Finanzen Banken tauschen im großen Stil Kreditkarten aus

Skyline von Frankfurt

(Foto: dpa)
  • Die Commerzbank tauscht 15 000 Kreditkarten von Kunden aus, Comdirect 20 000 und Postbank 50 000.
  • Womöglich wurden Kreditkartendaten bei einem Dienstleister abgegriffen.
Von Harald Freiberger

Wer eine Kreditkarte besitzt, sollte derzeit vorsichtig sein. In Deutschland wurden in den vergangenen Wochen massenhaft Daten von Karten abgegriffen. Mehrere Banken haben daraufhin nach Informationen der SZ vorsorglich Karten von Kunden ausgetauscht, um Betrug vorzubeugen. Es ist der größte Fall von Datenklau bei Kreditkarten in den vergangenen Jahren. Allein bei der Commerzbank waren 15 000 Karten betroffen, bei der zum Konzern gehörenden Comdirect 20 000. Die Postbank tauschte laut Handelsblatt sogar 55 000 Karten aus.

Ein Sprecher des Instituts betonte, dass Kunden kein Schaden entstehen werde. Von Betrugsfällen auch bei anderen Banken wurde bisher nichts bekannt. Offensichtlich handelt es sich bei der Austausch-Aktion um eine Vorsichtsmaßnahme. "Wir wurden von einem Dienstleister informiert, dass es möglicherweise zu Missbrauchsfällen kommen könnte", sagte ein Sprecher der Commerzbank. In dem Schreiben an die Kunden heißt es: "Von der Kreditkartenorganisation haben wir Hinweise erhalten, dass Dritte möglicherweise unberechtigt in den Besitz von Kreditkartendaten gelangt sein könnten."

Dem Vernehmen nach informierten die Kreditkarten-Unternehmen Visa und Mastercard die Commerzbank über das Datenleck. Eine mögliche Ursache ist, dass ein Dienstleister, der die Daten verarbeitet, von Hackern ausspioniert wurde. Verfügen Betrüger über Name und Kreditkartennummer eines Bankkunden, können sie auf dessen Kosten einkaufen. Deshalb entschließen sich Banken in einem solchen Fall manchmal, die Karten der betroffenen Kunden auszutauschen.

Betrug mit Kreditkarten kommt häufiger vor, es ist für Banken fast alltägliches Geschäft. Ungewöhnlich ist jedoch die hohe Anzahl der ausgetauschten Karten. In Bankkreisen hieß es, man könne davon ausgehen, dass die Zahl der ausgetauschten Karten bei anderen großen Banken ebenfalls fünfstellig sei.

Damit dürften in den vergangenen Wochen mehr als 100 000 Bankkunden von ihren Instituten angeschrieben worden sein. Das Datenleck wurde bereits im Dezember entdeckt.

"Wir haben den Verdacht, dass sich jemand die auf Ihrer Kreditkarte gespeicherten Daten beschafft hat"

Auch bei der SZ meldeten sich in den vergangenen Wochen Kunden verschiedener Institute, bei denen die Kreditkarte ausgetauscht wurde, unter anderem von der Landesbank Berlin und der Hypo-Vereinsbank. "Wir haben den Verdacht, dass sich jemand die auf Ihrer Kreditkarte gespeicherten Daten beschafft hat", heißt es in einem Schreiben der Landesbank Berlin an einen Kunden. Deshalb habe man seine Visa-Karte sofort gesperrt. Bis man ihm eine neue zuschicke, könnten Tage vergehen. Kunden anderer Geldinstitute warteten bis zu zwei Wochen auf eine neue Karte.

Ein Hinweis darauf, dass Kreditkarten im großen Stil gesperrt wurden, findet sich in dem Kundenschreiben der Landesbank Berlin nicht. Eine Sprecherin konnte nicht sagen, ob es sich um denselben Fall handelt wie bei Commerzbank und Postbank. Bei der Hypo-Vereinsbank hieß es, man müsse die Lage "erst analysieren".

Das Kreditkarten-Unternehmen Visa betonte, die Daten seien nicht bei ihm selbst abgegriffen worden. Gleichwohl seien Visa-Karten von der Austausch-Aktion betroffen. Man arbeite "eng mit den Betroffenen und den Finanzinstituten zusammen, um den kartenausgebenden Banken gefährdete Konten zu melden, damit sie alle nötigen Schritte zum Schutz der Kunden einleiten können".

Für Inhaber von Kreditkarten ist derzeit jedenfalls erhöhte Vorsicht geboten. Visa empfiehlt ihnen, "ihre Konten regelmäßig zu überprüfen und das kartenausgebende Finanzinstitut bei auffälligen Transaktionen sofort zu benachrichtigen". Karteninhaber von Visa seien bei Betrug geschützt und erhielten ihr Geld zurück. Mastercard wollte zu dem Fall keine Stellung nehmen.