geld Teilnehmer des Programms noch ausgeben dürfen: 247,04 Euro monatlich für Nahrungsmittel, 35,73 Euro für Kleider und 125,97 für "soziale Inklusion und Partizipation" (hier die Tabelle als PDF). Auch für Hygiene, Gesundheit, Kommunikation, Bildung und Versicherungen liefert die Behörde Kostenvorschläge. Satellitenfernsehen, Urlaubsreisen und Privatschulen für die Kinder möchte sie ganz streichen, heißt es in der Broschüre "Richtlinien für einen angemessenen Lebensstandard und einen angemessenen Lebensunterhalt" (PDF).

"Ein angemessener Standard bedeutet nicht, dass eine Person im Luxus lebt - aber auch nicht am Existenzminimum", heißt es in dem Papier. "Ein Schuldner sollte am gemeinschaftlichen Leben teilhaben können. Er sollte sich gesund ernähren können, Kleider für alle Wetterlagen besitzen und sein Haus sauber und ordentlich halten können."

Das Heftchen ist der Maßstab, mit dem die Schuldner zu ihren Kreditgebern gehen sollen. Das Amt hilft bei den Verhandlungen als Vermittler, schreibt der öffentlich-rechtliche Sender RTE. Dazu werde die Behörde in den nächsten Wochen Personal einstellen, das individuelle Details mitverhandeln soll.

Der Direktor des Amtes, Lorcan O'Connor, nannte das Programm "eine zweite Chance", Irlands Justizminister Alan Shatter bezeichnete es als Rettung für all jene Iren, die keine Möglichkeit hätten, ihre Schulden je zu begleichen. Auf diese Weise könnten die Betroffenen ihr Zuhause behalten. Die Regelung sei nur für diejenigen gedacht, die nicht zahlen können - und nicht für solche, die nicht zahlen wollen. Er erwarte, dass im ersten Jahr bereits 15.000 bis 20.000 Menschen an dem Programm teilnehmen würden.

Irland wurde von der Finanzkrise 2008 besonders hart getroffen: Tausende Iren hatten billig Kredite für ein Eigenheim aufgenommen, die Bauwirtschaft blähte sich auf. Nun sitzen viele der Hauskäufer seit Jahren auf Bergen von Schulden und können die Kredite für ihre Immobilie nicht mehr bedienen. Getroffen hat die Krise auch die Banken. Vor mehr als zwei Jahren musste Irland mit milliardenschweren Notkrediten gestützt werden.