Finanzielle Bekenntnisse von Lesern Was wir verdienen, was wir versteuern

Der eine zahlt zehnmal mehr Steuern als die andere verdient: Wir haben unsere Leser nach ihrem Einkommen und ihren Steuerzahlungen gefragt - und überraschend ehrliche Antworten bekommen. Zehn Protokolle, von der Studentin bis zum Topmanager.

Von Sabrina Ebitsch

Frank Krailer*, 50, Direktor bei einem IT-Unternehmen aus München, verheiratet, vier Kinder, Steuerklasse III, 350.000 Euro

Mein Brutto-Jahreseinkommen als Direktor bei einem Technologie-Konzern liegt bei etwa 350.000 Euro. Meine Frau hat sich entschieden, für unsere Kinder zu Hause zu bleiben, und lässt zurzeit ihren Beruf ruhen - sie hat daher keinen Verdienst. Wir haben Steuerklasse III und V und kommen damit auf einen Steuersatz von etwa 38 Prozent, so um die 135.000 Euro.

Mit dem Niveau meiner Steuerlast bin ich insgesamt zufrieden - mir geht es gut und uns geht es gut. Ich bin dort, wo ich bin, nicht nur dank meiner Leistung, sondern auch wegen einer guten Ausbildung und vieler anderer positiver Standortfaktoren. Deswegen finde ich es gerechtfertigt, über die Steuer einen deutlichen Beitrag für das Gemeinwesen zu leisten. Ich habe mich auch ganz bewusst zum Beispiel gegen Anlagemodelle zum Steuernsparen entschieden: Immobilien in Ostdeutschland, die sich ökonomisch nicht rechnen, sondern vor allem dazu dienen, dem Staat Steuern vorzuenthalten - das entspricht nicht meiner Überzeugung.

Noch weiter sollte die Steuerschraube für Gutverdiener aber nicht angezogen werden. Meiner Einschätzung nach zahlen die fünf Prozent Topverdiener ohnehin schon deutlich überproportional, die Besteuerung nach Leistungsvermögen und damit die Umverteilung funktioniert recht gut. Statt einer Anhebung des Spitzensteuersatzes sollte sich der Staat die Einnahmen, die er braucht, über das konsequente Schließen von Steuerschlupflöchern holen, sowie bei Steuersündern zugreifen. Grundsätzlich finde ich, dass weniger die eigene Leistung oder das erarbeitete Vermögen besteuert werden sollte, als Geschenktes, also Einkünfte, wo man von der Leistung anderer profitiert - zum Beispiel wäre es sinnvoll, die Erbschaftssteuer anzuheben. Zudem kann man grundsätzlich die Frage stellen, ob die Staatsausgaben weiter so steigen müssen.

Recherche

"Wie gerecht ist das deutsche Steuersystem?" Diese Frage hat unsere Leser in der ersten Abstimmungsrunde unseres neuen Projekts Die Recherche am meisten interessiert. Dieser Text ist einer von am Ende mehr als zwei dutzend Beiträgen, die die Fragen beantworten sollen. Alles zum Thema Steuergerechtigkeit finden Sie hier, alles zu Die Recherche finden Sie hier.

Tasja Vennemann, 25, Studentin aus Hamburg, ledig, 12.000 Euro

Mit allem Drum und Dran liegt mein monatliches Einkommen bei etwa 1000 Euro: 400 Euro verdiene ich mit meinem Nebenjob als Nachhilfelehrerin, 350 Euro bekomme ich an Alimenten und 150 bis 200 Euro geben mir meine Großeltern als Taschengeld. Bafög kriege ich nicht.

Ich habe bisher - außer der Mehrwertsteuer - noch keine Steuern bezahlt und auch noch nie eine Steuererklärung gemacht. Als Studentin bleibe ich mit meinem Verdienst unter dem Grundfreibetrag und bin deswegen steuerbefreit. Dass Studenten mit geringen Einnahmen keine Steuern zahlen, halte ich für durchaus sinnvoll, weil es für viele sehr schwer ist, die Lebenshaltungskosten überhaupt zu bewältigen. Wünschen würde ich mir, dass der Grundfreibetrag angehoben wird, weil man, wenn man mehr arbeitet und mehr verdient, gar nicht viel davon hat. Man wird auf einem relativ niedrigen Level gehalten - und ein bisschen möchte man ja auch leben, wenn man mit Uni, Lernen und Nebenjob schon eine 60-Stunden-Woche hat.

Der Gesetzgeber sollte darüber nachdenken, ob das Steuersystem nicht so vereinfacht werden müsste, dass es für jeden verständlich ist. Außerdem sollten zum Beispiel bei hohen Einkommen die Abgaben prozentual stärker steigen. Immerhin hat die Glücksforschung gezeigt, dass, wenn man eine bestimmte Summe im Monat zur Verfügung hat, mehr Geld nicht mehr glücklicher macht.

*Name von der Redaktion geändert